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"Pfarrhaus-Bande": Peilsender offenbarte Auskundschaftungs-Touren des Hauptangeklagten

Landgericht Bochum

Im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Mitglieder der „Pfarrhaus-Bande“ ist bekannt geworden, dass schon Wochen vor der Festnahme ein Peilsender am Pkw des Hauptangeklagten angebracht war.

Bochum/Dortmund

, 23.04.2019 / Lesedauer: 3 min
"Pfarrhaus-Bande": Peilsender offenbarte Auskundschaftungs-Touren des Hauptangeklagten

Die drei Angeklagten und ihre Verteidiger beim Prozessauftakt im großen Schwurgerichtssaal am Bochumer Landgericht. © Werner von Braunschweig

Vor dem Bochumer Landgericht wurden am Dienstag seitenweise Tabellen verlesen, aus denen hervorgeht, dass die Ermittlungskommission „Phoenix“ das angeklagte Trio (neben der Telefonüberwachung) bereits seit Anfang Juli 2018 auch auf Schritt und Tritt „technisch observiert“ hat.

Über einen am 7er BMW des Hauptangeklagten installierten GPS-Sender konnte nachvollzogen werden, dass das Fahrzeug am 3. Juli reihenweise die Umgebung von Pfarrhäusern in Ostwestfalen abgefahren hat. Vier Tage später kam es dann an einer der zuvor ausgekundschafteten Kirchengemeinden – St. Marien in Verl - zu einem Einbruchs-Coup. Laut Anklage folgten bis zu der Festnahme des Trios am 16. August 2018 noch mindestens acht weitere Einbruchstaten.

Küster aus Olsberg immer noch "entsetzt"

Der Hausmeister einer bereits im Mai 2018 durch einen Einbruch betroffenen Gemeinde (in Bigge-Olsberg) konnte sich auch fast ein Jahr nach dem Einbruch kaum beruhigen über die in seinen Augen blinde Zerstörungswut der Einbrecher.

„Wir waren entsetzt“, sagte der Küster am Dienstag bei seiner Zeugenaussage. Die Täter hätten alles kurz und klein geschlagen, was ihnen den Weg versperrt hat, auch Fenstergitter wurden aufgebogen. Im Innern des Pfarrhauses ist nicht eine Tür heile geblieben, selbst der Besenschrank wurde völlig zerstört“, schildert der Küster.

10.000 Euro Sachschaden

Was den Zeugen besonders verbittert, ist die Zwecklosigkeit der Zerstörung, wegen der von vorneherein absehbar ausgebliebenen Beute. „Es wurde nichts entwendet, weil ja auch so gut wie nie Bargeld in dem Haus war“, sagte der Küster. Der Sachschaden habe dafür mit rund 10.000 Euro aber ein gewaltiges Loch in die Gemeindekasse gerissen.

Den zwei angeklagten Männern und einer Frau werden insgesamt 32 Einbrüche und Raubüberfälle zur Last gelegt. In Haltern war Pater James im Pfarrhaus von St. Sixtus attackiert, gefesselt und eingesperrt worden. Auch in Dortmund war ein Geistlicher im Pfarrhaus der Gemeinde St. Urbanus tätlich angegriffen worden. In Castrop-Rauxel im Pfarrhaus der St. Lambertus Gemeinde hatten die Täter einen kompletten Tresor mit Kirchenbüchern und Schlüsseln aus der Verankerung gehebelt.

Der Prozess wird am 25. April (Donnerstag) fortgesetzt - unter anderem mit der Vernehmung von Pater James.

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