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Selma Rütten ist die neue Bezirksschornsteinfegerin für einen Teil von Bergkamen. Damit stößt die 36-Jährige in eine berufliche Domäne vor, die noch fast immer von Männern dominiert wird.

Bergkamen

, 10.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Wenn Bezirks-Schornsteinfegermeisterin Selma Rütten zusammen mit ihrem Gesellen Tino Köhler zu Kunden kommt, dann passiert es ihr gelegentlich, dass Köhler für den Chef und sie für die Gesellin gehalten wird. „Einmal hat sogar jemand gefragt, ob ich die neue Auszubildende bin“, berichtet die 36-Jährige schmunzelnd. Offenbar ist es für viele immer noch nicht so leicht zu nachzuvollziehen, dass Frauen auch einen so vermeintlich typischen Männerberuf wie Schornsteinfeger ergreifen – und es dann auch noch bis zur Meisterin und bis zur Chefin bringen.

Schornsteinfegerin Selma Rütten übernimmt Kehrbezirk

Der Kehrbesen eines der Arbeitsgeräte, das die Schornsteinfegerin am häufigsten benutzt. © Stefan Milk

Frauen sind noch selten

Noch sind Frauen selten in dieser Funktion. Nur fünf der insgesamt 320 Kehrbezirke im Regierungsbezirk haben eine bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin.

Selma Rütten hat diesen Weg recht konsequent verfolgt, auch wenn sie als Jugendliche einen anderen Berufswunsch hatte – der aber auch nicht gerade dem Bild eines typischen Frauenberufs entspricht: Sie war bei der freiwilligen Feuerwehr und wollte Berufs-Feuerwehrfrau werden. Um sich bei der Berufsfeuerwehr zu bewerben, ist es jedoch notwendig, vorher eine handwerkliche Ausbildung zu machen – zum Beispiel als Dachdecker, als Elektriker oder als Schornsteinfeger.

Rütten, die aus dem Hochsauerland kommt, stellte bei der Feuerwehr fest, dass sie keine Probleme hat sich in großer Höhe und auf Dächern zu bewegen und bewarb sich um eine Ausbildung als Schornsteinfegerin. Das war 2001. Sie hatte sofort Erfolg und mochte den Beruf so gerne, dass sie dabei bleib und später sogar die Meisterprüfung ablegte.

Nachdem sie die Prüfung erfolgreich bestanden hatte, arbeitete sie zunächst weiter als angestellte Schornsteinfegermeisterin und wartete darauf, dass sie eine Stelle als Bezirksschornsteinfegerin übernehmen konnte. Die passende Stelle war schließlich in Bergkamen frei, als der Kehrbezirk „Unna 27“ frei wurde, nachdem sich Bezirksschornsteinfeger Rigo Wenning zur Ruhe gesetzt hatte. Der Bezirk umfasst Rünthe, Heil und Teile von Overberge und Oberaden.

Schornsteinfegermeister Armin Gartmann aus Kamen, der einen eigenen Kehrbezirk in Bergkamen hat, übernahm den Bezirk zunächst kommissarisch. Doch schon Ende Juli wies er Kunden, die sich bei ihm meldeten, darauf hin, dass Selma Rütten die Stelle übernimmt und dass sie sich wegen eines Termins bei ihr melden sollten.

Schornsteinfegerin Selma Rütten übernimmt Kehrbezirk

Selma Rütten steht mit dem Kehrbesen vor ihrem Lieferwagen. Die Aufschrift macht noch in männlicher Form Werbung für Schonsteinfeger,Milk © Stefan Milk

Männliche Werbung


Die 36-Jährige hatte sich bei der Bezirksregierung Arnsberg um den Kehrbezirk beworben und schließlich den Zuschlag bekommen. Mit den Bergkamenern hat sie seit dem 1. August, als sie den Bezirk übernommen hat, schon die ersten Erfahrungen gemacht. Freundlich und offen seien die meisten ihrer Kunden bisher, sagt sie.

Auf ihrem Lieferwagen steht übrigens immer noch „Der Schornsteinfeger“ , obwohl er eigentlich eine Schornsteinfegerin ist. Vorerst will sie die Aufschrift aber nicht ändern, sagt die 36-Jährige. Sie will ihre Kunden dann doch nicht allzu sehr überfordern.

Der „bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger“ wie die offizielle Bezeichnung ist, ist seit 2013 nur noch für die sogenannten hoheitlichen Aufgaben verpflichtend tätig. Dazu gehört die Abnahme von neuen Feuerstätten (Öfen und Heizungen) und die „Feuerstättenschau“, die zwei Mal in sieben Jahren vorgeschrieben ist. Die erste Schau ist frühestens nach drei und spätestens nach vier Jahren fällig. Dafür gibt es feste Gebühren. Arbeiten wie das Kehren , Überprüfungs- und Messarbeiten können Hauseigentümer frei an einen eingetragenen Schornsteinfegerbetrieb vergeben. Feste Gebühren gibt es nicht.
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