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Bergkamener Jugendamt hilft den Kindern – und den Müttern

Jugendamt

Das Bergkamener Jugendamt ist dem Kindeswohl verpflichtet. Wenn es hart auf hart kommt, kann es das Kind der Mutter entziehen. Das ist aber nur die letzte Möglichkeit – es gibt zuweilen noch eine Alternative.

Bergkamen

, 26.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Bergkamener Jugendamt hilft den Kindern – und den Müttern

Nicht jede Mutter ist in der Lage, sich um ihr Kind zu kümmern. In solchen Fällen kann das Jugendamt sie in Mutter-Kinder-Einrichtungen unterbringen. dpa © dpa

Es gibt junge Mütter, die so viele eigene Probleme haben, dass sie kaum in der Lage sind, sich um ihr Kind zu kümmern. In solchen Fällen greift das Jugendamt ein. Allerdings bedeutet das keineswegs, dass die Behörde in jedem Fall vor das Familiengericht zieht, um der Mutter das Sorgerecht entziehen zu lassen. „Das ist nur die letzte Möglichkeit“, sagt Udo Beckmann. Er leitet den Allgemeine Sozialen Dienst des Jugendamtes, der sich um solche Fälle kümmert.

So gibt es auch die Möglichkeit der ambulanten Betreuung. Die Mutter bleibt in der gewohnten Umgebung, und bekommt regelmäßig Besuch von einem Freien Träger, der mit dem Jugendamt zusammenarbeitet – zum Teil jeden Tag. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen diese Betreuung nicht in Frage kommt. Doch auch dann besteht noch die Möglichkeit, Mutter und Kind zusammenzulassen: Das Jugendamt bringt sie in einer speziellen Einrichtung für Frauen und ihre Kinder unter sechs Jahren unter – auch dabei arbeitet sie mit Freien Trägern zusammen, die ihre Mutter-Kind-Häuser außerhalb von Bergkamen betreiben.

In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses wurde über Sinn und Qualität dieser Maßnahmen diskutiert – weshalb das Jugendamt in der nächsten Sitzung des Gremiums einen Bericht zu dem Thema hält. Und auf den ersten Blick ist die Kritik aus dem Ausschuss berechtigt: Seit 2011 brachte das Jugendamt 28 Mütter, einen Vater und insgesamt 38 Kinder in einer entsprechenden Einrichtung unter. „Von 29 Unterbringungen konnten sieben einvernehmlich beendet werden“, heißt es in dem Bericht. Das entspricht 24 Prozent – scheinbar eine eher schlechte Quote. „Aber man muss die Ausgangslage beachten und die Zahlen interpretieren“, betont Ludger Kortendiek, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes. Denn die betroffenen Frauen kämen meist aus einem höchst problematischen Umfeld und hätten oft ein ganzes Bündel an Problemen.

Und der Schluss, dass 76 Prozent der betroffenen Kinder ins Heim mussten, sei auch nicht zulässig. Einige hätten auch bei ihren Vätern oder Großeltern untergebracht werden können. Allerdings habe es auch Fälle gegeben, die zunächst erfolgreich verliefen. Als Mutter und Kind dann in einer eigenen Wohnung lebten, zeigte sich allerdings, dass die alten Probleme erneute auftraten.

Kortendiek und Beckmann sind dann auch der Auffassung, dass das Jugendamt auf die Betreuung in Mutter-und-Kind-Einrichtungen nicht verzichten kann – gerade bei den höchst problematischen Fällen: „Oft ist das alternativlos“, meint Beckmann. Zumindest dann, wenn man eine Trennung von Mutter und Kind wirklich als letzte Möglichkeit betrachtet.

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