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Thomas Albrecht ist Mitbesitzer des Naturschutzgebietes in Rünthe. Auf dem Gelände der ehemaligen Deponie lassen manche Hundebesitzer ihre Tiere laufen und parken auf Albrechts Grundstück.

Rünthe

, 03.05.2019 / Lesedauer: 5 min

„Da ist richtig was los“, sagt Bernd Haberhausen vom Regionalverband Ruhr über die Deponie in Rünthe. Nach einer Deponie sieht es auf dem Hügel hinter dem Gut Keinemann aber schon lange nicht mehr aus – dort sprießt es mittlerweile grün und das lockt Hundebesitzer gleichermaßen an wie Radfahrer. Sie fahren dort auf dem Römerradweg in Richtung Ökostation und das ist ihnen auch gestattet. Nicht erlaubt ist es laut Gesetz jedoch, dort Hunde frei laufen zu lassen, weil es keine ausgewiesene Hundewiese ist.

Lange wurde die Deponie in Bergkamen-Rünthe als Hundeauslauffläche geduldet

Das Gelände gehört dem Regionalverband Ruhr (RVR). Zutritt hat eigentlich nur die Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhr (AGR), die als Tochtergesellschaft des RVR die Nachsorge der einstigen Mülldeponie betreibt. Sie hat dem Besitzer des Gut Keinemann, Thomas Albrecht, Zugang gewährt. Die Fläche sei dennoch jahrelang als Hundeauslauffläche geduldet worden ohne offiziell als eine ausgewiesen zu sein, sagt Haberhausen. Bislang habe es nie Probleme gegeben – in diesem Jahr sei es dort jedoch „eng und drubbelig“. Das Interesse für den Hof, auf dem Albrecht eine Oldtimer-Remise betreibt für die angrenzende grüne Landschaft inklusive Zugang zur Lippe wuchs in den letzten Jahren rasant. Dass Orte recht überraschend zu Anziehungspunkten werden können, ist ein Phänomen, dass der RVR bereits kennt. Durch Internetforen spreche sich so etwas schneller herum als früher, erklärt Haberhausen. So sei auf einer anderen Halde eine Mointainbike-Strecke entstanden, die offiziell eigentlich keine ist – „das sind Selbstläufer“, so Haberhausen. Durch das Internet verbreiten sich Hotspots, die vorher gar keine waren, schnell.

Nichts gegen Hundehalter aus Bergkamen – wohl aber gegen den wachsenden Hundetourismsus

Dass sich das Naturschutzgebiet in Rünthe über Internetforen zum beliebten Treffpunkt für Hundebesitzer gemausert hat, glaubt auch Thomas Albrecht. Gegen Hunde haber er überhaupt nichts - gegen den „Hundetourismus“, wie er es nennt, schon. Mittlerweile kämen Leute aus Dortmund, Coesfeld, Werne und anderen Städten. “Ich habe nichts dagegen, dass die umliegenden Miteigentümer und Bewohner hier spazieren gehen – es ist sogar erwünscht“, sagt Albrecht. Mit den Spaziergängern komme er seit Jahren gut aus, sie gäben Bescheid, wenn ihnen irgendetwas auffalle und beispielsweise etwas in der Lippe schwimmt oder ein Baum umgestürzt ist. Doch was sich dort seit dem vergangenen Jahr entwickele, wolle er nicht länger dulden. Autos parken laut Albrecht unbefugt vor seinem Tor und ignorieren das Verbotsschild, mehrere Stunden pro Woche sind er oder sein Mitarbeiter damit beschäftigt, Müll vom Parkplatz, vom Wegesrand oder sogar aus den Bäumen zu fischen. Besonders unverschämt findet er Plastikkotbeutel, die nicht mitgenommen werden, sondern liegen bleiben.

Ein Runder Tisch soll den „Hundetourismus“ in Rünthe in geregelte Bahnen lenken

Wer das Anliegen hat, seinen Hund im Naturschutzgebiet auszuführen, ist kein Anlieger und hat kein Recht, hinter diesem Schild zu parken: Thomas Albrecht, Miteigentümer des Weges, hat kein Verständnis für jene, die sich nicht daran halten und ihre Hunde dort frei laufen lassen – was ebenfalls ordnungswidrig ist. © Stefan Milk


Bienen, Hunde, Hasen und Rehe – Albrecht will, dass die Tiere zurückkommen

Es gebe kaum noch Wildtiere auf seiner Seite der Lippe, sagt Albrecht über die Folgen der freilaufenden Hunde in dem Naturschutzgebiet. „Weder Hasen noch Fasane.“ Albrecht setzt sich für die Natur ein. Nicht nur Hasen und Fasane will er künftig wieder in dem Gebiet sehen, sondern auch Bienen. Auf einer 7000 Quadratmeter großen Flächen entstehen bald Ökowiesen. Albrecht hat auch nichts dagegen, Hunde zu sehen – insofern sich die Besitzer anständig verhalten.

Bis sich die Situation verändern wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit. Anfang dieser Woche haben sich die drei Grundstückseigentümer – der RVR, die AGR und Thomas Albrecht zusammengesetzt. In den kommenden Wochen folgt ein Runder Tisch mit mehreren Beteiligten. Den Anstoß dafür gab die stellvertretende Bürgermeisterin Monika Wernau, die in Rünthe wohnt. Viele Bürger seien in letzter Zeit auf sie zugegangen und hätten sie auf die Situation aufmerksam gemacht. Sie sei von Fußgängern und Radfahrern angesprochen worden, die sich belästigt fühlen. Auch Wernau selbst gehört zu den Betroffenen: „Ein Hund ist mir vor einem Jahr gegen das Fahrrad gelaufen“. Wernau betont, dass die Tiere nichts dafür können und dass einige Halter ihre Hunde ordnungsgemäß anleinen – das sei jedoch die Minderheit. Viele würden keine Rücksicht auf Fußgänger und Radfahrer nehmen. Auch habe sie von Spaziergängern gehört, die sich wegen der Hunde nicht mehr in das Gebiet trauen.

Hunde auf der Deponie in Rünthe: Bei einem Runden Tisch soll eine Lösung gefunden werden

Wer genau an dem Runden Tisch teilnehmen wird, steht laut Bernd Haberhausen vom RVR noch nicht fest. Dabei sein könnten der Ordnungsdienst, die Polizei, Feuerwehr und andere Beteiligte – und davon gibt es bei diesem Thema einige. So sorgt sich etwa der Jagdpächter des Gebietes, Benedikt Schulze-Elberg, um die Rehe, die von den Hunden verscheucht werden könnten. Erst am Donnerstag ist eines von der Deponie bis zum Hafen gerast und dort in einem Zaun stecken geblieben. Eine Anwohnerin habe gesehen, dass ein Hund das Tier gejagt habe, sagt Thomas Albrecht, zu dem Schulze-Elberg das verwundete Tier brachte. Im Gegensatz zu diesem Reh, überleben andere Tiere, die in den Kanal fallen und nicht mehr herauskommen, nicht.

Ein Runder Tisch soll den „Hundetourismus“ in Rünthe in geregelte Bahnen lenken

Sauber kann man den Boden an der Deponie in Rünthe nicht nennen. Verpackungen, Kotbeutel und Hundehaufen zieren den Waldboden – zum Ärger des Besitzers, der mit dem Säubern eine Menge Arbeit hat . © Pott

Mindestens acht tote Rehe musste Schulze-Elberg in den vergangenen Wochen beseitigen. Es seien mehr als in den Jahren davor, sagt Schulze-Elberg, der bei einigen Kadavern Bissspuren entdeckt haben will. Die Feuerwehr, welche etwa gerufen wird, wenn ein Tier aus dem Kanal geholt werden muss, hält dem entgegen, dass jedes Jahr zu dieser Zeit viele Rehe ins Wasser fallen, weil sie auf der Suche nach neuen Revieren sind. Dass es in diesem Jahr mehr sind, kann Dirk Kemke, Chef der Bergkamener Feuerwehr, nicht bestätigen.

Hundebesitzer wollen mitreden und Anwohner sind besorgt

Und noch zwei andere Parteien gilt es, mit ins Boot zu holen – die Anwohner und die Hundebesitzer selbst. Haberhausen habe bereits einen Anruf von einem Anwohner erhalten, der besorgt war, dass Hundebesitzer künftig bei ihnen vor den Häusern parken werden, wenn Polizei und Ordnungsamt ein Auge auf die Falschparker haben – was laut Bezirkspolizist Volker Meyer sehr wahrscheinlich ist.

Und auch die Halter der Hunde wollen gehört werden. Noch ist zwar nicht klar, wer an dem Runden Tisch teilnimmt, aber das Ehepaar Eckhardt äußert schon jetzt den Wunsch, dabei sein zu wollen. Sie sind Hundebesitzer, Radfahrer und Spaziergänger gleichermaßen und überzeugt, dass Hundebesitzer, die sich daneben benehmen, Einzelfälle sind. „Wir sind seit zwölf Jahren Hundebesitzer und haben noch nie eine negative Situation erlebt“, sagen sie. Ob und wie sich die Situation vor Ort verändern wird, ist noch ungewiss. Albrecht könne sich vorstellen, dass es eine Art anmeldepflichtigen Ortsansässigen-Bonus gibt, in Form einer Parkkarte. Und auch Haberhausen hat schon eine Idee. Welche das ist, verrät er noch nicht.

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