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Jeder zweite Grundschüler kann nicht schwimmen

Nichtschwimmer

Die Zahl der Nichtschwimmer in Grundschulen ist erschreckend hoch. Damit sich das bessert, plant der Stadt-Sport-Bund gemeinsam mit mehreren Partnern eine groß angelegte Aktion.

Dortmund

, 18.07.2018
Jeder zweite Grundschüler kann nicht schwimmen

30 bis 50 Prozent aller Schüler der vierten Klassen in Dortmund können nicht schwimmen. © picture alliance / dpa

Was gibt es an diesen heißen Sommertagen schöneres als einen Sprung ins kühle, erfrischende Wasser? Doch viele Grundschulkinder müssen darauf verzichten, denn: 30 bis 50 Prozent aller Schüler der vierten Klassen in Dortmund können nicht schwimmen. Das ergab der Sportmotorische Test an Grundschulen. „Bei der Komm-Sport-Testung in den Jahren 2015 bis 2017 wurden 16 Schulstandorte in Dortmund mit rund 1000 Kindern befragt“, berichtet Lydia Brinkmann vom Stadt-Sport-Bund. Zudem seien in den vergangenen Jahren Erhebungen an allen Grundschulen bei der Schuleingangsuntersuchung und von der Schulaufsichtsbehörde durchgeführt worden.

Aktion gegen Nichtschwimmer

Zusammen mit Schwimmvereinen und der DLRG möchten die Stadt und der Stadt-Sport-Bund dem Nichtschwimmer-Problem entgegenwirken - mit dem Aktionsplan „Nichtschwimmer? Halbschwimmer? Wir lernen schwimmen!“ Das Ziel: Kinder frühzeitig für den Bewegungsraum Wasser begeistern und Ängste abbauen. „Denn eine frühe Wassergewöhnung führt später dazu, dass die Kinder schneller Schwimmen lernen“, so Brinkmann. Die Angebote sollen im Nachmittagsbereich geschaffen werden und von Schwimmvereinen und DLRG-Ortsgruppen durchgeführt werden.

Für die hohe Zahl der Nichtschwimmer sieht Brinkmann folgende Gründe: „Teilweise handelt es sich um Nichtschwimmer in der dritten Generation. Deshalb wird die Notwendigkeit zum Schwimmenlernen nicht immer gesehen. Darüber hinaus können viele Familien den Schwimmunterricht nicht finanzieren.“ Und: Immer wieder fehle den Vereinen auch Wasserzeiten, um die Anfrage an Nichtschwimmern bewältigen zu können.

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Weitere Angebote für Nichtschwimmer

Die neuen Angebote der Sportjugend Dortmund sind eine Ergänzung zu der Aktion: „Anfängerschwimmen! Wir lernen schwimmen!“ Die gibt es seit 2016, um die Zahl der Nichtschwimmer in Dortmund zu reduzieren. „Wir sind da ein bisschen weiter als andere NRW-Kommunen“, meint Holger Maurer, Mitarbeiter der Stadt.

Die Zahl der geförderten Angebote soll in den nächsten Jahren weiter steigen. Konkret heißt das: Weiteres Personal soll in Grundschulen und Kitas geschult werden, damit sie die Schwimmfähigkeit der Kinder fördern können. Bisher wurden bereits zusätzliche Angebote in 7 Kindertageseinrichtungen und 15 Grundschulen geschaffen. Die Kitas und Grundschulen werden im Bereich Wassergewöhnung und Nichtschwimmerausbildung durch Vereine und Badbetreiber in ihren Schwimmangeboten unterstützt. Und Brinkmann betont: „Die Angebote werden komplett über die Projekte `Komm-Sport´ und `Komm-an-NRW´ finanziert. Eltern müssen nichts zahlen.

Nichtschwimmer sind ein bundesweites Problem

Tatsächlich sind die Nichtschwimmer ein bundesweites Problem. Das zeigen Zahlen der Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa von 2017, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Auftrag gegeben hat: 60 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen sind demnach keine sicheren Schwimmer. Als sicherer Schwimmer gilt man, wenn man das Bronze-Abzeichen besitzt. 2010 hatte die Studie noch ergeben, dass die Hälfte der Grundschüler nicht sicher schwimmen könne, 2005 sei es ein Drittel gewesen. Wenn sich nichts ändert, „dann ist Deutschland bald ein Land der Nichtschwimmer“, warnt Achim Wiese, Pressesprecher des Bundeszentrums der DLRG mit Sitz in Bad Nennendorf.

Beim Schwimmen gestorben

Erst vergangenen Sonntag (15. Juli) hat die Polizei einen 19-Jährigen leblos aus dem Kaarster See geborgen. Freunde hatten ihn nachmittags als vermisst gemeldet. Nach Informationen der Polizei starb er im Krankenhaus. Ebenfalls am Sonntag kam ein 19-Jähriger in einem Hallenbad in Oberhausen ums Leben.

Eine Woche zuvor waren im Kreis Neuss bereits ein 4-jähriger Junge und ein 18-Jähriger in Baggerlöchern ertrunken. Insgesamt sind in NRW in diesem Jahr mindestens sechs Menschen beim Baden ums Leben gekommen.

Die DLRG warnt vor Leichtsinnigkeit: Menschen überschätzten ihre Schwimmfähigkeiten häufig und unterschätzten die Gefahren durch Temperatursprünge und Strömung.

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