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Alle Beteiligten arbeiten an Maßnahmen, um die Folgen eines Starkregenereignisses wie 2014 einzudämmen. Hauseigentümer müssen sich trotzdem Gedanken über Hochwasserschutz machen.

Bergkamen

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der erste Beigeordnete Dr. Hans-Joachim Peters erinnert sich noch immer mit ein wenig Schaudern an seinem Amtsantritt als Betriebsleiter des „Stadtbetriebs Entwässerung“ (SEB). Am Abend des 30. April 2014 setzte ein so enormer Starkregen ein, dass der Stadtbetrieb seinem im Namen verankerten Auftrag nur noch unzureichend nachkommen konnte. In Teilen des Stadtgebiets standen Keller und tiefer gelegene Flächen unter Wasser. Noch viel heftiger traf die Stadt ein Starkregenereignis wenige Monate später, am 18. September 2014, als es zu einem stundenlangen Starkregenereignis kam.

Einen hundertprozentigen Schutz bei Starkregen gibt es nicht

Nach dem Starkregen im September 2014 musste auch das THW helfen, die Wassermassen wegzupumpen. © Stefan Milk

Lippeverband rechnet jederzeit wieder mit Starkregen

Ein Starkregenereignis, das statistisch gesehen nur alle 200 Jahre vorkommt. Der Lippeverband ist sich allerdings relativ sicher, dass es nicht 200 Jahre dauert, bis die Stadt wieder von einem solchen Ereignis betroffen ist. „Es ist jederzeit damit zu rechnen, dass es wieder zu einem ähnlichen Starkregenereignis kommt“, sagt Anne-Kathrin Lappe, die Sprecherin des Lippeverbandes. Der Verband beobachtet durch den Klimawandel immer häufiger solche Starkregenereignissen in einem begrenzten Teil seines Verbandsgebiets und geht davon aus, dass die in Zukunft wesentlich häufiger auftreten als in vergangenen Jahrzehnten.

Einen hundertprozentigen Schutz bei Starkregen gibt es nicht

In Overberge waren 2014 größere Flächen überflutet, auch weil Regenrückhaltebecken übergelaufen waren. © Stefan Milk

Trockene Böden machen die Folgen noch schlimmer

Dass im Zuge des Klimawandels die Trockenperioden zunehmen, macht die Folgen solcher Starkregenereignisse eher noch schlimmer. „Der ausgetrocknete Boden büßt seine Schwammwirkung ein und kann das Wasser nicht mehr so gut aufnehmen“, erläutert Lappe.

Eine Reihe von Maßnahmen ergriffen

Um die Folgen von Starkregenereignissen zumindest zu mildern, haben alle Beteiligten an der Bergkamener Stadtentwässerung mittlerweile eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen, die aber noch nicht abgeschlossen sind. Außer dem SEB gehören dazu auch der Lippeverband und die RAG. Ganz verhindern lassen sich Überflutungen aber nicht: Dafür dass der Keller nicht vollläuft, müssen Hauseigentümer auch selber durch Maßnahmen am Gebäude und auf ihren Grundstücken sorgen.


Entwässerungsanlagen überprüft

Der SEB überprüft alle Entwässerungsanlagen wie Pumpwerke, Regenrückhaltebecken und die Kanalrohre regelmäßig und sorgt dafür, dass sie ihre Aufgabe erfüllen können. Unter anderem hat er viele Regenrückhaltebecken ausbaggern lassen, um ihre maximale Kapazität wieder herzustellen. In die Becken sind als Puffer für die Pumpwerke gedacht, damit sie von plötzlich auftretenden Wassermassen nicht überfordert sind.

Der SEB hat außerdem ein 24-Stunden-Kanalbetriebs- und Risikomanagement eingeführt, um auf Unwetterwarnungen schnell reagieren und den Bereitschaftsdienst aktivieren zu können.

Einen hundertprozentigen Schutz bei Starkregen gibt es nicht

Das Pumpwerk Beverbach in Rünthe ist eines der größten in Bergkamen. Der Lippeverband will die Elektronik erneuern. © Stefan Milk

Lippeverband rüstet seine Pumpwerke auf

Der Lippeverband hat bereits vor einiger Zeit begonnen, seine Pumpwerke zu überarbeiten, den Abfluss von Wasser im Bereich Kuhbach zu verändern und Regenrückhaltebecken auszubauen. Das Pumpwerk Beverbach in Rünthe soll zum Beispiel eine neue Elektronik bekommen. Die alte stammt noch aus dem Jahr 1988 und soll 2021 ersetzt werden. Noch älter sind die Pumpen im Pumpwerk Landwehrgraben. Sie stammen aus dem Jahr 1969 und sollen nach Angaben von Anne-Kathrin Lappe im Jahr 2023 erneuert werden. Die Pumpleistung an beiden Pumpwerken sei allerdings ausreichend, sagt die Sprecherin.

Einen hundertprozentigen Schutz bei Starkregen gibt es nicht

Das Pumpwerk Schönhausen soll durch ein Reinwasserpumpwerk ergänzt und ein bedeutend größeres vorgeschaltetes Regenrückhaltebecken bekommen. © Stefan Milk

Neue Pumpwerke in Schönhausen und Heil

Bedeutend größere Maßnahmen plant der Verband an den Pumpwerken Schönhausen an der Bambergstraße und Heil. Das vorgelagerte Regenrückhaltebecken soll deutlich größer werden und künftig 60.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Bisher sind es nur etwa 13.000 Kubikmeter. Als Rückhaltebecken dient der Einschnitt des Kuhbachs, der deutlich vergrößert werden soll. Die Grundstücksverhandlungen sind nach Lappes Angaben mittlerweile auf einem guten Weg. Geplant ist die Maßnahme ab 2021. Außerdem soll an dem Standort ein neues Reinwasserpumpwerk entstehen, das Wasser aus den Gräben westlich und östlich wegpumpt. Das Pumpwerk Heil soll abgerissen und komplett neu errichtet werden, weil es nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.

RAG steigert Leistung von Pumpwerk

Auch die RAG will das sogenannte „Pumpwerk Köhling“ an der Industriestraße erneuern, die Leistung steigern und das Regenrückhaltebecken vergrößern.

Am weitesten sind die Maßnahmen am Kuhbach-Oberlauf in Overberge. Dort fließt das Wasser jetzt in Richtung Neustädter Bach statt in Richtung Seseke ab.das Pumpwerk an der Hansastraße ist erneuert.

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