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Erfolgreiche Hilfe in Bergkamen für Menschen aus aller Welt

Visitation im Haus Frieden

Das „Haus Frieden“ am Nordberg in Bergkamen ist eine Einrichtung, die sehr erfolgreiche Arbeit bei der Flüchtlingshilfe leistet. Davon überzeugte sich die evangelische Landeskirche jetzt anlässlich einer Visitation im Kirchenkreis Unna.

Bergkamen

von Michael Dörlemann

, 02.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Erfolgreiche Hilfe in Bergkamen für Menschen aus aller Welt

Präses Annette Kurschus von der evangelischen Landeskirche (7.v.r.) Informierte sich zusammen mit einem Expertenstab im Rahmen einer Visitation im „Haus Frieden“ über die Arbeit der Flüchtlingshelfer.Dörlemann © Michael Dörlemann

Für Präses Annette Kurschus von der evangelischen Landeskirche von Westfalen ist die Position ihrer Kirche in der Flüchtlingsfrage klar. „Wir wollen uns deutlich öffentlich gegen Abschottungstendenzen positionieren“, sagte sie. Die evangelischen Kirchengemeinden müssten Räume schaffen, in denen Begegnung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen möglich ist, machte sie deutlich.

Deshalb war es wohl konsequent, dass bei der Visitation der evangelischen Landeskirche auch das „Haus Frieden“ in Bergkamen auf dem Besuchsprogramm stand. Dort arbeitet die evangelische Kirche nicht nur mit dem „Flüchtlingshelferkreis“ zusammen – einem von Ehrenamtlichen gegründeten Verein, der sich um Hilfe für Flüchtlinge und um Integration bemüht. Ein weiterer Partner ist der katholische Pastoralverbund, der mithilfe von Mitteln des Erzbistums Paderborn die Miete für den ehemaligen Drogeriemarkt an der Fußgängerzone bezahlt und zumindest zeitweise auch noch einen Berater von der Caritas stellt. Der evangelische Kirchenkreis stellt die Flüchtlingsberaterin und Ehrenamtskoordinatorin Angelika Glamoc, die das Amt erst vor wenigen Wochen von ihrem Vorgänger übernommen hat.

Im Rahmen der Visitation interessierte Kurschus ganz besonders, welche Erfahrungen die ehrenamtlichen Helfer und die Flüchtlinge gemacht haben. Als Vertreterin der Flüchtlinge war Manizha Beizhan gekommen. Die Apothekerin aus Afghanistan ist vor drei Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen. In Ihrer Heimat arbeitete sie in einem französischen Krankenhaus und wird deshalb wegen ihrer Zusammenarbeit mit „Ungläubigen“ von den Taliban mit dem Tode bedroht. Die deutschen Behörden wollten sie trotzdem zurück nach Afghanistan abschieben. Der Flüchtlingshelferkreis vermittelte einen Anwalt, auf dessen Ersuchen der Fall erneut geprüft wurde. Die Familie bekam schließlich eine Duldung.

Mittlerweile spricht Manizha Beizhan so gut Deutsch, dass sie selbst Deutschkurse für Flüchtlinge bei der VHS gibt und sich im Haus Frieden engagiert. Als Kurschus nach einem besonderen Wunsch der engagierten Frau fragte, berichtete Diakoniepfarrerin Anja Josefowitz, dass viele Flüchtlinge – auch Manizha Beizhan – große Probleme haben, ihre Ausbildung anerkannt zu bekommen – obwohl die Wirtschaft in Deutschland über Fachkräftemangel klagt.

Eine Frau, die sich im Flüchtlingshelferkreis engagiert, berichtete, dass die Akzeptanz von Flüchtlingen sehr stark von der Politik abhängt. Anfangs habe sie oft Kopfschütteln für ihr Engagement geerntet – unter anderem von Nachbarn. Nachdem die Menschen in ihrem Umfeld Geflüchtete persönlich kennengelernt hätten, sei die Stimmung zu wesentlich mehr Verständnis umgeschlagen. Die aktuelle politische Diskussion bewirke wieder das Gegenteil.

Pastor Thorsten Neudenberger vom katholischen Pastoralverbund betonte, dass die katholischen Gemeinden ohne das Engagement vieler Migranten schlechter dastehen würden. Insbesondere Menschen, die aus Vietnam und Polen stammen, würden einen erheblichen Beitrag zum Gemeindeleben leisten. „Ohne sie wären unsere Kirchen deutlich leerer“, sagte er.

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