Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die wenigen Defibrillatoren sind oft unerreichbar

Elektronische Lebensretter

In Bergkamen gibt es schon statistisch gesehen zu wenig Defibrillatoren. Im Notfall sind viele von ihnen schwer zu finden und zu machen Zeiten gar nicht zu erreichen.

23.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Die wenigen Defibrillatoren sind oft unerreichbar

Im Foyer des Rathauses hängt ein Defibrillator. Bei einem Notfall außerhalb der Dienstzeit ist er nicht zu erreichen. © Marcel Drawe

Wer in Bergkamen nach einem lebensrettenden Defibrillator sucht, der muss sich unter Umständen auf (zu) weite Wege gefasst machen. In Bergkamen gibt es gerade einmal 22 solcher Geräte, die bei einem Herzstillstand Leben retten können. Das ist deutlich weniger, als der Europäische Rat für Wiederbelebung (European Rescuscitation Council, ERC) empfiehlt. Der ERC empfiehlt eine Abdeckung von mindestens einem Defibrillator pro 1000 Einwohner – davon ist Bergkamen bei 50.000 Einwohner noch weit entfernt.

Gleichmäßige Verteilung ist wichtig

Hinzu kommt, dass der Verein „Definetz e.V.“ darauf hinweist, dass die Defis möglichst gleichmäßig verteilt sein sollten, damit der Weg zum nächsten lebensrettenden Gerät nicht zu weit ist. In Heil stimmt zwar die reine Statistik, denn auf die etwa 500 Heiler kommt immerhin ein Defibrillator. Der aber befindet sich im Kraftwerk. Anders als in anderen Ortsteilen ist bei keiner der anderen zentralen Einrichtungen mit zum Teil vielen Besuchern wie der Ökostation oder er Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule im Kataster von Definetz e.V. ein Defibrillator verzeichnet. Wer sich die Liste der Defibrillatoren-Standorte in Bergkamen anschaut, die der Verein zur Verfügung führt, stellt fast, dass immerhin die meisten städtischen Einrichtungen mit einem Defi ausgestattet sind – zum Beispiel das Rathaus, wo der Kasten mit dem Defibrillator im Foyer hängt, die VHS im Treffpunkt, oder der Baubetriebshof. Hinzu kommen Defibrillatoren in allen Perthes-Werkstätten, bei einigen Bergkamener Ärzten, bei der Medizintechnik-Firma Berkner & Beerwald am Schlagbaum und in zwei Fitnessstudios: Im California an der Marina und im Fitplus auf dem Monopol-Gelände. Etwas überraschend dürfte sein, dass sogar das Ausflugslokal „Waldschänke“ an der Hansastraße in Overberge über einen Defibrillator verfügt.

In vielen Einrichtungen gibt es keinen Defi

Dafür gibt es in vielen öffentlichen Einrichtungen keinen Defibrillator wie in den Bädern oder in fast allen Bergkamener Schulen. Der Verein Definetz kritisiert zudem, dass viele Defibrillatoren – nicht nur in Bergkamen – nicht nur in Bergkamen nicht rund um die Uhr öffentlich zugänglich sind. Der Defi im Rathaus-Foyer ist beispielsweise nur erreichbar, wenn das Rathaus geöffnet ist. Bei einem Notfall in der Nähe außerhalb der Dienstzeiten ist er nutzlos.

Geräte nur schwer erreichbar

Friedrich Nölle vom Vorstand von Definetz e.V. kritisiert außerdem, dass oft nur Eingeweihte wissen, wo überhaupt ein Defibrillator zu finden ist. „Es muss einen deutlichen öffentlichen Hinweis auf den Defibrillator geben und er muss so angebracht sein, dass er jederzeit erreichbar ist – ohne noch umständlich jemanden zu suchen, der den Defibrillator aushändigen kann“, sagt er.

Erst Notruf, dass Herzdruckmassage

Nölle rät aber ohnehin dazu, bei einem Notfall mit Herzstillstand nicht die Zeit mit der Suche nach einem Defi zu verschwenden. Derjenige, der helfen will, sollte zunächst prüfen, ob ein Herzstillstand vorliegt – zum Beispiel indem er Puls oder Atmung prüft. Dann sollte er über die Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen und mit Herzdruckmassage beginnen. Dabei hilft notfalls die Rettungsleitstelle am Telefon. Nur wenn ein zweiter Helfer da ist, kann er sich auf die Suche nach einem Defibrillator machen.Im Notfall zählt jede Sekunde. Schon nach fünf Minuten Herzstillstand und Unterbrechung der Sauerstoffversorgung kann es zu irreparablen Hirnschäden kommen.

Lesen Sie jetzt