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Die RAG erprobt, wie sich das Umweltgift PCB aus dem Grubenwasser filtern lässt. Erkenntnisse soll eine Pilotanlage bringen, die noch bis Ende März auf Haus Aden eingesetzt wird.

13.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Pilotanlage auf dem ehemaligen Bergkamener Bergwerk Haus Aden soll helfen, eine Lösung für das PCB zu finden, das über das Grubenwasser in die Gewässer gelangt. Umweltverbände wie der BUND gehen davon aus, dass rund 8000 Tonnen PCB unter Tage in deutschen Steinkohlebergwerken geblieben sind. Der Bergbau hatte es unter anderem als Hydraulikflüssigkeit bei Bergbaumaschinen eingesetzt, aus denen es ausgetreten ist.

Versuchsanlage soll Weg zeigen, PCB aus dem Grubenwasser zu filtern

In dem blauen Container sind die Filteranlagen mit einem speziellen Sand und Anthrazit untergebracht. Davor steht die Filteranlage mit einem Dyna-Sand-Filter. © Borys sarad

Anlage erprobt drei Methoden

Die Anlage, die schon seit dem vergangenen Oktober in Betrieb ist, erprobt drei verschiedene Methoden, Feststoffe aus dem Grubenwasser auszufiltern. PCB ist nicht wasserlöslich, sondern haftet sich an Feststoffe an und gelangt so in die Umwelt. Im Fall der Wasserhaltung auf Haus Aden ist das die Lippe, in die das Grubenwasser gepumpt wird.

Versuchsanlage soll Weg zeigen, PCB aus dem Grubenwasser zu filtern

Dr. Dieter Stetter schaut sich eine der beiden Filterröhren in dem Container an. © Borys sarad

Ergebnisse online übertragen

Die Konzeption für die unterschiedlichen Filterverfahren Verfahren hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wasserwirtschaft (IWW) mit Sitz im Mülheim/Ruhr entwickelt. Es überwacht die Werte, die von der Pilotanlage geliefert werden ständig - und zwar, ohne dass ein Mitarbeiter vor Ort ist. Die Anlage wird „mannlos gefahren“, wie Joachim Löchte bei einem Ortstermin an diesem Dienstag erläuterte, der Leiter der Abteilung für Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz bei der RAG. Die Werte werden direkt online nach Mülheim übertragen.

Container hinter dem Förderturm

Zwei Filteranlagen sind in einem blauen Container untergebracht, der hinter dem Schacht auf Haus Aden steht, über den die Grubenwasserhaltung läuft. Dabei handelt es sich um zwei sogenannte Festbettfilter. In dem einen werden die Schadstoffe mithilfe von einen speziellen Sand ausgefiltert, in dem anderen mit Anthrazit. Vor dem Container ist eine weitere Filteranlage installiert, die einen Dyna-Sand-Filter hat und weiterer Vergleichswerte liefern soll.

Versuchsanlage soll Weg zeigen, PCB aus dem Grubenwasser zu filtern

Ein Blick zum Schacht auf der Zeche Haus Aden. Über das Rohr wird Grubenwasser in die Lippe geleitet - im Schnitt 22 Kubikmeter pro Minute. © Borys sarad

Proben von Grubenwasser und Schlamm

Diese Werte bekommt das IWW auch, indem es Proben vom Grubenwasser vor und nach der Filtration nimmt und vom Schlamm, in dem die ausgefilterten Schwebstoffe enthalten sind. Die Belastung des Schlammes ist auch wichtig, um zu entschieden, wie er deponiert werden muss, erläuterte Dr. Dieter Stetten vom IWW, der das Projekt betreut.

Umzug nach Ibbenbüren

Die Menge Grubenwasser, die durch die Filter der Pilotanlage, läuft ist noch relativ gering. Die RAG geht davon aus, dass es sich um unter ein Prozent des Grubenwassers handelt, das ständig über Haus Aden in die Lippe gepumpt wird. Das Wasser und die Schwebstoffe werden nach der Beprobung ohnehin wieder in die Grubenwasserleitung zurückgepumpt. Die Anlage soll das Grubenwasser noch nicht reinigen, sondern Erkenntnisse über die beste Methode dafür bringen. Ende März soll die Pilotanlage ohnehin wieder abgebaut und in Ibbenbüren wieder aufgebaut werden. Dort soll sie nach einem halben Jahr Probebetrieb auf Haus Aden weitere drei Monate erprobt werden.

Versuchsanlage soll Weg zeigen, PCB aus dem Grubenwasser zu filtern

Christoph Schabronath von der RAG schaut sich einen Teil der Steuerungsanlage für die Grubenwasserhaltung an. © Borys sarad

Unterschiedliche Zusammensetzung

Das Grubenwasser sei je nach Standort sehr unterschiedlich von seiner chemischen Zusammensetzung, erläuterte Löchte. Deshalb lassen sich auch nicht alle Erkenntnisse von einem Standort ohne weiteres auf einen anderen übertragen. In Ibbenbüren ist das Grubenwasser salzhaltiger. Auf Haus Aden enthält es mehr Schwefelwasserstoff, was zu einem Geruchsproblem führt: Sobald das Grubenwasser mit Sauerstoff in Verbindung kommt, entwickelt sich ein Geruch wie nach faulen Eiern.

Abschlussbericht Ende des Jahres

Vertreter der RAG betonten bei dem Termin vor Ort, dass das Unternehmen mit der Anlage absolutes Neuland beschreitet. Weltweit gebe es noch kein Verfahren, um PCB aus dem Grubenwasser zu filtern. Einen Abschlussbericht über die Erfahrungen mit der Pilotanlage soll es Ende des Jahres geben.

Gefahr lange Unbekannt

Teil des „Dreckigen Dutzends“

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind giftige organische Chlorverbindungen, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen.
  • Ihre Gefährlichkeit war zunächst nicht bekannt. Da sie nicht brennbar sind, wurden sie im Bergbau vor allem als Ersatz für Hydrauliköl verwendet.
  • PCB zählen zu den zwölf als „dreckiges Dutzend“ bekannten Stoffen, die durch das Stockholmer Übereinkommen 2001 weltweit verboten wurden.
  • PCB löst sich zwar nicht im Wasser, gelangt aber als Anhaftung an Schwebstoffen in die Umwelt. Umweltschützer befürchten, dass sie sich über die Nahrungskette anreichern.
  • Die RAG bestreitet allerdings, dass der Bergbau in erheblichem Maße für die Verbreitung von PCB in der Umwelt verantwortlich ist.
  • Nach den Angaben des Unternehmens stammt weniger als 0,2 Prozent des an der deutsch-niederländischen Grenze im Rhein gemessenen PCB aus Bergbaueinleitungen.
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