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200.000 Bienen bevölkern nun eine alte Holzhütte an der Martin-Luther-Kirche

dzKinder- und Jugendprojekt

Gemeinsam mit dem Imker Werner Löbbe hat der Verein für Kinder- und Jugendhilfe eine Hütte zum Bienenhaus umfunktioniert. Kinder sollen hier mit allen Sinnen lernen – und Honig herstellen

Oberaden

, 15.05.2019 / Lesedauer: 4 min

„Glaubt mir, bei mir tut es auch noch weh“, sagt Werner Löbbe. Seine Hand ist in der Zeit als Imker zwar immun geworden – dort tun die Bienenstiche „nur“ noch weh. Sein Arm schwillt jedoch immer wieder an. Allein in der vergangenen Woche wurde er acht Mal gestochen – auch ein Imker sollte also behutsam sein. Bevor es ins Bienenhaus geht, erklärt er den Kindern vom Verein für Kinder- und Jugendhilfe ausführlich, dass sie vorsichtig sein sollen, wenn sie sich den Bienen nähern. Sie sollen sich nur langsam bewegen und auf keinen Fall auf die Bienen drücken. „Dann drehen sie sich um und stechen.“ Löbbe wird künftig regelmäßig mit einem oder einer von ihnen in der Holzhütte nach den Bienen sehen. Darin befinden sich Honig- und Brutraum und neben den Waben auch viel Bienenwachs.

Kinder im Bienenhaus: „Es war überhaupt nicht schlimm“

Mit etwas Bienenwachs in der Hand verlässt Jassmin stolz die kleine Hütte – dank besonderer Jacke und Schutznetz unversehrt. Sie war die erste, die sich in das neue Bienenhaus, in dem rund 200.000 Bienen ein- und ausfliegen, gewagt hat. „Es war überhaupt nicht schlimm. Ich habe es mir anders vorgestellt“, sagt sie. Am ersten Tag des Projekts darf jedes Kind einmal ins Bienenhaus. In den kommenden Wochen werden sie aber nicht nur mit den Tierchen, sondern auch mit der Herstellung von Honig zu tun haben. der Imker Werner Löbbe erklärt ihnen, dass erst der Deckel von der Wabe genommen werden muss, dann wird der Nektar geschleudert. Im nächsten Schritt muss der unfertige Honig abgeschäumt – also gesäubert – werden und dann cremig gerührt.

Verein für Kinder- und Jugendhilfe stellt eigenen Waldhonig her

Herauskommen sollte ein „besonderer Waldhonig“, sagt Jochen Wegmann, Vorsitzender des Vereins für Kinder- und Jugendhilfe. Er hatte die Idee für das Bienenhaus, „obwohl ich eigentlich gar keinen Honig mag“, verrät er. Den Honig aus dem eigenen Bienenhaus will er trotzdem probieren, denn er ist überzeugt, dass er gut schmecken wird. Immerhin haben die Bienen an dieser Stelle hinter der Lernwerkstatt einen ganzen Wald für sich und zusätzlich gibt es auf dem Gelände eine neu angepflanzte „Bienenweide“, die die Kirchengemeinde angelegt hat.

Ihren „Luther-Honig“ will der Verein auf dem Gemeindefest im September verkaufen – aber natürlich sollen auch die Kinder etwas von ihrem eigenen Honig mit nach Hause nehmen dürfen.

200.000 Bienen bevölkern nun eine alte Holzhütte an der Martin-Luther-Kirche

Anfangs war Jassmin nervös, aber sie merkt schnell, dass sie in ihrem Schutzanzug sicher vor den Bienen und ihren Stacheln ist. © Marcel Drawe

Spende von Eugen Drevermann ermöglicht Bienenprojekt der Martin-Luther-Kirchengemeinde

Der Verein für Kinder- und Jugendhilfe konnte das Projekt dank einer Spende des Künstlers Eugen Drevermann umsetzen. Der hatte im vergangenen Jahr in der sohle 1 eine Lesung gehalten und dem Verein die Spendeneinnahmen überlassen. Nachdem der Plan, aus der alten Hütte neben dem Wald ein Bienenhaus zu machen, lange brach lag, witterte Wehmann seine Chance, ihn nun umzusetzen. Und wie der Zufall es wollte, stand bei einem Erntedank-Gottesdienst Werner Löbbe vor ihm – in voller Imker-Montur. „Da hat er mich eingefangen“, sagt Löbbe, der seine Völker zu Hause gehalten hatte und eigentlich nur darauf gewartet hatte, sich zu vergrößern.

Win-Win-Situation: Imker kann sich vergrößern und den Kindern alles über Bienen beibringen

Der Oberadener Imker hat Spaß daran, mit den Kindern zusammenzuarbeiten und ihnen alles über Bienen zu erklären. Die Frage, „wie der Honig auf den Frühstückstisch kommt“, sollen die Kinder mit allen Sinnen selbst beantworten können, sagt Gabriele Wehmann, Leiterin der Lernwerkstatt. Zusätzlich werde sie in der Theorie mit den Kindern über das Thema sprechen. Dass das Projekt nicht am Interesse der Kinder scheitern wird, ist von der ersten Minute an klar. Genüsslich probieren sie etwas von dem Nektar, der noch in der Wabe steckt, die Löbbe dabei hat und löchern ihn mit Fragen wie „Wieso leben Bienen nur 35 Tage? “ oder „Warum ist das so lecker?“

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