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An der Willy-Brandt-Gesamtschule hängt vieles mit vielem zusammen. Zum Beispiel die neue Kletterwand mit einem geplanten Gewächshaus – und das mit der Auswahl als „Talentschule“.

Bergkamen

, 05.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Kletterwand hängt in der neuen Mehrzweckhalle, in die sich das ehemalige Lehrschwimmbecken der Gesamtschule nach einer langen Umbauphase verwandelt hat. Während am Dienstagnachmittag die Gäste zur Eröffnungsfeier eintreffen, klettert Siebtklässler Justin Freitag in fast sechs Meter Höhe. Lehrer Markus Degenhardt sichert ihn mit einer Leine. Degenhardt hat den „Kletter-Schein“, er darf Schüler an der Wand beaufsichtigen. Bald ist er nicht mehr der einzige Lehrer der Schule, der diese Qualifikation besitzt: „Wir machen eine Fortbildung mit zwölf Kollegen in einer Dortmunder Kletterhalle“, sagt Degenhardt.

An der neuen „Talentschule“ lernen die Willy-Brandt-Gesamtschüler für das Leben

Mit einer Tanzvorführung haben die Gesamtschüler die neue Mehrzweckhalle in Besitz genommen. © Marcel Drawe

Sport bei der Ganztagsbetreuung

Dann kann die Kletterwand, die wie die Tischtennis-Platten in der neuen Halle vor allem für die Ganztagsbetreuung gedacht ist, auch im Sportunterricht zum Einsatz kommen. Denn beim Klettern geht es nicht allein um den Spaß der Schüler, sagt der stellvertretende Schulleiter Dirk Rentmeister: „Da arbeitet man im Team. Deshalb gehört es zum Sozialen Lernen.“

Das ist eine der vier Säulen, auf denen das Konzept der Gesamtschule aufbaut. Dabei geht es nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern auch darum, die Schüler auf das Leben vorzubereiten und insbesondere jungen Menschen aus einem bildungsfernen Umfeld zum bestmöglichen Schulabschluss zu führen. Die anderen Säulen sind die Sprachförderung, die Berufsorientierung und die berühmten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Mit diesen vier Säulen hat sich die Gesamtschule für einen Schulversuch beim Land NRW beworben und hatte Erfolg: Ende vergangener Woche erhielt Rentmeister die Nachricht, dass seine Schule eine von 35 „Talentschulen“ in NRW wird.

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Die neue Mehrzweckhalle der Gesamtschule Bergkamen

05.02.2019
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Die Willy-Brandt-Gesamtschule hat im ehemaligen Lehrschwimmbad eine neue Mehrzweckhalle eröffnet© Marcel Drawe
Ein wichtiges Element ist die Kletterwand© Marcel Drawe
Bei der Eröffnungsfeier führten Schüler ein Tanz-Programm auf © Marcel Drawe
© Marcel Drawe
Der stellvertretende Schulleiter Dirk Rentmeister begrüßte die Gäste © Marcel Drawe
Eröffnung Mehrzweckhalle Gesamtschule© Marcel Drawe
Eröffnung Mehrzweckhalle Gesamtschule© Marcel Drawe
Die Halle von außen. © Marcel Drawe
Die Inklusionsräume sind noch leer, die Möbel sollen bis zu den Osterferien geliefert werden. © Marcel Drawe
Die Sparkasse überreichte eine Spende, © Marcel Drawe

Mehr Geld und mehr Stellen

Und das bedeutet mehr als Symbolik, „Im nächsten Schuljahr bekommen wir drei zusätzliche Stellen“, sagt Rentmeister. So darf er einen weiteren Schulsozialarbeiter einstellen. Mehr Geld gibt es auch. Und erweiterte Fortbildungsmöglichkeiten für die Lehrer. Das sei wichtig, sagt Rentmeister: „Wir dürfen nicht nur im eigenen Saft schmoren, sondern müssen auch über den eigenen Tellerrand schauen.“ Dass die Gesamtschule das bereits jetzt tut, ist einer der Gründe, warum die „Talentschule“ wird. So arbeitet sie zum Beispiel in einem Netzwerk mit der TU Dortmund und der Universität Duisburg Essen, dem Schulen ganz unterschiedlicher Schulformen angehören.

An der neuen „Talentschule“ lernen die Willy-Brandt-Gesamtschüler für das Leben

So sah die alte Lehrschwimmhalle vor dem Umbau aus. © Marcel Drawe

Informatiker im Schulgarten

Und auch bei den vier Säulen setzt die Schule auf Vernetzung. Im MINT-Bereich etwa kooperiert sie unter anderem mit dem Bergkamener Bayer-Werk. Mit dessen Hilfe soll demnächst ein Gewächshaus für den Schulgarten entstehen. Für die Pflanzen interessieren sich die Biologen. Auch die Techniker sind mit im Boot. Die Schüler beteiligen sich schon seit einigen Jahren an einem Solarenergie-Projekt und sollen sich um die Stromversorgung des Treibhauses kümmern. Und im Informatik-Unterricht geht es um Computer-Sensoren, die die Bewässerung und die Verschattung steuern.

Eine Million Euro

  • Die Stadt Bergkamen hat nach eigenen Angaben rund eine Million Euro in den Umbau der Halle investiert.
  • Ein Großteil des Geldes stammt aus den diversen Konjunkturpaketen des Bundes.
  • Einen kleineren Teil hat die Stadt als Eigenanteil selbst finanziert.

Neue Räume für die Inklusion

Dank der zusätzlichen Ressourcen, die an die neue „Talentschule“ am Friedrichsberg fließen, ließen sich solche Projekte künftig noch besser auf die Beine stellen, meint Rentmeister. Und dank der neuen Mehrzweckhalle verbessern sich die räumlichen Möglichkeiten der Schule. Das umgebaute Schwimmbad bietet nicht nur Platz für Sport, sondern auch für neue Inklusionsräume. „Da fast 100 Förderschüler die Gesamtschule besuchen, brauchen wir die auch dringend“, sagt Rentmeister. Sie seien vor allem für Arbeit in kleinen Gruppen geeignet, die für die Inklusion sehr wichtig sei. Einer der Förderlehrer, der die neuen Inklusionsräume zu schätzen weiß, ist Markus Degenhardt – der mit dem „Kletter-Schein“. An der Willy-Brandt-Gesamtschule hängt eben vieles mit vielem zusammen.

Gute Noten von der Schulaufsicht

Auch Maria Büse-Dallmann von der Bezirksregierung Arnsberg freut sich, dass die Willy-Brandt-Gesamtschule den Zuschlag als „Talentschule“ erhalten hat. Und womöglich hat sie einen Beitrag dazu geleistet: „Ich habe ein Gutachten über die Schule geschrieben“, sagt sie. Das ging an die vom Landesschulministerium eingesetzte unabhängige Expertenjury. Büse-Dallmanns Expertise fiel vermutlich sehr positiv aus. Denn zugleich hatte die Schulaufsicht der Bezirksregierung die Gesamtschule einer Qualitätsanalyse unterzogen, deren Ergebnisse Büse-Dallmann bei der Feier in der Mehrzweckhalle vorstellte. „Ich bin nicht nur zufrieden, sondern begeistert“, fasst sie das Ergebnis zusammen. Die Aufseher haben sich die Gesamtschule unter 38 Aspekten angeschaut. 17 Mal vergaben sie die besten von insgesamt vier Noten, 18 Mal die zweitbeste. Drei Mal stand unter dem Strich ein Minus, die zweitschlechteste Note. „Da ging es vor allem um strukturelle Dinge“, sagt der stellvertretende Schulleiter Dirk Rentmeister. „Daran arbeiten wir noch.

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