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Das Hoeschmuseum erzählt von der Stahlgeschichte Dortmunds und den Hoeschianern. Eigentlich eher trockener Stoff. Aber das Hoeschmuseum hat auch für Kinder Spannendes zu bieten.

Nordstadt

, 20.07.2018 / Lesedauer: 6 min

Wer oder was war eigentlich Hoesch? Die meisten Kinder kommen da schon ins Grübeln. Jasha, Bergmanns-Enkel aus dem Dortmunder Norden, weiß einigermaßen Bescheid. „Das war eine Fabrik für Eisen und Stahl“, sagt er. Vom einstigen Glanz der riesigen Stahlschmiede mit mehr als 30.000 Beschäftigten ist nicht mehr viel übrig. Gut, dass zumindest das Hoeschmuseum an das Unternehmen erinnert, das neben dem Bergbau über Jahrzehnte der größte Arbeitgeber in Dortmund war.

Das Museum liegt direkt an der Westfalenhütte, einem der früheren drei Stahlstandorte in Dortmund. Es ist noch immer ein abgeschottetes Gelände, wo noch gut 1500 Stahlarbeitsplätze unter der Fahne von Thyssen-Krupp übrig sind. Über den Eingang der alten Hauptverwaltung an der Eberhardstraße prangt aber noch immer der Schriftzug Hoesch. Und gleich daneben liegt das Hoeschmuseum, im einstigen Portierhaus am Werkstor 1 der Westfalenhütte. Knapp zwei Stunden nehmen Jasha und ich uns an einem Mittwochnachmittag Zeit, das Museum und die Dortmunder Stahlgeschichte zu erkunden.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Ein halber Porsche zeigt, welche Rolle Dortmunder Produkte für die Automobilproduktion spielen. © Schaper

Erster Blickfang: ein halber Porsche gleich neben dem Kassenraum. Er symbolisiert, welche Rolle Stahl aus Dortmund für die Automobilindustrie gespielt hat und mit dem Zentrum für Oberflächen-Veredelung auf der Westfalenhütte noch heute spielt. Das Museum erinnert aber auch an ein Stück Stadtgeschichte mit Blick auf die frühen Gründungen von Stahlunternehmen in Dortmund. Hoesch ist nur eines davon.

Großformatige Bilder zeigen Szenen aus den Eisen- und Stahlwerken, Karten die Entwicklung der Stadt. Am Modell eines Konverters, in dem Stahl „gekocht“ wurde, macht Jasha halt. „So ein Ding steht doch auch am Phoenix-See“, stellt er fest. Tatsächlich ist so ein Konverter auf der Kulturinsel im See in Originalgröße zu bewundern.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Das Modell eines Bessemer-Konverters. © Schaper

Im Museum liefern ganz in der Nähe des Konverter-Modells Filme einen Eindruck von den früheren Stahlwerken. Zugegeben: Diese Form der Geschichtsvermittlung ist für Erwachsene sicherlich interessanter als für Kinder. Doch wir entdecken schnell auch mehrere Stationen, die für Kinder ab etwa acht Jahren sehr spannend sind.

1. Station: Stahlarbeiter

„Ganz schön schwer“, stellt Jasha fest. Mit Schutzanzug, Helm, Sichtschutz und Lanze kann er sich wie ein Stahlarbeiter fühlen. Museumsführerin Ingrid Thiel hat ihn entsprechend ausstaffiert. „Das machen wir immer bei den Familienführungen so“, erklärt sie. Es lohnt sich, die Museumsführer beim Museumsbesuch einfach anzusprechen. Sie sind ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Reihen des Vereins Freunde des Hoesch-Museums und des Vereins Pro Kultur. Einige sind sogar echte Hoeschianer. „Ich hab’ auf dem Werk Union gearbeitet“, erzählt Werner Pawlak.

2. Station: Zerreißprobe

Werner Pawlak zeigt Jasha eine echte Zerreißprobe. Mit einer Zugprüfmaschine demonstriert er, wie man ein Stahlstück an seine Belastungsgrenze bringt und reißen lassen kann. Und an einem Mikroskop kann man unterschiedliche Stahlqualitäten unter die Lupe nehmen - und sogar Stücke von Meteoriten aus dem Weltall.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

An der Handbatterie ist Berühren erwünscht. © Schaper

3. Station: Handbatterie

„Bitte nicht berühren“ steht an vielen Exponaten wie dem Nachbau einer Werkshalle. An einer Station ist Berühren allerdings ausdrücklich erwünscht. An einer Handbatterie kann man mit dem Auflegen der eigenen Hände die unterschiedliche Leitfähigkeit von Metallen testen. Damit er ganz außen rechts an die Aluminium-Handform und gleichzeitig ganz links an die Stahl-Handform kommt, muss sich Jascha allerdings etwas strecken. Um auch die Kartoffel- und Zitronenbatterie testen zu können, ist wieder die Hilfe der Museumsführer gefragt. Das Gerät ist abgeschlossen.

4. Station: „Phoenix aus der Asche“

Die neueste Errungenschaft des Museums bietet einen spannenden Blick auf den Strukturwandel. Ein riesiger Bildschirm, auf dem das Stadtgebiet abgebildet ist, bietet seit Mai ganz aktuelle Informationen über den Wandel alter Stahl- und Bergbaustandorte in Dortmund. „Schiebebilder“ bieten einen direkten Vergleich zwischen der Industriezeit und dem aktuellen Stand. Sogar die geplante Zukunft des HSP-Geländes im Westen der Stadt ist an der aktuellen Medienstation unter dem Titel „Phoenix aus der Asche“ schon ein Thema. Jasha hat großen Spaß daran, die Bilder zu verschieben und zwischen den Zeiten zu springen.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Den Strukturwandel in Dortmund zeigt die Medienstation „Phoenix aus der Asche“. © © Schaper

5. Station: Im 3D-Stahlwerk

Einsatz ist auch im 3D-Kino gefordert. An der Kasse bekommt man gleich die Spezialbrillen dafür in die Hand gedrückt. In dem kleinen verdunkelten Raum kann man dann zwischen verschiedenen Filmen wählen. Und die bieten auch jede Menge spielerische Elemente für Kinder.

„Magst Du Erdkunde?“ fragt Museumsführerin Ingrid Thiel. Jasha nickt. Und kann sein Wissen gleich an einer dreidimensionalen Weltkugel testen, auf der er mit dem Joystick die Herkunftsorte von Rohstoffen für die Stahlerzeugung aufspüren muss. China, Australien, Kanada, Brasilien und Deutschland. Kein Problem. In 6:52 Minuten hat Jasha alle Rohstoffe beim virtuellen Flug rund um den Erdball zusammen. „Eine gute Zeit“, lobt Ingrid Thiel. Zur Belohnung gibt es eine 3D-Achterbahn-Fahrt.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Im 3D-Stahlwerk kann man am Joystick selbst aktiv werden. © Schaper

Danach versucht sich Jasha mit dem Joystick daran, in einem virtuellen Stahlwerk einen Konverter mit Schrott zu „beschicken“. Nach ein paar Anläufen klappt auch das sehr gut.

Das einzige Problem: Es ist schwer, das Kind aus dem 3D-Kino loszueisen. Die letzten Abteilungen passieren wir im Schnelldurchgang. Hier erfahren wir, wie die Hoeschianer sozial umsorgt wurden, aber auch Arbeitskämpfe ausgefochten und ihre Freizeit verbracht haben. Zum Beispiel im Hoeschpark. Der liegt nur wenigen hundert Meter vom Hoeschmuseum entfernt und wäre eine perfekte Ergänzung zum Museumsbesuch. Doch das ist ein anderes Thema.

Unser Fazit:

Auch wenn das Hoeschmuseum natürlich kein Kindermuseum ist, hat es trotzdem für Kinder Lehrreiches und Unterhaltsames zu bieten – allerdings erst ab einem Alter von etwa 8 Jahren. Es ist eine interessante Mischung aus Technik, Geschichte und Naturwissenschaft.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Die Geschichte der Firma Hoesch steht im Mittelpunkt der Museumspräsentation. © Schaper

Tipps:

An jedem Sonntag um 14.30 Uhr gibt es eine Führung durch das Hoeschmuseum, an jedem ersten Sonntag im Monat ist sie ausdrücklich als Familienführung konzipiert. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Kosten (inklusive Museumseintritt): 5 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren.

Es gibt auch spezielle Programme für Schulklassen und Kindergeburtstage unter dem Motto „Kleine Stahlarbeiter“.

Das sagt der Experte zu unserem Besuch im Hoeschmuseum:

Professor Norbert Zmyj, Entwicklungspsychologe an der TU Dortmund:

Stahl steht wie kaum ein anderer Werkstoff für den technischen Fortschritt des Menschen. Er entspringt einerseits dem menschlichen Erfindergeist und ermöglicht andererseits die Herstellung neuer Werkzeuge.

Ab welchem Alter sind Kinder eigentlich in der Lage neue Werkzeuge herzustellen? In einer Studie von Nicola Cutting und Kollegen aus Birmingham wurden Vorschulkinder vor die Aufgabe gestellt, an einen Aufkleber in einem durchsichtigen Gefäß zu gelangen. Der Aufkleber lag in einem kleinen Schälchen mit Henkel, so dass man ihn angeln konnte. Als Hilfsmittel wurde den Kindern ein Stück Draht gegeben, an dem ihnen zuvor demonstriert wurde, dass man ihn biegen kann. Ohne weitere Hilfestellung scheiterte die große Mehrheit der Kinder an der Aufgabe, den Draht an der Spitze zu biegen und mit ihm zu angeln.

Dies deutet darauf hin, dass sich der Erfindergeist erst nach dem Vorschulalter entwickelt. Das Kennenlernen neuer Werkzeuge und der Umgang mit ihnen im Hoeschmuseum bereitet vielen Kindern nicht nur Spaß, sondern weckt vielleicht auch bei dem einen oder anderen Kind den Erfindergeist, der zum technischen Fortschritt in Deutschland beiträgt.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Die Vielfalt der Produkte aus der Dortmunder Stahlindustrie wird ebenfalls vor Augen geführt. © Schaper

Unser Besuch in Kürze:

Was gibt es für Kinder?

Das Hoeschmuseum versucht Geschichte, Technik und Naturwissenschaft spielerisch zu vermitteln. Einiges, wie das 3D-Stahlwerk oder die Medienstation „Phoenix aus der Asche“ kann man sich selbst erschließen, für andere Dinge, die mit Aktion verbunden sind, ist man auf die Hilfe der Museumsführer angewiesen. Doch die Ehrenamtler helfen gern.

Was gibt es für Erwachsene?

Das Hoeschmuseum vermittelt zugleich Technik-, Sozial- und Stadtgeschichte, zeigt anschaulich, welche Bedeutung Hoesch in Dortmund hatte. Eine Welt, die für heutige Generationen nur noch schwer vermittelbar ist.

Ist die Internet-Seite hilfreich?

Ja. Es gibt viele Informationen zu den Hintergründen des Museums mit seinem Freunde-Verein und sogar einen interaktiven Museumsrundgang.

Eintrittspreise

Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, ermäßigt 1,25 Euro.

Öffnungszeiten

Geöffnet: Dienstag, Mittwoch 13 bis 17 Uhr, Donnerstag 9 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Als kleiner Stahlarbeiter im 3D-Stahlwerk

Das Hoeschmuseum ist im ehemaligen Portiershaus der Westfalenhütte untergebracht. © Schaper


Adresse und Anfahrt

Eberhardstraße 12, Parkplätze erreicht man über die Oesterholzstraße, vor dem Werkstor zur Westfalenhütte links den gepflasterten Weg an der ehemaligen Hoesch-Hauptverwaltung entlang zu den ausgeschilderten Parkplätzen fahren.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Museum gut zu erreichen. Es liegt an der Endstation der Stadtbahnlinie U 44 (Westfalenhütte).

Der Großteil des Museums ist barrierefrei.

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