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BVB-Neuzugang Thomas Delaney spricht im Exklusiv-Interview über die Liebe für Zweikämpfe, seine Lautstärke auf dem Platz und Hund Chester.

Bad Ragaz

, 09.08.2018 / Lesedauer: 7 min

Die Füße schmerzen. Eine Woche Trainingslager gehen nicht spurlos an einem Fußballprofi vorbei. An einem, der sich selbst als „Arbeiter auf dem Platz“ bezeichnet, erst recht nicht. Thomas Delaney (26) fragt deswegen höflich, ob es okay sei, wenn er sich vor dem Interview die Schuhe ausziehe und das Gespräch in Socken weiterführe. Natürlich ist das okay - und der Däne lächelt erleichtert. Jetzt kann es losgehen. Ein Gespräch über Bodenständigkeit, Grundtugenden im Fußball und Derbytore.

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Wir haben Sie beobachtet!

Oje! (lacht)


Sie nehmen sich hier in Bad Ragaz sehr viel Zeit für die Fans.

Ja, weil das sehr wichtig ist. Und hier sind sehr viele Fans. (lacht) Vor allem die jungen Fans freuen sich, wenn sie ein Selfie machen können. Ich glaube, dass die Fans für einen Verein wie Borussia Dortmund ganz wichtig sind. Sie sind immer da. Es mag manchmal anstrengend sein nach zwei Stunden Training und bei 35 Grad, aber es ist wichtig, sich diese Zeit zu nehmen.


Das klingt sehr bodenständig.

Ja. Ich glaube schon, dass ich so bin. Das habe ich von meinen Eltern. Sie sind auch ganz locker.

Es gibt aus Ihrer Anfangszeit bei Werder Bremen die Geschichte, dass Sie Ihre Wäsche nach dem Training selbst mitnehmen wollten.

Aber nur die Präsentationskleidung. Die Trainingsklamotten habe ich schon da gelassen. Aber die Poloshirts und so haben wir in Kopenhagen selbst gewaschen. Das kannte ich so.


Würden Sie sagen, dass es im Profifußball durchaus helfen würde, wenn den Spielern im Alltag nicht alles abgenommen würde?

Manchmal sind wir Fußballprofis schon ein bisschen sehr verwöhnt, weil uns wirklich fast alles abgenommen wird. Ein bisschen mehr Normalität könnte helfen, bestimmt. Auf der anderen Seite reden wir aber auch über eine Zeit, in der im Sport und speziell im Fußball die allerletzten Prozent zählen und auschlaggebend sind. Da hilft es schon, wenn einem einige Dinge abgenommen werden. Damit meine ich natürlich nicht das Waschen. Das wäre kein Problem für mich. Ich meine Dinge, die einen sonst vielleicht zu sehr beschäftigen würden und den Fokus weg vom Fußball rücken würden: Verträge, Versicherungen, Kleinigkeiten des Alltags können die letzten Prozentpunkte kosten - und das kann sich niemand im Fußball erlauben.


Mats Hummels hat kürzlich gesagt, dass er mitunter irritiert sei, wie forsch junge Spieler mittlerweile in der Kabine auftreten. Wie gehen Sie damit um, wenn jüngere Spieler sehr selbstbewusst auftreten?

Ich finde, dass es wirklich schwierig ist für junge Spieler. Es ist ein schmaler Grat. Sie müssen schon selbstbewusst sein. Sie müssen, wenn man ehrlich ist, auch egoistisch sein. Aber sie müssen trotzdem Respekt vor den älteren Spielern haben. Und die älteren Spieler müssen Ihnen dafür helfen, den richtigen Weg zu finden. Mein Eindruck hier in Dortmund ist übrigens, dass wir das sehr gut hinbekommen. Wir haben einen guten Mix aus erfahrenen Spielern und vielen großen Talenten - und alle gehen gut miteinander um.


Wie waren Sie selbst als junger Spieler?

Ich war einfach nur langweilig. (lacht) Aber ich war auch nicht so ein großes Talent. Bei mir ist das mit der Karriere alles etwas langsamer gegangen. Und ich denke, dass das ganz gut war.


Inwiefern profitieren Sie davon?

Ich muss hart dafür arbeiten, erfolgreich zu sein. Und das tue ich auch auf dem Platz.

Thomas Delaney im Exklusiv-Interview über Zweikämpfe, Lautstärke und Hund Chester

Thomas Delaney (M.) im Gespräch mit unseren Reportern Dirk Krampe (l.) und Tobias Jöhren. © Inderlied/Kirchner

Ihr Landsmann Flemming Povlsen, der als Spieler in Dortmund sehr beliebt war, traut Ihnen zu, beim BVB ebenfalls ein Publikumsliebling zu werden. Hat er recht?

Das hoffe ich doch! (lacht) Ich laufe gerne, ich rede gerne, ich liebe Zweikämpfe. Es wäre schön, wenn ich damit bei den Fans gut ankomme. Aber erst einmal muss ich meine Leistung bringen.


Der BVB hat eine sehr schwierige Saison hinter sich. Die Fans haben durchaus mit der Mannschaft gefremdelt. Das Thema Identifikation steht in diesem Sommer weit oben auf der BVB-Agenda. Kommen Sie da genau zur richtigen Zeit nach Dortmund?

Ich wünsche es mir. Aber der Schritt nach Dortmund ist ein sehr großer für mich. Die Konkurrenz hier ist enorm groß. Es wird schwer für mich, in die Startelf zu kommen, weil hier sehr viele gute Fußballer spielen.


Das klingt schon wieder sehr bodenständig. Die BVB-Bosse waren immerhin bereit, viel Geld für Ihren Wechsel in die Hand zu nehmen. Wie haben Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc in den gemeinsamen Gesprächen Ihr Jobprofil skizziert?

Sie sehen etwas in mir. Ich soll meine Mentalität mit einbringen, in jedem Spiel immer voll da zu sein. Sie haben gesagt, dass dieser Verein mich gut gebrauchen kann. Auch, weil ich schon in der Champions League gespielt habe und die Bundesliga gut kenne.


Ein besonders gutes Bundesliga-Spiel haben Sie am 9. Dezember 2017 absolviert. Mit Werder Bremen habe Sie damals 2:1 in Dortmund gewonnen - danach hat BVB-Trainer Peter Bosz seinen Job verloren.

Ja. Ich weiß. Es war ein sehr gutes Spiel von uns. Es tut mir leid. (lacht)


Haben Sie damals schon daran gedacht, dass Sie im Sommer hier spielen würden?

Nein. Ich bin ein Typ, der nicht so viel in die Zukunft schaut. Aber ich habe mir damals schon gedacht, dass die Gelbe Wand unglaublich ist. Ich freue mich sehr, ab jetzt mit der Wand und nicht länger gegen die Wand zu spielen. Das wird fantastisch sein. Als ich das erste Mal in Dortmund gespielt habe, das war an einem letzten Spieltag, da haben wir 2:3 verloren. Für Dortmund ging es um die Champions League. Und die Stimmung war unglaublich. Wir haben unverdient verloren, aber das ist eine andere Geschichte. (lacht)


Stichwort Geschichten: Es gibt ein Video von Ihnen, wie Sie zur Double-Feier in Kopenhagen eingeflogen worden sind, obwohl Sie schon in Bremen gespielt haben. Sie landen mit dem Helikopter auf dem Mittelkreis und steigen dann mit dem Pokal aus. Da sehen Sie ein wenig verlegen aus, oder täuscht der Eindruck?

Ja. Das war eine schöne Idee von den Jungs in Kopenhagen. Ich war dort Kapitän vor meinem Wechsel nach Bremen. Und sie hatten die Idee, mich zur Feier einzufliegen. Ich hätte das nicht so prominent gebraucht, aber über die Einladung habe ich mich sehr gefreut.

Feiern Sie wie ein Däne oder wie ein Ire? Wir haben gelesen, dass Sie auch irische Wurzeln haben.

Ich feiere auf jeden Fall wie ein Däne. Ich bin auch zu 100 Prozent Däne. Mein Vater ist Amerikaner und hat irgendwo im 18. Jahrhundert irische Wurzeln. Aber wir Dänen können auch sehr gut feiern, keine Sorge. (lacht)


Der BVB hat fürs Mittelfeld noch einen prominenten Nebenmann verpflichtet. Wie bewerten Sie den Wechsel von Axel Witsel nach Dortmund?

Er ist ein sehr guter Spieler, auch wenn er in China vielleicht ein bisschen im Schatten der großen europäischen Ligen gestanden hat. Ich habe ihn bei der WM in Russland für Belgien spielen sehen. Es war top! Ich freue mich, dass er zu uns gekommen ist. Wie gesagt, wir haben sehr viele gute Spieler, gerade auch im Mittelfeld.


Was auffällt ist, dass Sie auf dem Platz sehr laut agieren.

(lacht) Ja. Ich bin ein besserer Spieler, wenn ich laut bin. So ist mein Spiel. Aber ich muss auf dem Platz natürlich beweisen, dass ich es auch sein darf. Ich möchte schon ein Anführer sein. Dafür muss ich aber auch meine Leistung bringen. Wenn ich schlecht Fußball spiele und trotzdem über den Platz schreie, dann schütteln die anderen ja nur den Kopf.


Was glauben Sie, auf welcher Position Sie das am besten beweisen können?

Auf der Zehn natürlich! (lacht). Nein, das war Spaß. Es ist eigentlich egal, ob ich auf der Sechs oder der Acht spiele. An der Acht mag ich, dass ich häufiger nach vorne gehen kann. Ich gehe gerne nach vorne.


Sie sind in der vergangenen Spielzeit der Spieler gewesen, der in der Bundesliga die drittmeisten Kilometer gelaufen ist, die zweitmeisten Zweikämpfe gewonnen hat und am häufigsten Foul gespielt hat.

Diese Werte beschreiben mein Spiel ganz gut. Auf die Foulspiele bin ich natürlich nicht so stolz. (lacht). Aber ich habe auch noch nie eine Gelb-Rote oder Rote Karte in der Bundesliga gesehen. Ich spiele nicht unfair. Seit neun Jahren bin ich nicht vom Platz geflogen. Ich liebe Zweikämpfe - und manchmal passieren dann auch Fouls. Das ist leider so. Und auch Fouls gehören zum Fußball dazu. Ich arbeite halt Fußball.

Thomas Delaney im Exklusiv-Interview über Zweikämpfe, Lautstärke und Hund Chester

„Ich liebe Zweikämpfe - und manchmal passieren dann auch Fouls“, sagt Delaney über seine Spielweise. © Inderlied/Kirchner

Sie haben sehr lange gewartet, bis Sie den Schritt ins Ausland gewagt haben. Weshalb haben Sie so lange in Dänemark gespielt?

Es war mein Traum, in Kopenhagen ein guter Fußballer zu werden, dort Kapitän zu werden. Viele Spieler gehen früh zu einem großen Verein. Und das ist auch gut. Aber für mich war es wichtig, erst einmal in Kopenhagen ein guter Spieler zu werden - und dann war ich irgendwann bereit für den Schritt in die Bundesliga.


Ein Traum von Ihnen ist auch die Premier League. Für Borussia Dortmund haben Sie zunächst mal darauf verzichtet. Warum?

Weil ich hier die Chance habe, Champions League zu spielen. Als ich aus Dänemark weggegangen bin, war ich mir nicht sicher, ob ich außerhalb von Dänemark die Chance bekommen würde, in der Champions League zu spielen. In Dortmund habe ich sie. Und deswegen war es einfach, hier beim BVB zuzusagen.


Haben Sie Ihren Hund Chester eigentlich schon in Dortmund?

Ja. Klar.


Hat er Ihnen schon etwas zugebellt, wie gut die Saison für den BVB wird?

(lacht) Nein, das hat er noch nicht gemacht. Aber ich frage ihn mal bei einer unserer morgendlichen Runden, wenn wir jetzt zurück in Dortmund sind.


Und was glauben Sie, wohin es für den BVB in der kommenden Spielzeit gehen kann?

Wir wollen wieder in die Champions League. Es muss besser werden als in der vergangenen Saison. Und am besten landen wir vor Schalke, das habe ich schon gelernt. Ich liebe Derbys. In Dänemark habe ich viele Derbytore geschossen. Wenn das in Dortmund auch klappt, wäre es ein Traum.

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