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Dortmunder Unternehmen hat die Notfall-App „Helpme“ entwickelt

Notfall-App

Die 112 ist die Nummer für den Notfall. Dann muss es schnell gehen. Eine neue Handy-App aus Dortmund soll Leitstellen bereits vor dem Rettungseinsatz mit wichtigen Infos versorgen.

Dortmund

, 17.07.2018
Dortmunder Unternehmen hat die Notfall-App „Helpme“ entwickelt

Über das Handy-Programm, das Roman-Bendix Lazarus mit seiner Firma entwickelt hat, lässt sich ein Notruf mit Mehrwert absetzen. © Dieter Menne

Die Idee hinter dem kleinen Handyprogramm der Firma Lazarus: Wer über die App den Notruf verständigt, übermittelt automatisch alle für den Notfalleinsatz wichtigen Personendaten, wie zum Beispiel Größe, Gewicht, Allergien oder Vorerkrankungen. Diese gibt der Benutzer vorher ein. Er kann auch auflisten, welche Personen beim Absetzen eines Notrufs verständigt werden sollen.

Auch Videoübertragung ist möglich

Der Chef des Unternehmens, Roman-Bendix Lazarus, nennt weitere Vorteile: Die Leitstelle kann exakte Daten zur Ortung und Einschätzung der Situation abrufen. Übertragen werden auch Geokoordinaten – hilfreich, wenn sich Notrufende an einem ihnen unbekannten Ort befinden oder in einer Gegend, in der es keine Infrastruktur gibt, wie Strand, Wald oder Gebirge. Dann lässt sich ihre Position auf einer Karte visualisieren.

Selbst eine Videoübertragung ist möglich. So können sich Einsatzkräfte schon im Vorfeld ein Bild von der Situation oder von der Schwere der Verletzungen machen. Das Video ist optional abrufbar. Für hörgeschädigte Personen ist in der App eine Chatfunktion eingerichtet, sodass sie schriftlich mit der Leitstelle kommunizieren können. Dabei ist das Programm so einfach gehalten, dass der Grundschüler wie die 85-jährige Dame es bedienen können. In den Leitstellen soll sie die Koordination der Einsätze verbessern – und dadurch sogar Kosten sparen.

Sorge um die Eltern war Anlass zur App-Entwicklung

Entwickelt hat die App das Dortmunder Unternehmen Lazarus, gegründet 2016. Die Sorge um seine Eltern brachte den Firmeninhaber auf die Idee. „Sie werden nicht jünger, wohnen etwas außerhalb und meine Mutter braucht Sauerstoff“, zählt er auf. So entstand „Helpme“ (Hilf mir). „Denn das Handy hat heute fast jeder immer dabei.“

Das war vor drei Jahren. Roman-Bendix Lazarus kündigte seinen Job in der Suchthilfe im Sauerland und machte sich selbstständig. Die Notruf-App ist das Vorzeigeprojekt der Firma, die auch Web- und Mediendesign anbietet und sich für Chancengleichheit und Barrierefreiheit einsetzt. „Wir haben im Vorfeld eng mit Leitstellen deutschlandweit zusammengearbeitet“, betont Bendix. Und die Anmerkungen der Menschen an der Basis aufgenommen.

Finanzierungsfrage stellt große Hürde dar

Die App soll für den Endverbraucher kostenlos sein, Leitstellen müssten eine Lizenz erwerben. Die Finanzierungsfrage stellt derzeit die größte Hürde dar. Noch für dieses Jahr ist zumindest die Einbindung einzelner Leitstellen in Pilotprojekten geplant.

Für die Dortmunder Feuerwehr kommt die App derzeit nicht in Frage. „Aber es wäre uns natürlich eine Herzensangelegenheit, sie auch hier zum Einsatz zu bringen“, sagt der Firmenchef. Die Kollegen aus der Leitstelle in Münster sind jedenfalls begeistert: Man sei von diesem Produkt überzeugt, unter anderem durch den Mehrwert, den es biete, betont Christian Bieber, Leiter Technik der Leitstelle. „Damit würde das bis jetzt verwendete, veraltete Faxgerät endlich wegfallen.“

Die Initiative Mittelstand hat die Idee 2017 und 2018 mit dem Innovationspreis IT ausgezeichnet. Derzeit können nur Nutzer von Android-Handys den Prototyp im App-Shop herunterladen, um sich mit dem Programm vertraut zu machen.