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Bisher weiß die Öffentlichkeit nur wenig über das islamische Wohnheim auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Rahenbrock. Das könnte sich beim nächsten Jugendhilfeausschuss ändern.

Bergkamen

, 06.05.2019 / Lesedauer: 4 min

In seiner jüngsten Sitzung hatte es der Jugendhilfeausschuss abgelehnt, den Verein „Bildungs- und Kulturzentrum Bergkamen“ (BKZ) als Träger der freien Jugendhilfe anzuerkennen. Sie wüssten zu wenig über die muslimische Einrichtung „Bildungszentrum Bergkamen“, (BZB) die der Verein auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Rahenbrock betreibt, argumentierten die Mitglieder. Das könnte sich bei der nächsten Zusammenkunft des Gremiums ändern: Der Jugendhilfeausschuss tagt am 5. Juni in dem Neubau an der Präsidentenstraße, in dem das BKB untergebracht ist.

Die muslimische Bildungsstätte an der Präsidentenstraße öffnet sich

Bilal Uzunay (r.) leitet das Wohnheim. Ahmet Kocak (M.) ist dort bereits aktiv und wird eine Stelle übernehmen, sobald er sein Pädagogik-Studium abgeschlossen hat. Hasan Firat fungiert als Pressesprecher des BKZ. © Stefan Milk


Ein Sozialpädagoge leitet das Wohnheim

Vermutlich werden sich die Ausschuss-Mitglieder in der Mensa des Wohnheims versammeln, sagt Bilal Uzunay bei einem Rundgang. Der Sozialpädagoge leitet das BZB. Damit trägt er die Verantwortung für zehn Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren, die in dem Wohnheim leben. Zumindest unter der Woche. „Die Wochenenden verbringen sie bei ihren Familien“, sagt Ahmet Kocak. Er macht gerade seinen Sozialpädaogik-Bachelor an der Universität Münster und ist bereits im BZB tätig. Kocak legt Wert darauf, dass es sich bei dem BZB nicht um ein Heim handelt, in dem junge Leute mit familiären Problemen unterkommen. „Die wichtigste Grundlage der Integration ist Bildung“, sagt er.

Die muslimische Bildungsstätte an der Präsidentenstraße öffnet sich

Heimleiter Bilal Uzunay in einem der Doppelzimmer, in dem die Schüler wohnen. © Stefan Milk


Die Jugendliche besuchen Bergkamener Schulen

Die jungen Bewohner des BZB stammen aus Zuwanderer-Familien aus Bergkamen und Umgebung und besuchen eine der weiterführenden Schulen in Bergkamen-Mitte: Die Freiherr-vom-Stein-Schule, die Willy-Brandt-Gesamtschule oder das Städtische Gymnasium. Im Wohnheim bekommen sie zusätzlich schulische Unterstützung in Form von Hausaufgabenhilfe und Nachhilfe. „Dafür kommen zum Beispiel Studenten und Fachkräfte hierher“, sagt Kocak. Zudem bekommen die jungen Leute Religionsunterricht.

Die muslimische Bildungsstätte an der Präsidentenstraße öffnet sich

Ahmet Kocak in der Mensa, in der auch der Jugendhilfeausschuss tagen wird. © Stefan Milk


Die Dachorganisation wurde 1973 gegründet.

Denn das BZB ist eine religiöse, eine muslimische Einrichtung. Träger ist der Verband der Islamischen Kulturzentren, zu dem auch die Moschee gehört, die sich in der früheren Gaststätte befindet. Der Verband wurde 1973 in Köln gegründet. Eigenen Angaben zufolge gehören ihm heute rund 300 selbstständige Moschee- und Bildungsvereine an. Zu denen zählt auch der BKZ e.V., der das Wohnheim betreibt. Natürlich verfüge er über eine Genehmigung des städtischen und des Landesjugendamtes, betont Hasan Firat, der Pressesprecher des Vereins.

Die muslimische Bildungsstätte an der Präsidentenstraße öffnet sich

Es geht nicht nur ums Lernen. Für die Freizeitgestaltung stehen nicht nur Gesellschaftsspiele, sondern auch Videospiel-Konsolen bereit. © Stefan Milk


Besuch in den Kirchen

Und beim Religionsunterricht lege das BZB Wert darauf, dass die Schüler auch andere Glaubensrichtungen kennenlernen. So hätten sie bereits die evangelische Friedenskirche besichtigt und auch schon Verbindungen zum katholischen Pastoralverbund aufgenommen, um auch dort eine Kirche zu besichtigen. Außerdem hat der Verein Kontakte zur Gesamtschule geknüpft, die regelmäßig eine interreligiöse Feier ausrichtet. Und wer sich durch die Gänge des Wohnheims führen lässt, der sieht an den Wänden selbst gestaltete Plakate mit Fotos von Fahrten ins Ausland.

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Fahrt zum Europa-Parlament

So waren die jungen Bewohner schon in Paris und in Brüssel. „Dort haben wir das Europäische Parlament besichtigt“, sagt Uzunay. Seinen Schilderungen zufolge umfasst der Bildungsbegriff des BZB nicht nur reine Wissensvermittlung, der Pädagoge legt auch Wert darauf, seinen Schülern richtiges Sozialverhalten beizubringen. Die Freizeitgestaltung kommt im BZB aber auch nicht zu kurz. In den Aufenthaltsräumen gibt es zwei Konsolen für Videospiele, ein Kicker, eine Tischtennisplatte, Bücher und ein Regal mit Gesellschaftsspielen. Außerdem gehört zu der Anlage ein Bolzplatz. „Den nutzen auch Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft, er ist nicht verschlossen“, sagt Kocak.


Ein Ex-Bewohner hat sein Studium aufgenommen

Neben dem Leiter arbeiten in dem Wohnheim noch ein Koch und vier Hilfskräfte. „Die haben alle eine Jugendleiter-Card“, sagt Kocak. Er selbst wird eine hauptamtliche Stelle übernehmen, sobald er seinen Studienabschluss gemacht hat. Wenn dann zwei pädagogische Fachkräfte zur Verfügung stehen, könne das BZB die Zahl der Schützlinge auf 20 erhöhen. Bedarf dafür gebe es, sagt Kocak. Das Zentrum wurde im September 2016 eröffnet, ein Teil der Zöglinge bereitet sich derzeit auf den Schulabschluss vor. Und es gibt auch schon ein Beispiel dafür, dass der BKZ sein Bildungsziel erreicht hat, berichtet Kocak: „Einer unserer ehemaligen Bewohner hat sein Abitur gemacht und studiert jetzt Soziale Arbeit an der TU Dortmund.“

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