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Natürlich greifen die Fünftklässlerin Maxime Joubert und ihre Mitschüler von der Gesamtschule auch zu Stiften und Heften. Aber sie benutzen auch deutlich modernere Unterrichtsmittel.

Bergkamen

, 15.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Maxime und ihre Klassenkameraden besuchen die „Forscher-Klasse“, die die Willy-Brandt-Gesamtschule zu Beginn dieses Schuljahres in ihrem fünften Jahrgang eingerichtet hat. Sie zeichnet sich nicht nur durch einen Schwerpunkt auf Naturwissenschaften aus, sondern auch dadurch, dass die Kinder regelmäßig zu Tablet-Computern greifen. Und die sind mehr als einfach nur ein digitales Schreibheft, versichert André Schuhmann. Der Lehrer für Chemie und Erdkunde ist Koordinator an der Gesamtschule für die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Und er betreut die Forscherklasse.

Die Forscher-Klasse der Gesamtschule lernt in jedem Fach mit ihren Tablets

Klassenfoto mit Tablets. Die Forscherklasse kommt auch nachmittags zusammen, um in der AG zu experimentieren. © Borys Sarad


Digitale Experimente

Schuhmann sieht seine Schüler nicht nur im Unterricht, sondern auch bei AG-Terminen am Nachmittag. Dort bleibt Zeit für Experimente. An diesem Tag messen die Gesamtschüler zum Beispiel die Temperaturen von Taschenwärmern, die mit der Chemikalie Natriumacetat-Trihydrat funktionieren. Die Schüler verwenden dafür digitale Thermometer. „Ohne die I-pads könnten wir das in dieser Form nicht machen“, sagt Schuhmacher. Auf den Tablets ist eine App installiert, mit deren Hilfe die Schüler die Mess-Ergebnisse auswerten und vergleichen.

Die Forscher-Klasse der Gesamtschule lernt in jedem Fach mit ihren Tablets

Das Thermometer ist digital, die Auswertung auch. © Borys Sarad


Schule kauft Tablets

Die Schule hat die tragbaren Computer angeschafft. Bei früheren Tablet-Klassen gab es das Modell, dass die Eltern die Tablets für ihre Kinder leasten. Das hatte den Vorteil, dass die Schüler die Geräte mit nach Hause nehmen konnten. „Aber die Leasing-Raten wurden auf Dauer zu hoch“, sagt der stellvertretende Schulleiter Dirk Rentmeister. Bei der sozial nicht immer gut gestellten Klientel der Gesamtschule ist das durchaus ein Argument.

Deshalb hat die Schule mehrere Klassensätze Tablets gekauft, die vor dem Unterricht ausgegeben werden. Die meisten Gesamtschüler besitzen zwar ein Smartphone. „Aber das wird allenfalls in der Oberstufe im Unterricht eingesetzt“, sagt Rentmeister. Ansonsten sei die Ablenkungsgefahr der multifunktionalen Telefone zu groß.


Vokabeln lernen mit der App

Den technischen Umgang mit den Tablets muss Schuhmacher seinen Schülern dann auch nicht erklären. Aber für viele der Kinder ist es eine neue Erfahrung, dass mit man mit den Mini-Computern nicht nur spielen, sondern auch lernen kann. Und zwar in allen Fächern. „Für Englisch gibt es zum Beispiel eine Vokabel-App“, sagt Schuhmacher. In Mathematik kommt ein Grafik-Programm zum Einsatz. „Und im Sportunterricht lassen sich Bewegungsanalysen erstellen.“

Die Forscher-Klasse der Gesamtschule lernt in jedem Fach mit ihren Tablets

So sieht ein moderner Schultisch aus. © Borys Sarad


Auch die Lehrer müssen lernen

Um die Möglichkeiten der Digitalisierung pädagogisch sinnvoll zu nutzen, sind natürlich nicht nur die Schüler gefragt: „Auch wir Lehrer müssen uns stetig weiterbilden“, sagt Schuhmacher. Er selbst gehört zu der jüngeren Generation, die bereits mit dem Internet aufgewachsen sind. Aber viele ältere Kollegen zeigten sich offen für die neuen Unterrichtsformen: „Einige haben sich sich extra ein Tablet angeschafft“, sagt er.

Schule plant mehr Digitalisierung

Wenn es nach den Plänen von Vize-Schulchef Rentmeiser geht, ist das erst der Anfang. Auf Dauer ist daran gedacht, dass sich Schüler und Lehrer Unterrichts-Material von einem zentralen Server herunterladen können. Aber dafür muss die Schule erst einmal an das geplante Glasfasernetz angeschlossen werden. „Aber daran arbeitet die Stadt ja“, sagt Rentmeister. Derweil ist er froh, dass seine Schule überhaupt über eine so gute ditigale Ausstattung verfügt. Dazu tragen auch Sponsoren bei, zum Beispiel ortsansässige Chemie-Unternehmen.

Die Forscher-Klasse der Gesamtschule lernt in jedem Fach mit ihren Tablets

Der stellvertretende Schulleiter Dirk Rentmeister zeichnet Maxime Joubert aus, die beim Wettbewerb „Junior Science Olympiade“ besonders gut abgeschnitten hat. © Borys Sarad


Erfolge bei Wettbewerben

Die Digitalisierungsbemühungen der Gesamtschule zeitigen durchaus ihre Erfolge. So schnitt die Schule beim jüngsten Biber-Informatik-Wettbewerb besonders gut ab. Und auch die Forscherklasse kann erste Ergebnisse vorweisen: Maxime Joubert war beim naturwissenschaftlichen Jugendwettbewerb so erfolgreich, dass Rentmeister sie bei dem AG-Treffen mit einer Urkunde auszeichnet.

Darüber freut sich natürlich auch der Mint-Koordinator André Schumacher. Doch bei aller Begeisterung über die pädagogischen Möglichkeiten der Digitalisierung vergisst er nicht, seinen Schülern beizubringen, dass es notfalls auch ohne Tablet gehen muss: „Als erstes haben sie gelernt, Diagramme per Hand zu zeichnen.“

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