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Eigentlich sind Wolfgang Kerak und sein Sohn Olaf als Steinmetz-Meister Handwerker. Aber auch sie setzen in ihrem Betrieb jetzt auf Computer-Technik. Das liegt an der Globalisierung.

Weddinghofen

, 15.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Konkurrenz des Steinmetz-Betriebes Kerak aus Weddinghofen sitzt in China und Indien. Dort lässt die Steinindustrie aus Schweden oder Finnland ihre Rohprodukte bearbeiten - bei ziemlich niedrigen Lohnkosten: „Und dann verkaufen sie ihn in Europa als skandinavischen Stein“, sagt Wolfgang Kerak. Ein selbst produzierender Betrieb könne gegen diese Preise nicht konkurrieren. Deshalb wuchern die Keraks in ihrem Betrieb am Parkfriedhof in Weddinghofen mit einem anderen Pfund: der individuellen Gestaltung von Grabsteinen und anderen Stein-Produkten.

In der Steinmetz-Werkstatt Kerak schneidet jetzt der Computer die Steine zu

Olaf Kerak demonstriert, wie sich die Maschine per Fernbedienung steuern lässt. © Marcel Drawe


Eine neue Maschine aus bayrisch Schwaben

Und das haben sie jetzt ganz neue Möglichkeiten. Die verdanken sie einer Drehsäge, die die Firma Spielvogel aus Krumbach in bayrisch Schwaben hergestellt hat. Auf den ersten Blick sieht die Maschine, die in der vergangenen Woche in der Kerakschen Werkstatt installiert worden ist, wie eine Kreissäge aus, die von der Decke hängt. Aber das täuscht - und das nicht nur, weil das Sägeblatt Zacken aus Diamanten mit einer Länge von 26 Millimeter hat. Ein Computer steuert die Technik, weshalb die Säge mit höchster Präzision schneidet. Sie ist extrem beweglich und kann sich um fünf Achsen drehen.

In der Steinmetz-Werkstatt Kerak schneidet jetzt der Computer die Steine zu

Der Sägekopf der Maschine lässt sich um fünf Achsen drehen und kippen. © Marcel Drawe


Die Säge lässt sich um 360 Grad schwenken

Um den Unterschied zu verdeutlichen, erklärt Olaf Kerak die frühere Arbeitsweise: Der Stein lag auf einem beweglichen Tisch, den der Steinmetz hin- und herschieben konnte. Auch die Säge ließ sich bewegen, aber nur in zwei Richtungen. Es waren also lediglich Längst- oder Querschnitte möglich. Bei der neuen Maschine bleibt der Stein auf dem Arbeitstisch liegen, dafür kann die Säge eine Vielzahl von Bewegungen ausführen. „Man sie um 360 Grad schwenken“, erläutert Olaf Kerak, während er die Hebel an der Fernbedienung betätigt. „Und den Sägekopf kann man um bis zu 90 Grad abkippen.“


Schrägschnitte im Stein

Auf diese Art sind Schrägschnitte am Stein möglich. Das erweitert das Gestaltungsspektrum der Keraks gewaltig. Und dabei geht es nicht nur um die Muster auf den Grabsteinen, sondern auch um den individuellen Zuschnitt der Platten. Selbst die Grabinschrift ließe sich theoretisch mit der neue Säge einfügen, meint Olaf Kerak: „Aber das wird der übernächste Schritt.“

Denn trotzt des Einzugs der Computertechnik bleibt der Steinmetz-Betrieb ein Handwerksunternehmen: „Die neue Säge leistet die Vorarbeit auf dem Stein“, erläutert Wolfgang Kerak. „Die Feinheiten erledigen wir dann per Handarbeit.“ Dank der exakten Computer-Steuerung vervielfältig sich hier auch die Zahl der Gestaltungsmöglichkeiten.

In der Steinmetz-Werkstatt Kerak schneidet jetzt der Computer die Steine zu

Das Schaltpult für die Sägemaschine bedient Kerak-Mitarbeiter Wladimir Schall (r.) © Marcel Drawe


Der Zuschnitt erfolgt am Computer

So kann Olaf Kerak zum Beispiel den Zuschnitt einer Arbeitsplatte für eine Küche an seinem Computer im Büro entwerfen. „Das wird dann per WLAN an die Maschine geschickt und der Stein exakt zugeschnitten.“ Und die Maschine ist auch darauf vorbereitet, dass die Keraks mit unterschiedlichen Materialien arbeiten. „Sie ist für unterschiedliche Steinarten programmiert.“ Für jeden Stein benötigt der Metz ein anderes Werkzeug. Auch das gehört zur Ausstattung der Drehkopfsäge. Und je nachdem was für eine Platte auf den Tisch kommt, sucht sie sich das richtige automatisch heraus.

Selbst die Wartung funktioniert weitgehend computergesteuert. Olaf Kerak weist auf einen Plastik-Knauf in der Wand: „Der fährt bei Bedarf automatisch heraus und misst die Sägeblätter.“ Im Normalbetrieb halten die etwa 500 Betriebsstunden. Der Computer rechnet den Verschleiß mit ein, sodass die Säge wirklich exakt schneidet.

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Eine ziemlich hohe Investition

Dank der neuen Präzision in seiner Werkstatt kann sich Wolfgang Kerak auch vorstellen, sein Betätigungsfeld zu erweitern. „Wir können jetzt auch für die Bauwirtschaft arbeiten und spezielle Wünsche von Architekten erfüllen.“ Von solchen Gestaltungsmöglichkeiten haben Vater und Sohn Kerak mit ihrer alten Ausstattung nicht einmal zu träumen gewagt. Die neue Technik hat natürlich ihren Preis. Wie hoch der ist, will Geschäftsmann Wolfgang Kerak lieber nicht verraten: „Aber für einen kleinen Betrieb wie unseren war das schon eine ziemlich hohe Investition.“

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