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Unsere Autorin startet bei minus 85 Grad den Selbstversuch in der Kältekammer

Kältekammer

Blau-violett leuchtet die Kältekammer. „-85 Grad“ steht an der Tür. Wenn Obst schockgefrostet wird, ist es gerade mal halb so kalt. Unsere Redakteurin Susanne Riese wagt den Selbstversuch.

Dortmund

, 08.08.2018
Unsere Autorin startet bei minus 85 Grad den Selbstversuch in der Kältekammer

Im Kältebad herrschen Temperaturen von minus 85 Grad. © Susanne Riese

Die digitale Anzeige zeigt „-89 Grad“. Kann der menschliche Organismus das unbeschadet vertragen? Für jemanden wir mich, der nicht nur gefühlt Stunden braucht, um im mittelkalten Mittelmeer baden zu gehen, ist die Aussicht auf Minusgrade im hohen zweistelligen Bereich der pure Horror.

Ich wage mich trotzdem in die Eiskammer des Studios Vitaluxe am Phoenix-See. Die trockene Kälte soll ja gar nicht so kalt sein. Außerdem soll das Eisbad gesund, schlank und schön machen. Und gute Laune, denn der Körper schüttet angeblich alle möglichen Stoffe aus, die sich gut anfühlen. Zunächst um zu überleben oder das Sterben erträglich zu machen, dann aus Begeisterung, der tödlichen Umgebung entkommen zu sein.

Unsere Autorin startet bei minus 85 Grad den Selbstversuch in der Kältekammer

RN-Redakteurin Susanne Riese traute sich in die Kältekammer. © Janis Büse

Zum ersten Mal ziehe ich mich während der Arbeit aus bis auf das Notwendigste. Um Erfrierungen zu vermeiden erhalte ich dicke Handschuhe, plüsch-gefütterte Latschen, Stirnband und Mundschutz. Ich darf Musik auswählen, das Display neben der Glastür zeigt minus 87 Grad, kalter Nebel schlägt mir entgegen. Die Tür schließt sich hinter mir.

Ich bin allein in der eisigen Kammer. Allein mit der Kälte und Justin Timberlake.

Es fühlt sich an wie im Skiurlaub auf einem sehr hohen Gipfel

Sofort bin ich von dichten weißen Schwaden umgeben. „Can´t stop the Feeling.“ Ich muss tänzeln und konzentriere mich darauf, durch die Nase zu atmen. Das fühlt sich an wie im Skiurlaub auf einem sehr hohen Gipfel an einem sehr kalten Tag. Aber es tut nicht weh. Das beruhigt.

Ich trete auf der Stelle und drehe winzige Kreise. Es lässt sich aushalten. Aber die Zeit vergeht langsam. Hinter der beschlagenen Scheibe erkenne ich zwei hochgehaltene Finger. Victory? Oder soll das zwei Minuten bedeuten? Oh Gott, hoffentlich heißt es nicht, noch zwei Minuten.

Die leichten Schauer begleiten mich noch den ganzen Tag

Ich halte eine Ewigkeit aus und öffne die Tür. Zu früh. Justin Timberlake war noch nicht fertig. Ich habe die drei Minuten nicht ganz geschafft. Die hätten es sein sollen, wegen der Endorphine und so.

Ich bin trotzdem euphorisiert von meinem Mut und dieser Erfahrung. Es kribbelt etwas am ganzen Körper, der sich innen und außen eiskalt anfühlt. Die leichten Schauer begleiten mich noch den ganzen Tag, aber nicht unangenehm, eher erfrischend.

Abends war´s das aber schlagartig mit der Erfrischung und ich schlafe todmüde ein mit dem Gefühl: Ich bin eine Heldin!