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Die Raumflucht in Bergkamen beginnt

Streetwork-Projekt

Auch wenn es scheinbar keinen Ausweg mehr gibt: Aus den Escape-Rooms, die in den kommenden Monaten in zwei Bergkamener Jugendheimen entstehen, kommt jeder wieder raus.

Bergkamen

, 17.07.2018 / Lesedauer: 3 min
Die Raumflucht in Bergkamen beginnt

Bis zum Ende dieser Woche soll der erste Escape-Raum in Bergkamen zumindest soweit fertig sein, dass er für Testpersonen begehbar ist. Ein Team aus 18 Jugendlichen macht bei diesem neuen Projekt der Streetworker mit und baut den ersten Raum im Rünther Jugendheim Spontan. Milk © Stefan Milk

Das verspricht zumindest Streetworker Arne Vogt. „Raumflucht“, so heißt das neue Projekt, das nach Ideensammlung und Workshops seit Anfang der Woche im Jugendheim Spontan Formen annimmt.

Sina sitzt mit Block und Bleistift auf einem Stuhl, ihr gegenüber eine Gruppe junger Männer auf dem Boden, die neben einer Holzkiste knien und überlegen, wie sie selbst ein ähnliches Modell nachbauen können.

Reise in die Vergangenheit

Fehlt dazu Material, macht sich Sina auf den Weg und düst in einen Fachmarkt. Doch noch sind sich die Jugendlichen Lukas, Jan, Samir und Kordyes nicht einig. Das macht aber nichts, denn sie haben Zeit.

Der erste Escape-Room – Fluchtraum – in Bergkamen soll zum Wochenende möglichst soweit gestaltet sein, dass er für Testpersonen begehbar ist. „Am Montag haben wir erst einmal die Wände angestrichen“, erzählt Celine. „Heute bauen wir.“ Mit ihrer Geschichte, die sich in diesem Raum abspielen wird, wollen es die 18 Jugendlichen, die gerade mit der handfesten Umsetzung der Escape-Raum-Pläne beschäftigt sind, den Besuchern nicht leicht machen.

„Es wird eine Reise in die Vergangenheit“, mehr will Arne Vogt zur eigentlichen Geschichte noch nicht verraten. Nur so viel noch: Dieses Mal hat die Geschichte nichts mit Bergkamen zu tun.

Spieler in einem Escape-Room müssen unterschiedliche Aufgaben lösen: Gefragt sind Teamwork, Logik und Aufmerksamkeit. Zwei kleine und ein größerer Raum bilden im Rünther Jugendtreff den ersten Escape-Room. Ansprechen soll dieser Freizeitspaß Kinder ab zwölf Jahren.

Keine Drachen

Die Raumflucht in Bergkamen beginnt

Die Geschichte im neuen Escape-Room in Rünthe spielt in der Vergangenheit. Der Rest ist noch tabu. Milk © Stefan Milk

Im Oberadener Jugendheim entsteht in der zweiten Ferienhälfte ein weiterer Raum, der ist jedoch für die Altersklasse ab 16 Jahre gedacht. Sind die Räume erst fertig, werden sie auch von den Jugendlichen selbst betreut. „Es muss ja draußen immer jemand da sein, der die Spieler beobachtet und im Zweifelsfall weiterhilft, wenn sie nicht weiterkommen“, erklärt Streetworkerin Imke Vogt. Dann gibt es eben Tipps von draußen. Und das Streetworkteam möchte, dass die Jugendlichen das Projekt selbst tragen. Sie hätten anfangs auch nicht gewusst, was da auf sie zukomme, sagt Imke Vogt.

Gemeinsam mit den Projektteilnehmer haben sie erst andere Escape-Rooms besucht und dann Ideen gesammelt. Abgesehen davon, dass der Vorschlag, in einem Raum einen Drachen auftauchen zu lassen, schlicht nicht realisierbar war, seien es rundum coole Ideen gewesen. Die werden nun unter anderem mit Hilfe von Audiodateien, Videos, Handy-Apps und anfangs reiner Muskelkraft umgesetzt.

Hilfestellung erhalten die Bergkamener unter anderem vom Team des „Locked“ in Bochum: Die Mitarbeiter kommen zu Workshops und Begleitung des Escape-Room-Projektes regelmäßig nach Bergkamen.

Die Form, eine spannende Geschichte zu erleben oder ein Rätsel in einer meist zweidimensionalen Welt zu lösen, boomt. Darüber hinaus ist das Ganze ein Spiel, das das interaktive Teamerlebnis fördert, ohne Kooperation und Teamgeist funktioniert es nicht. Ein Escape-Room, ein Fluchtraum ist angelehnt an jene Computerspiele, in denen ein Spieler einen Charakter durch unterschiedliche Erlebniswelten führen muss, um aus einem Raum zu entkommen. Und auch in Bergkamen ist dies schon bald möglich.

Der dritte Escaperaum, der erst im Herbst im Oberadener Jugendheim Yellowstone gebaut werden soll, ist der Einzige, bei dem das Streetworkteam das Thema schon vorgegeben hat. „In diesem Raum wird sich alles um die Flucht drehen“, kündigt Arne Vogt an. 60 Minuten lang könnte das Spiel, an dem bis zu sechs Spieler teilnehmen können, dann dauern. Und die Flucht soll währenddessen spürbar und erlebbar sein. Das Konzept steht. Audiodateien und Tagebücher über die Flucht werden im Mittelpunkt des dritten Bergkamener Escape-Room stehen. Dazu werden die Jugendlichen Interviews mit Flüchtlingen führen. Gefördert wird das „Raumflucht“-Projekt vom Familienministerium mit Mitteln aus dem Fördertopf der Innovationsprojekte des Landes. Das hatte vor einiger Zeit bereits signalisiert, dass das Bergkamener Projekt zum Pilotprojekt werden könnte. Eines konnte Imke Vogt schon jetzt versichern: Sind die Räume erst einmal fertig, bleiben sie. „Vielleicht nicht auf immer und ewig, aber erst mal.“
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