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BVB-Trainer Favre redet wenig und noch seltener Klartext. Doch die vielen Gegentore der Rückrunde bringen ihn in Wallung. Denn Punktverluste darf sich die Borussia im Titelkampf nicht mehr erlauben.

Dortmund

, 29.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Es kommt ihm nicht über die Lippen, das M-Wort. Keine Chance. „Manchmal können wir nicht über Ziele sprechen“, sagt Lucien Favre abwehrend. Der BVB-Trainer redet, anders als sein Sportdirektor Michael Zorc, nicht über das Titelrennen in der Bundesliga. Es kümmert ihn nur indirekt. Der Schweizer hat sich auch in der Bundesliga-Pause („Es gab drei Tage kein Fußballspiel!“) wie gewohnt fast pausenlos damit befasst, wie er seine eigene Mannschaft zur Bestform trimmen kann. Ein Ansatz: die Serie von Gegentoren stoppen. Für das große Ziel, die Deutsche Meisterschaft, wird das auch nötig sein.

Die Fakten:
- 17 Gegentore in den vergangenen neun Spielen.

- 19 Gegentore in zwölf Rückrundenspielen (Hinrunde: 23 in 25 Partien).

- Erst zwei Zu-Null-Spiele seit dem Winter (Hinrunde: zehn).


Auf diese Bilanzen angesprochen, wurde Favre am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel für seine Verhältnisse lebhaft und deutlich: „Das ist nicht akzeptabel.“

Gegen Stuttgart und Berlin ging‘s glimpflich aus

Dann begann der 61-jährige Perfektionist seine Aufzählung. Die Spieler hätten „große Fehler“ gemacht, „unnötige Tore“ verursacht, sie hätten sich Ballverluste erlaubt, „wo es zu gefährlich ist“, und „auch taktische Fehler“ begangen. Zusammengefasst: „Wir haben zu viele Gegentore bekommen.“ Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Favre das auch seinen Schützlingen mit wenigen Worten unmissverständlich klar gemacht hat.

„Es kostet viel, wenn man immer drei Tore schießen muss.“
Lucien Favre

Was im Februar zu einer Serie verlorener Punkte führte, ging bei den Partien gegen Stuttgart und in Berlin glimpflich aus. Der Moral und dem Offensivpotenzial sei Dank. Recht sind dem Cheftrainer die Hauruck-Endphasen in den Partien nicht. Einen Ausgleich oder einen Rückstand zu revidieren, das müsse seine Mannschaft teuer bezahlen. „Es kostet viel, wenn man immer drei Tore schießen muss.“ Den Motor Woche für Woche bis zum Anschlag und darüber hinaus hochzujagen, vergeudet Energie und verschleißt Substanz. Punktverluste kann und will sich die Borussia nicht mehr erlauben.

Favres Werkzeugkasten

In Favres Werkzeugkasten für mehr Dichtung in der Defensive liegen drei Hilfsmittel: „Nur mit Arbeit, Gesprächen und zur Not Auswechslungen können wir das schaffen.“ Wer also nicht zu 100 Prozent konzentriert bei der Sache ist, schlampig oder nachlässig spielt, der muss auf die Bank. Die Saisonphase, in der Favre mit Rücksicht auf das Alter der Spieler oder deren Entwicklung (zu) bereitwillig Chancen zur Wiedergutmachung gewährte, ist passe.

Wie der BVB die Gegentor-Flut im Titelkampf stoppen will

Die vielen Gegentore in der Rückrunde ärgern BVB-Trainer Lucien Favre. © imago

Schließlich bleibt nur noch ein Wettbewerb, nur noch ein erstrebenswerter Vorsatz. „Wir haben klar geäußert, wie unser Ziel aussieht“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Eigene Mängel, gerade wenn sie vermeidbar sind, sollen beim Streben nach dem großen M nicht zum Eigentor werden. Gelingt das, wird auch Favre dieses Wort über die Lippen kommen.

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