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Der Tierschutzverein „Heimatlose Pfoten“ vermittelt Vierbeiner aus einem polnischen Tierheim nach Deutschland. Doch auch in Dortmund sind die Mitglieder aktiv.

Dortmund

, 08.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Tierliebe kann eine Menge Arbeit bedeuten – das erfahren die Mitglieder des Vereins „Heimatlose Pfoten“ in schöner Regelmäßigkeit. „Alle vier bis sechs Wochen fahren einige von uns in das polnische Tierheim in Ostroda, um Spenden dorthin zu bringen und Tiere von dort mit nach Dortmund zu nehmen“, sagt die Vorsitzende Claudia Wessel.

Und da Ostroda nahe der russischen Grenze liegt, bedeutet das jedes Mal eine Fahrt von 1200 Kilometern – pro Strecke, versteht sich.

Aber warum nimmt man diese Strapazen auf sich, wenn es doch auch in Deutschland genügend hilfsbedürftige Vierbeiner gibt? „Die Situation ist nicht zu vergleichen“, sagt die Brechtenerin Wessel, „die Tierheime in Polen sind finanziell viel schlechter gestellt als die hiesigen. In Ostroda gibt es beispielsweise nur offene Zwinger – und dort wird ist im Winter sehr, sehr kalt.“

Auch dem häufigen Vorwurf, angesichts voller Tierheime in Deutschland sei es unnötig, Vierbeiner aus anderen Ländern zu holen, nimmt sie den Wind aus den Segeln: „Wir bringen die Hunde oder Katzen nur mit, wenn wir hier in Dortmund oder Umgebung bereits eine Familie für sie gefunden haben.“

Jede Menge Engagement für heimatlose Pfoten in Dortmund

Hops hat zwar nur drei Beine, ist im Garten aber dennoch flott unterwegs. © Michael Schuh

Die Tierschützerin Wessel hatte bereits seit geraumer Zeit Kontakt zu dem polnischen Tierheim, als eine Übersetzerin ihr telefonisch mitteilte, dass dort zwei Notfall-Hunde unbedingt Hilfe benötigen. Da auch Anne Gaideczka von der Dolmetscherin informiert wurde, lernten sich die beiden Dortmunderinnen kennen und entschlossen sich, mit weiteren Tierfreunden im Jahr 2013 den Verein „Heimatlose Pfoten“ ins Leben zu rufen. „Wir waren exakt sieben Leute“, erinnert sich Wessel, „genau so viele braucht man, um einen Verein zu gründen.“

Die Arbeit des Vereins überzeugt offenbar auch andere Menschen, denn mittlerweile zählt „Heimatlose Pfoten“ 35 Mitglieder, von denen einige regelmäßig gen Osten reisen, andere für organisatorische Tätigkeiten oder Spenden verantwortlich zeichnen.

Denn auf Sach- und Geldzuwendungen sei der Verein dringend angewiesen, erläutert Anne Gaideczka: „Keine Organisation im Tierschutz hat Geld übrig.“ Ob Futter und Leinen oder auch mal Geld für Medizin, eine Operation oder einen neuen Zwinger: Die Dortmunder sorgen dafür, dass die Katzen und Hunden in Ostroda zumindest mit dem Nötigsten versorgt werden.

Behinderte Tiere werden bevorzugt

Doch damit ist es nicht getan: Für die Vermittlung der Vierbeiner benötigen die zuständigen Vereinsmitglieder laut Tierschutzgesetz diverse Sachkenntnisse, weshalb sie regelmäßig an Schulungen teilnehmen und eng mit dem städtischen Veterinäramt zusammenarbeiten. Der Fahrer des Transporters, der die Tiere schließlich nach Dortmund bringt, muss zudem eine spezielle Transportgenehmigung besitzen.

40 Hunde sowie 20 Katzen darf der Verein jährlich vermitteln. „Und so viele werden es jedes Jahr auch“, sagt die Vorsitzende. Das Erstaunliche dabei: Offenbar besitzen die Deutschen ein besonders großes Herz für behinderte Tiere. „Katzen und Hunde, denen ein Vorder- oder Hinterbein fehlt, werden bevorzugt adoptiert“, weiß Wessel, „und auch blinde Hunde haben wir schon mehrfach vermittelt.“ Eine besondere Gruppe habe es indes schwerer, erläutert die ebenfalls bei „Heimatlose Pfoten“ aktive Gabi Becker: „Schwarze Hunde werden seltener genommen.“

Jede Menge Engagement für heimatlose Pfoten in Dortmund

Die Hunde im Tierheim Ostroda leben in einem nach außen offenen Zwinger – auch im kalten Winter. © Verein

Aber egal, ob schwarz oder braun – bevor der Verein ein Tier in ein neues Zuhause gibt, muss der Interessent belegen, dass er es ernst meint. Zunächst müssen Frauchen oder Herrchen in spe schriftlich zahlreiche Fragen beantworten; unter anderem, wie lange die Vierbeiner im Haus höchstens allein sind oder was im Falle einer Scheidung passiert.

„Doch Papier ist geduldig“, sagt Claudia Wessel, „deshalb überprüft ein Vereinsmitglied die Angaben anschließend noch einmal vor Ort. Es ist ganz wichtig, dass sich die künftigen Besitzer im Vorfeld genau überlegen, was es heißt, ein Tier zu haben.“

Und trotzdem komme es schon mal vor, dass es zwischen dem Zwei- und dem Vierbeiner nicht passt. Vielleicht, weil der Hund anfangs noch sehr ängstlich ist und das Herrchen ihm nicht ausreichend Zeit zur Eingewöhnung gibt. „Wenn ein Tier wirklich mal an uns zurückgegeben wird, dann kommt es bis zur neuen Vermittlung zunächst in eine Pflegestelle – und die ist meist bei mir. Auf keinen Fall geben wir es aber in ein Tierheim.“

Verein engagiert sich auch in Dortmund

Da sich „Heimatlose Pfoten“ den Tierschutz ohne Grenzen auf die Fahnen geschrieben hat, engagiert sich der Verein nicht nur in Polen, sondern auch vor der Haustür. Mehrere Katzen wurden in Dortmund eingefangen, kastriert und gechippt, um so der Vermehrung Einhalt zu gebieten.

Gut kann sich Anne Gaideczka an eine Katze erinnern, bei der ein totes Baby im Geburtskanal festklemmte. „Wir haben sie zum Tierarzt gebracht und dort behandeln lassen“, berichtet Gaideczka, „das kostete 280 Euro.“ Viel Geld für den kleinen Verein.

Der Verein „Heimatlose Pfoten e.V.“ feiert am 7. Juli (Samstag) von 12 bis 18 Uhr sein Sommerfest am Vereinsheim, Südfeld 35 in Dortmund-Brechten. Auf die zwei- und vierbeinigen Besucher warten neben Speisen und Getränken auch viele Informationen über die Tierschutzarbeit des Vereins, nützliche Dinge am Trödelstand und Gewinne am Glücksrad. Zu den Gästen zählen unter anderem ein Hundefriseur, eine Tierfotografin sowie eine Holzkünstlerin. Zudem hat auch die Leiterin des Tierheims Ostroda ihr Kommen zugesagt.
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