Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Wenn der Bus bis zur Haustür fährt

dzDortmunder Stadtwerke testen Bus auf Bestellung

Es gibt keinen Fahrplan und keine Haltestellen. Stattdessen kommt der Bus dorthin, wo ihn der Fahrgast per App hinbestellt: „MyBus“ heißt das System, das in Duisburg seit Herbst 2017 getestet wird. Eine ähnliche Variante könnte es bald auch in Dortmund geben. Das Taxi-Gewerbe zeigt sich irritiert.

Dortmund

, 19.06.2018 / Lesedauer: 3 min

Mit großem Interesse verfolgt Heinz-Josef Pohlmann, Prokurist für Betrieb und Marketing bei den Dortmunder Stadtwerken (DSW21), das neue Mobilitätsangebot der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG). Die Kernpunkte: Fahrgäste können den Bus, ein Kombifahrzeug mit sieben Sitzen, per smartphone zur eigenen Haustür oder einem anderen Aufenthaltsort bestellen und sich von dort aus hinbringen lassen, wo sie möchten.

Die Fahrt kostet 3,20 Euro; Abo-Kunden der DVG zahlen 2,50 Euro. Der Unterschied zum Taxi: Das Angebot beschränkt sich ausschließlich auf die Innenstadt und die angrenzenden Stadtteile. Zudem ist „myBus“ nicht tagsüber im Einsatz. Die insgesamt fünf Mini-Busse fahren freitags und samstags jeweils von 19 bis 4 Uhr sowie sonntags von 10 bis 19 Uhr. „Wir möchten den öffentlichen Nahverkehr auch in Randzeiten flexibler machen“, sagt DVG-Sprecher Felix zur Nieden. Seit Projektstart im September 2017 hätten rund 13.500 Kunden die „myBus“-App heruntergeladen. Bislang komme die DVG auf „rund 100 Fahrten“ pro Wochenende.

Mini-Busse fahren ohne Takt, ohne Haltestellen und ohne Fahrplan

Mit „myBus“ liefert Duisburg eine viel beachtete Blaupause, die in ähnlicher Form in Dortmund von DSW 21 übernommen werden könnte. „Wir stecken mitten in der Konzeptphase“, sagt Pohlmann, der sich vom Modell der DVG sehr angetan zeigt. Die Stärke von „myBus“ sei, dass es keinen Takt, keine Haltestellen und keinen Fahrplan gebe. „Alles, was den ÖPNV sperrig macht, fällt weg.“ Der Kunde müsse nur seinen Fahrtwunsch mit Start und Ziel in die App eingeben. Die Route werde dann in Echtzeit berechnet, sodass der Kunde erkenne, wann der Mini-Bus bei ihm eintrifft und wann er das Fahrtziel erreiche.

Noch ist offen, in welchem Dortmunder Stadtgebiet die Mini-Busse künftig fahren könnten. Ein denkbares Einsatzgebiet sei die südöstliche Innenstadt mit dem Defdahl und der nördlichen Gartenstadt, sagt Pohlmann. Zwar werde das Quartier von einer herkömmlichen Buslinie erschlossen. Die Fahrtroute sei vielen Nutzern aber vielleicht etwas zu umständlich, meint Pohlmann.

„Wir glauben, dass es dort mehr Fahrgastpotenzial gibt.“ Dahinter steht auch die Frage, zu welchen Zeiten DSW21 den Service anbieten will. Während die Duisburger in erster Linie auf die Nachtschwärmer zielen, prüfen die Dortmunder Stadtwerke zurzeit zwei Varianten.

Mitte 2019 könnten die Wagen starten

Variante 1: Die Bestellbusse fahren tagsüber – das spricht für einen Einsatz in der südöstlichen Innenstadt. „Menschen, die weniger mobil sind, könnten sich zum Arzt, zum Einkaufen oder auch zur weiter gelegenen Stadtbahnhaltestelle bringen lassen“, sagt Pohlmann.

Variante 2: Die Busse fahren nachts. In dem Fall geht es wie in Duisburg darum, Nachtschwärmer aus den angrenzenden Stadtteilen von Punkt zu Punkt und in die City zu transportieren.

Wohin die Reise geht, soll in der zweiten Jahreshälfte klar sein. „Dann soll das Konzept stehen“, sagt Pohlmann. Was folgt, sind die notwendigen Abstimmungsgespräche mit der Stadt, der Taxi-Genossenschaft und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), dessen Tarifbestimmungen die Mini-Busse unterliegen.

Ob ein Niedrig-Fahrpreis von 3,20 Euro auch in Dortmund gehalten werden kann - Pohlmann zeigt sich vorsichtig skeptisch. „Wahrscheinlich müssten wir etwas drüber gehen.“ Fahren die Kombis in Duisburg Verluste ein, werden die Defizite von der DVG ausgeglichen – und in Dortmund wohl von DSW21. Wann sollen die Wagen starten? „Wenn es glatt läuft, Mitte 2019“, sagt Pohlmann.

Taxi-Gewerbe reagiert überrascht

Das Taxi-Gewerbe reagiert erst einmal überrascht. Das sei ein Eingriff in das Personen-Nahverkehrsgewerbe, sagt Dieter Zillmann, Vorsitzender der Dortmunder Taxi-Genossenschaft, auf Anfrage in einer ersten Stellungnahme. "Das kann für uns zu einer enormen Konkurrenz führen."

Er halte es für sinnvoller, wenn die Taxi-Genossenschaft solche Fahrten übernehme - und zwar im Auftrage von DSW21. "Es muss eine Zusammenarbeit geben", fordert Zillmann. Und möchte erst einmal die Gespräche mit DSW21 abwarten.

Wer in Duisburg myBus bestellt, muss damit rechnen, dass weitere Fahrgäste unterwegs zusteigen. Das geschieht nur, wenn sich die Strecken kombinieren lassen, ohne dass es zu großen Umwegen kommt. "Keiner soll mehr als 20 Minuten warten und länger als 30 Minuten im Wagen sitzen", sagt DVG-Sprecher zur Nieden. Bezahlt wird bargeldlos über die "myBus-App." Die Abrechnung erfolgt über das Handyticket Deutschland-System.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt

Jetzt kostenlos testen

Die Zeitung für Dortmund

Noch lokaler war eine Dortmunder Zeitung noch nie: Wir berichten über alles, was Sie aus Ihrem Stadtbezirk wissen müssen – täglich von dienstags bis samstags auf zwei ganzen Seiten. Mit exklusiven Serien

Lesen Sie jetzt