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Nach einem Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule am Donnerstagvormittag gibt die Polizei zwei Stunden später Entwarnung: Es handelt sich um einen Fehlalarm.

Bergkamen

, 31.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Szene vor der Freiherr-vom-Stein-Realschule an der Hochstraße gegen 11 Uhr, kurz nach dem Amok-Alarm, hat etwas Gespenstisches. Autos und Busse fahren vorbei. Auf dem nördlichen Gehweg sind Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule auf dem Weg zur Bushaltestelle, an der sich immer mehr Erwachsene sammeln. Von dort hat man den besten Blick auf den Eingang der Freiherr-vom-Stein-Realschule, die von hier aus völlig verlassen aussieht. Alle Fenster sind trotz des trüben Wetters dunkel. Kein Mensch ist in oder an dem Gebäude zu sehen, bis auf einen einsamen Polizeibeamten auf dem Weg zum Schuleingang. Währendessen sammeln sich an der Straße immer mehr Streifenwagen - mehr als an der Wache in Bergkamen stationiert sind und schnell auch mehr als zur Hauptwache in Kamen für den nördlichen Kreis Unna stationiert sind.

Handy einer Lehrerin löst Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Alle verfügbaren Streifenwagen aus dem Kreis Unna kamen zur Realschule. © Marcel Drawe

Alle Streifenwagen an der Schule

Die Kreispolizeibehörde hat alle überhaupt verfügbaren Streifenwagen an der Bergkamener Schule zusammengezogen, wird Polizeisprecher Thomas Röwekamp einige Zeit später mitteilen. Der Grund dafür ist Ernst: In der Realschule wurde um 10.22 Uhr während des Unterrichts ein Amokalarm ausgelöst.

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Keine Schüsse

Die Polizei ist zwar schnell einigermaßen sicher, dass es sich um keinen ernsten Vorfall handelt. „Kein Zeuge hat irgendwelche Schüsse gehört“, sagt ein Beamter. Bei den Eltern gegenüber vom Schuleingang machen unterdessen die wildesten Gerüchte der Runde. „Mein Mann hat an der Tankstelle gehört, dass jemand in der Schule durchgedreht ist“, sagt eine Mutter, die verzweifelt versucht, per Whattsapp Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen.

Handy einer Lehrerin löst Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Die Eltern harrten im Schneetreiben neben der Bushaltestelle aus. Von dort hatten sie den besten Blick auf den Eingang der Schule. © Marcel Drawe

Beamter beruhigt die Eltern

Immer wieder kommt einer der Beamten und versucht, die Eltern zu beruhigen. Es gebe zurzeit keinen Grund von etwas anderem als einem Fehlalarm auszugehen, sagt er. Alles andere sei normales Vorgehen der Polizei in einem solchen Fall, teilt er mit. Mit anderen Worten: Die Polizei will sicher sein, dass für die Schüler keinerlei Gefahr besteht, bevor sie aus den Klassen dürfen.

Spezial-Einsatzkräfte in der Schule

Wenige Augenblicke später ist ein halbes Dutzend Polizisten zu sehen, die mit Helmen, Schutzwesten und Maschinenpistolen in die Schule gehen. Es sind nicht Angehörige Sondereinsatzkommandos, wie viele vermuten, sondern speziell ausgebildete und ausgerüstete Polizisten der Kreispolizeibehörde. „Wir versuchen, die Situation so schnell wie möglich mit eigenen Kräften zu klären“, erklärt Röwekamp. Falls tatsächlich ein Amokläufer Schüler bedroht, will die Polizei nicht warten, bis das SEK eintrifft, das erst noch über eine längere Strecke anreisen muss. Als die Spezialeinsatzkräfte nach einiger Zeit die Schule wieder verlassen, ist einigen der Eltern zumindest etwas Erleichterung anzusehen. Die Beamten haben niemanden dabei und wirken gelassen. Viele Eltern sind über die Whattsapp-Gruppen der Klassen oder von ihren Kindern selbst alarmiert worden. Ein Vater hat seinen Arbeitsplatz verlassen, um zusammen mit seiner Frau zu warten.

Handy einer Lehrerin löst Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Nachdem der Alarm aufgehoben war, kamen die Rettungskräfte, um die Schüler und Lehrer zu betreuen. © Marcel Drawe

Entwarnung nach knapp zwei Stunden

Kurz darauf, gegen 12.15 Uhr, gibt die Polizei endgültig Entwarnung. Bei den Eltern herrscht nur teilweise Erleichterung. „Gut geht es mir erst, wenn ich meinen Sohn unverletzt sehe“, sagt eine Mutter.

Jetzt kommen auch Notärzte, Rettungswagen und das Rote Kreuz. Stadtbrandmeister Dietmar Luft von der Bergkamener Feuerwehr hatte kurzerhand das nahe gelegene studio theater zur Zentrale für die Retter gemacht. Die Helfer warteten dort, alle Maßnahmen waren getroffen, um notfalls auch Verletzte zu versorgen, sagt Luft.

Handy einer Lehrerin löst Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Die ersten Helfer gehen in die Schule, nachdem die Polizei Entwarnung gegeben hat. © Marcel Drawe

Betreuung durch Notfallseelsorger

Mittlerweile dürfen die ersten Schüler, deren Eltern draußen warten, die Schule verlassen. Die anderen werden von Notfallseelsorgern und speziell ausgebildeten Polizeibeamten betreut, bis sie abgeholt werden. Eine Zehntklässlerin, die noch ganz blass ist, schildert, wie sie den Amokalarm erlebt hat. Plötzlich habe es eine Durchsage gegeben, dass es zu einer ernsthaften Bedrohung gekommen sei. Die Lehrer mussten die Klassenräume abschließen und das Licht löschen. Die Schüler mussten sich in eine Ecke zusammendrängen. „Wir haben Angst gehabt, weil wie zwei Stunden lang nicht wussten, was los war“, sagt die Schülerin.

Handy einer Lehrerin löst Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Schule aus

Polizeisprecher Thomas Röwekamp informierte über den Einsatz. Er wurde durch das Handy einer Lehrerin ausgelöst. © Marcel Drawe

Handy löst Fehlalarm aus

Verantwortlich für die Situation an der Schule war das Handy einer Lehrerin, wie Polizeisprecher Thomas Röwekamp schließlich mitteilt. Die Notfall-App, die auf dem Mobiltelefon installiert ist, hat den Amok-Alarm ausgelöst. Wie es dazu kam, weiß die Polizei noch nicht. Die Ermittlungen laufen noch. Für die Polizei sei es wichtig, zu klären wie es zu dem Fehlalarm kam, auch um die Alarmreaktion noch besser zu gestalten, sagt Röwekamp.

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Amok-Fehlalarm an der Freiherr-vom-Stein-Realschule

Am Dienstagmorgen versetzte ein Amok-Alarm Schüler, Lehrer und Eltern an der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bergkamen-Mitte in Schrecken. Zum Glück erweis er sich als Fehlalarm, ausgelöst vom Handy einer Lehrerin.
31.01.2019
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Bergkamen. Polizeikräfte aus dem gesamten Kreis Unna rückten an, als am Donnerstag ggen 10.22 Uhr der Amokalarm an der Freiherr-vom-Stein-Realschule ausgelöst wurde.© Marcel Drawe
Schon nach kurzer Zeit hatten sich viele besorgte Eltern auf der anderen Straßenseite versammelt. Gegen 12.15 Uhr konnten die ersten ihre Kinder in Empfang nehmen.© Marcel Drawe
Kurz zuvor hatten für einen Sondereinsatz ausgerüstete Kräfte der Kreispolizei Unna die Schule durchsucht und festgestellt, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Er soll von der Notfal-App auf dem Handy einer Lehrerin ausgelöst worden sein.© Marcel Drawe
Etwa ein Dutzend der Beamten mit Helm. Schutzweste und Maschinenpistolen waren in der Schule. Sie sind für solche Einsätze geschult.© Marcel Drawe
Die Polizei hatte die Straßenseite an der Hochstraße abgeriegelt, an der die Schule liegt.© Marcel Drawe
Streifenwagen aus dem gesamten Kreis wurden an der Schule zusammengezogen.© Marcel Drawe
Der Busverkehr lief weiter, um die Schüler aus der benachbarten Willy-Brandt-Gesamtschule nach hause zu bringen. Die Busse durften allerings nicht direkt vor der Schule halten, sondern mussten die Schüler ein Stück weiter aufnehmen.© Marcel Drawe
Die Polizisten trugen wetterfeste Kleidung für den Einsatz bei Schnee und Minusgraden.© Marcel Drawe
Polizisten haben ein Aufe darauf, dass niemand die Straße in Richtung Schule überquert.© Marcel Drawe
Polizeisprecher Thomas Röwekamp lobte Schüler. Lehrer und Eltern für ihr besonnenes Verhalten.© Marcel Drawe
Polizisten sprachen immer wieder mit den Eltern und informierten sie über die Lage.© Marcel Drawe
Nachdem der Alarm aufgehoben war betreuten Notärzte, Rettungskräfte und die Einsatzeinheit des Roten Kreuzes die Schüler. Auch Norfallpfarrer sprachen mit ihnen.© Marcel Drawe
Die Helfer dürfen nach dem Ende des Polizeieinsetzes in die Schule.© Marcel Drawe
Auch Schuldezernentin Christine Busch machte sich vor Ort ein Bild von der Lage.© Marcel Drawe
Das Rote Kreuz hatte Kräfte aus mehreren Orten zusammengezogen.© Marcel Drawe
Aufarbeitung am Freitag

Die Schüler hatten den gesamten restlichen Donnerstag frei. An diesem Freitag sollten die normalen Unterrichtszeiten gelten, aber kein normaler Unterrichtablaufen. Wie der kommissarische Schulleiter Dirk Eggert sagt, will die Schule den Vorfall aufarbeiten. Es soll deshalb sogenannte „Klassenlehrerstunden“ geben, in denen die Schüler mit den Lehrern über den Vorfall reden und ihn aufarbeiten. Es stehen Schulpsychologen zur Verfügung, mit denen Schüler auf Wunsch sprechen können. Alle Eltern dürfen ebenfalls zur Schule kommen und an den Stunden teilnehmen, sagt Eggert.

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