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Kritik an neuen Pesa-Zügen: „Darüber regen sich nur noch Gelegenheitspendler auf“

dzÄrger mit neuen Zügen

Der Ärger über die neuen Züge im Sauerland-Netz ist bei den Pendlern groß. Laut Pro Bahn setzt DB Regio mit diesen Zügen auf das „Bananenprinzip: Das Produkt reift beim Kunden“.

Dortmund

, 11.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit gut drei Jahren pendelt der Lehrer Malte Dürr mit der Bahn zu seiner Arbeitsstelle, in den vergangenen Wochen war das Fahrzeug, das er nutzen wollte, ein neuer Zug. Ein Pesa Link 633, ein dreiteiliger Dieseltriebwagen, rund 57 Meter lang. „Was ich mit diesem Zug an Ausfällen erlebt habe war mehr, als ich in den ganzen Jahren zuvor erlebt habe.“

Verspätungen von fünf bis zehn Minuten seien nicht sein Thema, sagt Dürr, daran habe er sich gewöhnt. An was er sich nicht gewöhnen will: Die neuen Züge kämen oft 30 bis 60 Minuten verspätet. Oder sie fielen ganz aus.

36 Züge im Einsatz

Wie berichtet hat die DB Regio große Probleme mit neuen Zügen, die seit Sommer 2018 bzw. Frühjahr 2019 im Sauerlandnetz fahren. Seit Sommer 2018 fahren 20 zweiteilige Pesa Link (Modellnummer 632) auf den Regionalbahnlinien RB 43, 52, 53 und 54.

Seit dem Frühjahr 2019 fahren 16 dreiteilige Pesa Link (Modellreihe 633) auf den Strecken RE 17 und 57. Wie oft genau es zu Zugstörungen kam, wollte DB Regio auf Anfrage nicht konkret sagen. Zufrieden sei man nicht, hieß es vonseiten der DB Regio. Und dass es Tage gebe, in denen die zur Verfügung stehenden Ersatzzüge nicht ausreichen.

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Dass ein neues Zugmodell wie ein Auto sogenannte Kinderkrankheiten haben kann, ist nicht unnormal. Doch bei den Pesa Links, so zumindest die Erfahrung von Pendler Dürr, häufen Schwierigkeiten sich exorbitant: „Pendler und Schaffner sind inzwischen total resignativ. Lediglich Gelegenheitspendler regen sich noch auf.“

Ein Schaffner habe ihm einmal erklärt, was passiert, wenn der Pesa liegen bleibt. Der Zug müsse wie ein PC einmal komplett runter und dann wieder raufgefahren werden. Und das könne schon mal mehr als eine halbe Stunde dauern.

Den Zuschlag für die Sauerlandlinie gab es 2013

Das sogenannte Sauerlandnetz ist 2013 federführend von der NWL (Nahverkehr Westfalen Lippe) an die DB Regio vergeben worden. Die DB Regio hatte sich damals mit den Pesa-Zügen beworben, obwohl die damals noch nirgendwo in Deutschland im Einsatz waren. Sagt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Seiner Einschätzung nach war man damals bei DB Regio selber überrascht, den Zuschlag für die Linien bekommen zu haben. Der Zug war damals, 2013, ein Jahr alt. 2016 sollten die neuen Züge eingesetzt werden, es gab technische Schwierigkeiten, das Eisenbahnbundesamt verweigerte die Zulassung. Sie wurde dann 2018 erteilt.

Es gab eine Kündigungsmöglichkeit – sie ist verstrichen

Hier hätte die Geschichte zu Ende sein können, denn es gab in dem Vertragswerk eine Kündigungsklausel: Bei der Nichtproduktion von 75 Prozent der Fahrzeuge bis zum 31. Januar 2018 hätte der Zweckverband NWL kündigen können. Diese Möglichkeit ließ der NWL, wie er am Dienstag auf Anfrage bestätigte, verstreichen. Man hielt das Konzept mit dem Einsatz alter Fahrzeuge bis zur Fahrzeugauslieferung für eine bessere Alternative. Jetzt, wo die Fahrzeuge da sind, machen sie Probleme.

„Laut, klappernd, schlicht unzumutbar“

Für Lothar Ebbers von Pro Bahn wird hier das „Prinzip Bananenversion“ angewandt: „Das Produkt reift beim Kunden“. Die DB habe damals mit einem Zug auf die Strecke geboten, der schlicht noch nicht ausgereift war. „Es scheint ja Hard- und Softwareprobleme zu geben“, so Ebbers weiter.

Malte Dürr baut gerade mit seiner Partnerin ein Haus, im Dezember soll es fertig sein, dann ist das Pendeln für ihn Vergangenheit. Mit seiner Kritik an dem Zug aber ist er nicht alleine. Weitere Leser beschwerten sich über die Lautstärke des Zuges, über klappernde Verkleidungen und über bereits jetzt innen beschlagene Doppelglasfenster. Der Zug sei „schlicht unzumutbar“.

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