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Das Halbfinale bei der WM 2014 war geschichtsträchtig. Deutschland gewann 7:1 gegen Gastgeber Brasilien. Vier Tore fielen binnen sieben Minuten. Bald steht das Tor aus Belo Horizonte in Dortmund.

Dortmund

, 02.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Ein Tor steht für vieles. Für manche für alles. Für das pure Glück des Torschützen und seiner Mannschaft. Für Freiheit. Und für Enttäuschung, Trauer, Wut. Für Diskussionen; am Stammtisch und neuerdings auch im Videokeller. „Ein Tor“, fabulierte Marcel Reif am 1. April 1998 im altehrwürdigen Estádio Santiago Bernabeu zu Madrid, „würde dem Spiel gut tun.“

Alle Welt wartete damals auf den Anpfiff des Halbfinales der Königlichen in der UEFA Champions League gegen Titelverteidiger Borussia Dortmund. Reif meinte in diesem Fall nicht nur den ersten Treffer, der schon so manches Mal als Brustlöser für ein gesamtes Spiel beschworen worden ist, sondern tatsächlich das Torgestänge. Madridistas hatten es umgerissen. Und ohne Tor nun mal kein Spiel.

Die höchste Halbfinal-Niederlage

Das Tor im Estádio Mineirao in Belo Horizonte hat in kurzer Zeit vieles erlebt, nein: alles. Fünf Treffer, in nur einer Hälfte, vier davon gar binnen sieben Minuten, erzielt durch Thomas Müller, Miroslav Klose, Toni Kroos, noch einmal Toni Kroos, und Sami Khedira. Das aber waren nur die sportlichen Komponenten. Die Wirkung dieser Treffer ging weit über die 90 Minuten und das Rasenviereck hinaus.

Vier Treffer in sieben Minuten – ein Tor für die Ewigkeit

Miroslav Klose, Sami Khedira und Toni Kroos bejubeln das 4:0 gegen Brasilien. © dpa

Schließlich war es nicht irgendein Spiel, sondern das WM-Halbfinale am 8. Juli 2014; schließlich standen sich nicht irgendwelche Gegner gegenüber, sondern die gastgebenden Brasilianer und die weltmeisterlichen Deutschen. Schließlich wurde es die höchste Halbfinal-Niederlage in bis dahin 84 Jahren WM-Historie.

Große Szenen

Die Treffer in dieses eine Tor führten aber nicht – und das ist wichtig – zur größten Schmach in selbiger Geschichte. Auch dafür waren die Mannen von Joachim Löw verantwortlich. Der Bundestrainer hatte ihnen in der Halbzeit eingebläut, die Brasilianer nicht vorzuführen. So kam es am Ende „zu großen Szenen zwischen zwei großen Fußballnationen“, wie ZDF-Reporter Béla Réthy festhielt.

Als nun in Russland die WM 2018 begann, wurde das womöglich letzte Kapitel zum Turnier 2014 geschrieben: Die Hilfsorganisation DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. hat die Spendenaktion „7:1 – DEINS!“ ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Deine Spende. Dein Stück vom Tor.“ können Fans ab einer Spende von 71 Euro einen der 8.150 originalen Netzknoten ergattern.

Vier Treffer in sieben Minuten – ein Tor für die Ewigkeit

Große Geste nach dem Spiel: Thomas Mülller und Bastian Schweinsteiger trösten Brasiliens Dante nach dem Spiel. © dpa

Ein Stück Sportgeschichte

„Mit dem Spendenerlös unterstützen wir soziale Projekte für Kinder und Jugendliche im Umfeld des Stadions“, sagt DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm. Die Echtheit des Tores inklusive des Tornetzes ist vom Stadionbetreiber zertifiziert. Überführt wurde es am 13. Juni mit Flug LH8269 der Lufthansa Cargo vom Flughafen Viracopos nördlich von Sao Paulo nach Frankfurt/Main. Thorsten Braun von Lufthansa Cargo sagt: „Wir freuen uns, ein Stück Sportgeschichte nach Deutschland geflogen zu haben.“

In der Tat: Ein Tor steht für vieles. Für manche für alles. Das Tor aus dem Estádio Mineirao in Belo Horizonte steht künftig in Dortmund. Im Deutschen Fußballmuseum. Geschichte zum Anfassen.

Ein ungewöhnliches Exponat

„Das Tor aus Belo Horizonte ist ein ungewöhnliches Exponat, mit dem wir nicht nur das unglaubliche Geschehen auf dem Platz, sondern auch den respektvollen Umgang beider Mannschaften untereinander in besonderer Weise inszenieren und vermitteln können“, sagt Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums.

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