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Die Bergkamener Innenstadt soll sich verändern – aber wie genau? Um das herauszufinden, werden die Bürger gefragt. Und deren Liste ist lang.

Bergkamen

, 16.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Gemütlich durch die Innenstadt bummeln, das geht in Bergkamen nicht. So sieht es nicht nur Kerstin Deppe aus Overberge. „Außer Schnückel interessiert mich dort nichts“, sagt sie über den Nordberg. Geschäfte, die versucht haben, sich dort zu etablieren, seien gescheitert und das wundere sie nicht. Schließlich fahren die meisten Bergkamener in umliegende Städte wie Kamen und Dortmund – oder kaufen online. „Die Innenstadt müsste massiv verändert werden“, sagt Deppe.

Sie und ihre Eltern sprechen während des Marktbesuches am Donnerstagmorgen mit den Mitarbeitern der Planungsgruppe „Stadtbüro“ aus Dortmund, die das Handlungskonzept „Bergkamen mittendrin“ entwickelt. An dem Stand können Bürger Wünsche, Beschwerden aber auch Lob loswerden. Kerstin Deppes Mutter, Dorothea Deppe, wünscht sich wie ihre Tochter mehr Einkaufsmöglichkeiten, bringt aber auch Sicherheit ins Spiel. „Abends traue ich mich nicht mehr alleine raus“, sagt sie.

Bürger sagen ihre Meinung – ob beim Marktbesuch oder bei der Blumenbörse

Da ist sie offenbar nicht die einzige. Auch auf der Blumenbörse war die Planungsgruppe mit einem Stand vertreten und auch dort waren Notizen von Bürgern zu lesen, die sich in der Innenstadt unsicher fühlen. Dass man sich nur im Hellen aufhalten könne, heißt es auf einem rosa Kärtchen. Auf einem anderen steht „Unsicherheitsgefühl abends in der Innenstadt – wird gemieden“.

Die Liste der Wünsche und Beschwerden der Bergkamener Bürger ist lang: „Cafés fehlen“, „Lebensmittel gut, Bekleidung schlecht“, „Geldautomat fehlt“, „Spielgeräte für Kinder fehlen“ und vieles mehr steht auf den bunten Karten, die sie auf der Blumenbörse beschriften durften. Die Bergkamener haben viele Ideen für ihre Innenstadt – doch auch Lob gibt es für die Mitte.

„Für Jugendliche keine Angebote – es ist langweilig“
BÜRGER ÜBER DIE BERGKAMENER INNENSTADT

An dem Stand der Planungsgruppe durften Besucher der Blumenbörse aufschreiben, was ihnen gefällt und was nicht. Und wer nicht so viel Zeit hatte, klebte einfach ein grünes oder ein rotes Pünktchen auf die besonders guten oder die besonders schlechten Stellen auf die Karte der Innenstadt. Grob geschätzt seien zu dem Stand etwa 250 Leute gekommen, sagt Tobias Zahn von der Planungsgruppe aus Dortmund.

Jetzt sprechen die Bürger: So soll sich Bergkamens Innenstadt verändern

Tobias Zahn von der Planungsgruppe Stadtbüro aus Dortmund spricht mit Doris Kumor über ihre Wünsche für die Innenstadt. © Pott

Bürger wünschen sich Spielplätze für Kinder und ein neues Café

Zahn hatte ordentlich zu tun. Nicht wenige Bürger suchten das Gespräch mit ihm und seinen Kollegen. Eine der Besucher war Doris Kumor aus Overberge. Als Großmutter wünscht sie sich mehr Spielmöglichkeiten für Kinder in der Innenstadt. Kinder würden die Integration und das Miteinander fördern – und das wiederum sollten die Erwachsenen unterstützen. Der Wunsch nach Spielplätzen und mehr Angeboten für Kinder findet sich auf den Kärtchen, die die Bürger selbst beschriften konnten, häufiger.

Viele Bergkamener wollen Kontakte knüpfen

Auch der Wunsch nach einem „vernünftigen Café“ wird im Rahmen der Aktion deutlich.

„Marktplatz sehr gut, Händler freundlich, gute Gemeinschaft und Miteinander – aber Müllproblem.“
Bürger über die Bergkamener Innenstadt

Dazu passend wünschen sich einige Bergkamener einen besseren Kontakt zu ihren Mitbürgern und Nachbarn. Die Bewohner der Innenstadt wollen offenbar nicht mehr nur nebeneinander her, sondern mehr miteinander leben.

Spielplätze für Kinder und ein Café für die Älteren könnten dazu beitragen. Und auch Jugendliche meldeten sich zu Wort. „Für Jugendliche keine Angebote – es ist langweilig“, schrieb jemand gerade heraus. Einen neuen Treffpunkt wünscht sich auch Marktbesucherin Kerstin Deppe. Für Kinder gebe es Angebote, für Jugendliche schon weniger „und die nächste Altersklasse bleibt auf der Strecke“.

Jetzt sprechen die Bürger: So soll sich Bergkamens Innenstadt verändern

Bei der Auftakt-Veranstaltung zum Handlungskonzept „Bergkamen mittendrin“ entwickelten sich viele Gespräche darüber, was sich in der Stadtmitte verbessern lässt. © Marcel Drawe

Zwei Stellwände voll mit Meinungen

Am Ende des Blumenbörse waren zwei Stellwände mit zahlreichen bunten Kärtchen und zwei großen Plakaten mit etlichen kleinen Klebepunkten übrig. Auf einem Plakat durften die Kategorien „Einkaufen“, „Wohnen“, „Sich aufhalten“, „Mobil sein“, Miteinander/Soziales“, „Kultur/Veranstaltungen“ und „Klima/Luftqualität“ bewertet werden. Alle Punkte schnitten bei den Bürgern recht „gut“ ab.

Bei „Miteinander/Soziales“ gab es jedoch nur acht Menschen, die ihren Aufkleber auf das Feld „sehr gut“ oder „gut“ klebten. Im Vergleich zu den Kategorien „Klima/Luftqualität“ und „Kultur/Veranstaltungen“ sind das deutlich weniger. „Kulturell ist Bergkamen gut aufgestellt“, findet auch Kerstin Deppe.

Turmarkaden fallen negativ auf, der Marktplatz positiv

Auf der zweiten Stellwand hängt ein Plakat mit einer Karte des Zentrums. Auf dieser sind viele rote und grüne Klebepunkte zu sehen.

„Außer Schnückel interessiert mich dort nichts“
Kerstin Deppe aus Bergkamen über den Nordberg

Neben einzelnen Punkten wird auf dieser Karte deutlich sichtbar, wo die Bergkamener sich eine Veränderung wünschen und wo es ihnen besonders gut gefällt.

Grün markiert sind unter anderem der Treffpunkt, das Hallenbad und der Marktplatz. Der schnitt übrigens auch auf den Kärtchen einigermaßen gut ab: „Marktplatz sehr gut, Händler freundlich, gute Gemeinschaft und Miteinander – aber Müllproblem“. Dunkelrot sind indes der Nordberg, das Monopol-Gelände und die leer stehenden Turmarkaden.

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Das Planungsbüro um Tobias Zahn wertet die Ergebnisse der Befragung aus und schickt sie der Stadt, die sich schon im Vorfeld über die Resonanz freut. Die Anregungen seien sehr konstruktiv, so der Erste Beigeordnete Dr. Hans Joachim Peters. Er wolle den ersten Zwischenbericht der Politik noch vor der Sommerpause vorstellen. Auch das Planungsbüro ist zufrieden mit der Beteiligung. Bergkamener hielten sich lange an den Ständen auf. Die Mitarbeiter stellen bewusst keine direkten Fragen, sondern lassen die Bewohner reden, „damit wir mitbekommen, was ihnen unter den Nägeln brennt“, sagt Carsten Schäfer vom Planungsbüro. Nach den Sommerferien soll mit den Bürgern im nächsten Schritt über die Ergebnisse der ersten Befragungen diskutiert werden. Konkrete Termine stehen noch nicht fest.

KONZEPT FÜR DIE MITTE

MITMACHEN IM INTERNET

  • Informationen über das Stadtentwicklungskonzept „Bergkamen mittendrin“ gibt es auf der Homepage www.bergkamen.de/mittendrin.
  • Dort besteht auch die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen.
  • Vorschläge können auf einem interaktiven Stadtplan eingetragen werden.

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