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Turbulenzen auf der „Polizeiwache 007“

dzTheaterverein Overberge

Zwei gemütliche Dorfpolizisten, ein detailverliebtes Bühnenbild und eine Zeitreise bis zurück in die Nachkriegszeit erlebten die Zuschauer beim neuen Stück des Theatervereins Overberge.

von Sharin Leitheiser

Overberge

, 25.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei seiner Premierenvorstellung von „Polizeiwache 007“ am Donnerstagabend dankte der Theaterverein seinen Zuschauern mit großer Geste für 70 Jahre Treue.

„Danke, dass Sie es uns nie übel genommen haben, wenn sich mal ein Stückchen Fleischwurst oder Käse von der Bühne in die erste Reihe verirrt hat.“ Mit diesen Worten eröffnete der 1. Vorsitzende Michael Herberholz den Abend im studio theater. Weniger scherzhaft, dafür aber umso emotionaler, war die anschließende Diashow, bei Anwesende und Schauspieler einen Blick auf 70 Jahre Vereinsgeschichte werfen durften, bevor es mit der eigentlichen Vorstellung losging. „Angefangen haben wir mit tiefernsten Dramen, Kapelle und Abendkleidern im Haus Schmülling“, erzählt Vereinsmitglied Gerlinde Schlösser, die bereits seit 45 Jahren mit dabei ist.

Turbulenzen auf der „Polizeiwache 007“

Die Gesetzeshüter tauschen sich aus - und hatten am Ende natürlich wieder alles im Griff. © Stefan Milk

Spezialisiert auf Komödien

Heute – zwei Generationen später – haben sich die 30 Akteure durch und durch auf Komödien spezialisiert. Und seit mittlerweile einem Jahrzehnt sind sie nicht mehr im Haus Schmülling, sondern im studio theater zu Hause. „Der Sprung auf die große Bühne war ein Schock für uns“, erinnert sich Schlösser, „aber es hat auch ganz neue Möglichkeiten eröffnet – endlich hatten wir den Platz, um uns richtig auszubreiten.“ Gemeinsam tüfteln die Schauspieler im Alter zwischen 20 und 75 Jahren an den kompliziertesten Kulissenbauten. Sie bauen Drehtüren, ganze Postfilialen und für ihr neuestes Stück eine authentische Gefängniszelle samt Gitterstäben.

Turbulenzen auf der „Polizeiwache 007“

Da wird auch schon einmal das polizeiliche Diensttelefon von Zivilisten genutzt, auch wen die Polizei um den Hörer bittet. © Stefan Milk

Gemütliche Mittagspause auf der Wache

Das ging am Premierenabend gewohnt reibungslos über die Bühne. Mit „Polizeiwache 007“ hatten sich die Akteure für ein Skript entschieden, das wie maßgeschneidert zu ihnen passte: vor allem die zwei kultigen Dorfpolizisten Ernst Huber (Jürgen Blaschke) und Heinz Wimpel (Michael Herberholz), die gerne mal ein Schnäpschen auf der Arbeit trinken, regelmäßig Oma Tillis (Conny Herberholz) Ersparnisse im Waffenschrank verstauen und gar nicht daran denken, in der Mittagspause ans Telefon zu gehen. Ihre Gemütlichkeit passt dem neuen Dienstchef Armin Klug (Florian Reichel) natürlich gar nicht. Der junge, dynamische Polizist wirkt mit seinen Vorstellungen von Disziplin und Ordnung und seinem gebügelten Jackett auf der Wache zunächst ziemlich fehl am Platz.

Turbulenzen auf der „Polizeiwache 007“

Vor der detailreichen Kulisse wechseln Scheine ihre Besitzer und das Gesetz hat ein wachsames Auge auf die Vorgänge. © Stefan Milk

Heiratsschwinder im Dorf

Aber als dann plötzlich Oma Tillis Sparbüchse verschwindet und auch noch ein Heiratsschwindler (Marvin Müller) sein Unwesen im Dorf treibt, laufen die verschlafenen Oberwachtmeister zu ungeahnter Höchstform auf. Das imponiert dem neuen Dienststellenleiter – und auch umgekehrt realisiert das eingespielte Duo schließlich, wie viel sie von dem Neuankömmling lernen können.

Laute Lacher verdienten sich die Darsteller bei der Premiere nicht nur mit ihrem Wortwitz, sondern auch mit ulkiger Situationskomik.

Blaulicht-Rollator

Als zum Beispiel der pensionierte Oberkommissar Ottokar Greifer (Jörg Wrenger) in Schlafanzughose und Polizeimütze mit seinem Blaulicht-Rollator auf die Bühne kam, waren gar keine Worte nötig. Und auch Oma Tilli, die hilfsbereiten jungen Männern gern ihre abgelutschten Schoko-Nüsschen schenkt, sorgte reihenweise für Lachanfälle. „Es ist wirklich sehr lustig, die Zeit vergeht wie im Flug“, bilanzierte Zuschauer Klaus Cornelis. Er hatte die Karten von den Eltern seiner Freundin geschenkt bekommen und war extra aus Schermbeck bei Wesel angereist. „Das ist mein erster Besuch beim Theaterverein Overberge“, sagte er. Gelohnt habe sich die weite Anfahrt in jedem Fall.

Ehrung für lange Vereinstreue

Eine weitere kleine Überraschung erwartete die Zuschauer, nachdem der Vorhang gefallen war. Berni Gremme und Jürgen Grothaus wurden von ihren Kameraden für je 50 und 40 Jahre Vereinstreue geehrt. „Ein halbes Jahrhundert – das gab es bei uns erst drei Mal“, staunte selbst Gerlinde Schlösser. Für sie ist das der Beweis: „Wer sich einmal mit dem Theatervirus infiziert hat, behält ihn sein Leben lang.“Zweimal hat der Theaterverein „Polizeiwache 007“ bereits aufgeführt, zwei weitere Vorstellungen stehen noch bevor: an diesem Samstag um 19.30 Uhr und am Sonntag um 16 Uhr im studio theater. Einlass ist am Sonntag nicht wie sonst eine, sondern zwei Stunden vorher. Außerdem gibt es Kaffee und Kuchen.

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