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Grundschüler sollen morgens 55 Minuten im Schulbus sitzen

dzRoncalli-Grundschule

Mit dem Auto würde der Weg zu Grundschule für Jonas zehn Minuten dauern. Der Schulbus braucht neuerdings jedoch eine knappe Stunde. Der Grund dafür: eine geänderte Linienführung.

Lanstrop

, 26.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Acht Minuten Fahrzeit spuckt der Internet-Routenplaner für die Fahrstrecke von der Alekestraße in Lanstrop bis zur Roncalli-Grundschule in Husen aus. Eine Zeitspanne, die selbst für Erstklässler zumutbar sein sollte.

Das dachte sich auch die Lanstroperin Sabrina Kemnitz, als sie ihren Sohn Jonas für die katholische Grundschule im benachbarten Stadtteil anmeldete. Doch dann kam die böse Überraschung: Entgegen der Vorjahre fährt der Schulbus nur auf dem Rückweg direkt von Husen in Richtung Lanstrop, auf dem Hinweg jedoch entgegengesetzt: Hohenbuschei, Scharnhorst, Hostedde, Grevel, Lanstrop. Das mag gerecht klingen, sagt der alleinerziehenden Mutter aber gar nicht zu, da der sechsjährige Jonas somit künftig jeden Morgen 50 Minuten lang im Schulbus sitzen muss.

Keine Alternative mehr

„Um ihn an einer anderen Schule anzumelden, ist es nun zu spät“, sagt Sabrina Kemnitz, „denn ich habe erst zu Beginn der Schulferien von dieser Fahrplanänderung erfahren. Da war die Anmeldefrist natürlich längst abgelaufen.“ Ein Grund für die Anmeldung an der Husener Schule sei – neben der Tatsache, dass es sich um eine katholische Einrichtung handelt – auch die Fahrtzeit des Schulbusses gewesen, sagt Kemnitz.

Denn die berufstätige Mutter hatte sich im Vorfeld Gedanken gemacht, wie sie den Job und die beiden Kinder morgens am besten unter einen Hut kriegt. Demnach wollte sie Jonas in den ersten Wochen auf dem rund fünfminütigen Fußweg von der Wohnung an der Drechselerstraße bis zur Schulbushaltestelle an der Alekestraße begleiten. „Danach hätte er das dann allein gekonnt“, sagt sie, „zumal ein Nachbarkind denselben Weg hat und sich mehrere Kinder morgens zusammenschließen.“

Whatsapp-Protestgruppe aus Müttern

Dann jedoch erfuhr sie von der Änderung des Fahrplans; und nun schlossen sich nicht die Sprösslinge, sondern die Erwachsenen zusammen – und zwar in einer Whatsapp-Gruppe. Dort machten gleich mehrere Eltern ihrem Unmut über die Änderungen Luft: Sie alle wollen nicht, dass ihre Kinder morgens fast eine Stunde im Bus sitzen; außerdem ärgern sie sich darüber, so spät davon erfahren zu haben. Zu spät, um sich in Sachen Einschulung nach Alternativen umzusehen.

Zu den Müttern, die sich dem Protest angeschlossen haben, zählt Hayel Semert, deren neunjährige Tochter Maggie ab dem kommenden Schuljahr die vierte Klasse der Roncalli-Grundschule besuchen wird. Bislang war das kein Problem, denn Maggie stieg morgens an der Haltestelle Bönninghauser Straße in den Bus und hatte nur einige Minuten Fahrtzeit bis zur Schule. „Nach den Sommerferien muss sie aber schon um 6.50 Uhr einsteigen und kommt erst um 7.45 Uhr an der Schule an“, sagt Semert, „und jeden Morgen 55 Minuten Fahrtzeit ist meiner Meinung nach viel zu lang für ein neunjähriges Kind.“

Fahrgemeinschaften problematisch

Auch sie ist sauer, erst am letzten Schultag, und somit viel zu spät von den Neuerungen erfahren zu haben. Schließlich müsse sie als Mutter von drei Kindern den Morgen durchorganisieren: Die Jüngste sei noch zu Hause, der Mittlere müsse in den Kindergarten und die Älteste, Maggie, eben in die Schule. Das mütterliche Fazit: „Ich kann mich nicht teilen.“

Also kamen die Lanstroper Eltern auf die Idee, im Wechsel eine Fahrgemeinschaft zu bilden, um den Nachwuchs morgens zur Schule zu bringen. Nachfragen hätten jedoch ergeben, dass der Schulbus nur in beide Richtungen genutzt werden dürfe, erzählt Hayel Semert: „Das darf doch nicht wahr sein.“

Ist es auch nicht, ergab eine Nachfrage bei der Stadtverwaltung. „Im Einvernehmen mit der jeweiligen Schulleitung können auch individuelle Lösungen vereinbart werden“, sagt Stadtsprecherin Katrin Pinetzki. „Dafür ist dann aber nicht das Schulverwaltungsamt zuständig.“

Offizielle Info folgt

In der Tat sei es für die Eltern der Roncalli-Grundschüler verwirrend gewesen, den neuen Fahrplan mit dem Zeugnis von der Schule zu erhalten, fährt Pinetzki fort, denn ansonsten würden die Zeiten sogar erst später bekannt gegeben: „Normalerweise werden die Fahrpläne zum Beginn des neuen Schuljahres vom Schulträger verschickt, also vom Schulverwaltungsamt der Stadt Dortmund.“ In diesem Falle habe die Roncalli-Grundschule die Eltern freundlicherweise früher informieren wollen, „allerdings stehen die Touren noch gar nicht hundertprozentig fest.“ Deshalb würden die Eltern noch eine offizielle Info von der Stadt erhalten.

Fahrtzeiten und -plan könnten sich laut Pinetzki ohnehin in jedem Schuljahr ändern – bedingt beispielsweise durch neu entstandene Wohngebiete und sich veränderte Wohnadressen der Schüler.

„In einem Ballungsgebiet wie Dortmund kommt es dadurch leider für einige Schülerinnen und Schüler auch zu längeren Fahrzeiten.“ Die Lanstroper Kinder werden diese wohl in Kauf nehmen müssen.

  • Schülerfahrkosten für die städtischen Schulen in Dortmund werden von der Stadt auf Antrag übernommen, wenn die gesetzlich festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind.
  • Der Fußweg zur nächstgelegenen aufnahmefähigen Schule muss in diesem Fall für Schüler der Klassen 1 bis 4 länger als 2 km, für die Klassen 5 bis 10 länger als 3,5 km und ab der 11. Klasse länger als 5 km sein.
  • Entweder bekommen die Schüler ein Schokoticket für den öffentlichen Nahverkehr oder es werden ein Schulbus oder -taxi eingesetzt.
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