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Tödliches Parkdeck-Drama von Hörde: Angeklagte (17) ist „traurig und fassungslos“

Prozessbeginn am Landgericht

Hinter verschlossenen Türen hat der Prozess um das tödliche Parkdeck-Drama von Hörde begonnen. Erstmals wurde dabei auch etwas über den Gemütszustand der 17-jährigen Angeklagten bekannt.

Dortmund

, 09.08.2018
Tödliches Parkdeck-Drama von Hörde: Angeklagte (17) ist „traurig und fassungslos“

Nach der tödlichen Messerattacke auf die 15-Jährige entstand eine spontane Gedenkstätte am Tatort im Parkhaus am Bahnhof Hörde. Am Donnerstag startete der Prozess gegen die 17-jährige Täterin. © Stephan Schütze (Archiv)

"Sie ist aufgeregt und hat auch Angst", sagte Verteidigerin Henriette Lyndian vor Prozessbeginn. Die Tat sei ihr unbegreiflich, damit müsse sie sich erst einmal auseinandersetzen. "Ihr war anfangs ja gar nicht klar, was überhaupt passiert ist." Heute sie sie "fassungslos" und "sehr, sehr traurig".

Knapp sechs Monate ist das tödliche Parkdeck-Drama von Hörde inzwischen her. Es war der 23. Februar, als die Angeklagte zum Messer griff. Ihre 15-jährige Bekannte wurde in der linken Brustseite getroffen. Die Spitze des Messers drang bis ins Herz. Die Jugendliche hatte keine Chance.

Verteidigerin beschreibt die Tat als eine Art Kettenreaktion

Die beiden Mädchen hatten gestritten. "Es ging um Banalitäten", so Lyndian. "Die haben sich gezofft und geprügelt. Das hat sich aufgeschaukelt." Die Tat sei eine Art "Kettenreaktion" gewesen. "Ein Wort gab das andere, dann ist die Situation eskaliert."

Nach dem Messerangriff hatte sich die Jugendgruppe, die sich auf dem Parkdeck getroffen hatte, getrennt. Die einen blieben beim Opfer, die anderen folgten der Angeklagten nach draußen. Dabei sollen sie der 17-Jährigen auch das Messer abgenommen haben.

Familie des Opfers kam nicht zum Prozessauftakt

"Was passiert ist, tut meiner Mandantin unendlich leid", so Lyndian. "Sie sucht auch nicht nach einer Rechtfertigung oder eine Entschuldigung." Im Gegenteil. "Sie macht sich sehr viele Gedanken." Im Iserlohner Jugendgefängnis, in dem sie zurzeit untergebracht ist, wolle sie nun erst einmal ihren Schulabschluss machen. "Sie ist ein Mensch, der etwas lernen will, wenn ihn etwas interessiert."

Was der Angeklagten allerdings zu schaffen mache: Dass sie niemanden um Entschuldigung bitten kann. Zum Prozessauftakt ist niemand aus der Familie der 15-Jährigen vor Gericht erschienen.

Öffentlichkeit bekam die Angeklagte nicht zu Gesicht

Die eigene Mutter scheint allerdings weiter zur Angeklagten zu halten. "Sie hat alles getan, um ihre Tochter gut zu erziehen", so Lyndian. Der Vater soll sich dagegen im Ausland befinden.

Der Prozess selbst findet komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Keiner der wartenden Journalisten bekam die Angeklagte am Donnerstag zu Gesicht. Als die Wachtmeister die 17-Jährige in den Verhandlungssaal führten, waren die Türen bereits geschlossen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Totschlag. Im Falle einer Verurteilung drohen der 17-Jährigen bis zu zehn Jahre Jugendhaft.

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