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Opfer: "Das war militärisch geplant"

Panzerknacker-Prozess

Jetzt reden die Opfer: Im Prozess um 15 bewaffnete Überfälle auf Geldtransporter hat sich ein Sicherheitsmann noch einmal an seinen ganz persönlichen "Albtraum" erinnert.

Dortmund/Hagen

, 27.06.2018
Opfer: "Das war militärisch geplant"

Sieben Männer müssen sich sich Mitte Juni vor dem Hagener Schwurgericht verantworten. Die Anklage lautet unter anderem auf Mordversuch. © wvb

"Das war sehr militärisch geplant und eiskalt durchgezogen", sagte der Zeuge am Mittwoch vor dem Hagener Schwurgericht. Der Sicherheits-Mann hatte am 30. November 2001 am Steuer eines Geldtransporters gesessen und war gerade mit einer Eintragung in einer Mappe beschäftigt, als plötzlich Schüsse aus einem Sturmgewehr gefallen waren.

Sein Kollege, mit dem er per Funk verbunden gewesen ist und der gerade dabei war einen Koffer mit knapp 1,8 Millionen D-Mark (umgerechnet rund 920.000 Euro) im Rückraum des Transporters zu verstauen, habe es regelrecht umgehauen. "Erst hat es mehrfach geknallt", erinnerte sich der 47-Jährige.

Beim Blick nach hinten zu seinem Kollegen habe er sich gedacht: "Wow, den hat es voll erwischt." Dann sei bereits von außen an die Transporter-Wand gehämmert und gerufen worden: "Sofort die Tür aufmachen, sonst wird das Auto weggesprengt."

Leutspur gezündet

Der Überfall selbst sei dann "eine sehr brutale Situation" gewesen. Er und sein Kollege hätten bäuchlings auf dem Boden gelegen, während die mindestens zwei Täter sich im Innern des Geldtransporters bedient hätten. Am Ende des Überfalls habe einer der Männer dann noch eine Leutspur gezündet - dann sei es vorbei gewesen. Seinen Beruf hat der 47-Jährige im Anschluss an den Überfall aufgeben müssen. "Ich habe es nach ein paar Wochen noch einmal versucht, aber es ging nicht mehr", sagte der Zeuge. Ständige Panikattacken, Herzrasen und schweißnasse Hände hätten das aber unmöglich gemacht.

Angeklagt sind sieben Männer. Es geht um 15 Überfälle zwischen 1997 und 2015 mit einer Beute von rund fünf Millionen Euro. Der mutmaßliche Chef der Bande ist 48 und kommt aus Wuppertal. Er hat bereits beim Prozessauftakt zugegeben, dass er bei 14 von 15 Taten dabei war. In Dortmund war laut Anklage offenbar der ganz große Coup geplant. Der 48-Jährige und seine Komplizen hatten es in Bodelschwingh an der Richterstraße auf einen Geldtransporter abgesehen, der angeblich neun Millionen Euro an Bord hatte.

Das Fahrzeug wurde damals eingekeilt, die Fahrer mit einer Panzerfaust-Attrappe bedroht. Außerdem wurde geschossen – auf die Reifen, den Motor und in die Luft. Die Beute soll am Ende "nur" rund 300.000 Euro betragen haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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