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Jadon Sancho ist das, was man einen Unterschiedspieler nennt. Nicht immer bringt er das mit seinen 18 Jahren schon auf den Rasen. In Berlin aber ist er die unberechenbare Konstante im BVB-Spiel.

Berlin

, 18.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Als Jadon Sancho wenige Tage vor dem Auswärtsspiel in Berlin im BVB-eigenen Fernsehstudio sitzt und über seine Anfänge spricht, über die Zeit in London, auf Straßenplätzen mit Betonboden, da blitzt es in seinen Augen immer wieder auf. Sancho redet darüber, wie ursprünglich dieser Fußball war, wie es nicht um Taktik gegangen sei, sondern nur um den nächsten Trick, darum, das nächste Eins-gegen-Eins zu gewinnen. „Der Straßenfußball“, sagt Jadon Sancho ins Mikrofon von Interviewer und Stadionsprecher Nobby Dickel, „wird immer ein Teil von mir bleiben. Dieser Teil von mir unterscheidet mich vom normalen Fußball.“

Den „normalen Fußball“, den musste er trotzdem erlernen, als er in den Dunstkreis des Profifußballs eintauchte. Zunächst beim FC Watford, dann in der Jugend-Akademie von Manchester City, dann bei Borussia Dortmund, wo er den Sprung zum Stammspieler in einer der besten Ligen Europas schaffte. Sancho steckt noch mitten in diesem Lernprozess. Es gibt Spiele, in denen seine Schwächen offenkundig sind, vor allem, wenn es darum geht, auf der Seite auch defensiv mitzuarbeiten und gegen robuste Gegenspieler auch Defensiv-Zweikämpfe gewinnen zu können.

Der Straßenfußballer blitzt immer wieder auf

Lucien Favre, Sanchos Trainer, verzichtet trotz kleinerer oder größerer Schwankungen dennoch höchst ungern auf Jadon Sancho. Weil eben immer wieder der Straßenfußballer in ihm aufblitzt. Und er die Gegner damit vor unlösbare Probleme stellt.

Das war am Samstag auch in Berlin so. Favre hatte ein kniffliges Puzzle zu lösen, nachdem ihm kurzfristig neben Axel Witsel auch noch die Offensiv-Spieler Mario Götze und Paco Alcacer wegen Verletzungen wegbrachen. Sancho hätte auch gespielt, wenn diese beiden gesund gewesen wären. So aber stellte ihn Favre zunächst auf die linke Seite, wo Jadon Sancho viel hinterherlaufen musste, wenn Gegenspieler Valentin Lazaro seinen Vorwärtsdrang auslebte.

Raue Sitten in Kennington

Doch es war schnell klar, dass es ein Sancho-Spiel werden könnte. Die Tricks mit dem Ball hat er sich auf den Straßen Kenningtons draufgeschafft, einem Stadtteil im Londoner Süden, wo die Sitten rau und das Leben hart ist. Dort hat Sancho gelernt, auch mal einzustecken, was immer öfter passierte, je mehr er seine Tricks perfektionierte.

Auch in der Bundesliga steckt Sancho einiges ein, und auch in Berlin war das nicht anders. Es ist Teil seines Spiels, diese Dribblings zu machen, ungeachtet der Vorahnung, dass es auch mal knallen könnte. Und es unterscheidet ihn von so manchem Gleichaltrigen, davon unbeeindruckt zu bleiben. Egal, wie weh es tut.

Bereits 17 Treffer vorbereitet

Es war kein Zufall, dass in der hochdramatischen Schlussphase, als Borussia Dortmund in Überzahl spielte und mit Macht auf den Siegtreffer drängte, der Ball vor dem Tor von Marco Reus bei Jadon Sancho landete. Ein letztes Dribbling, das Auge für Reus, der wenige Meter frei neben ihm dann die Vorarbeit des Engländers nicht weniger gekonnt veredelte - was schön und einfach aussah, war auch das Produkt jahrelangen Übens.

Mit den beiden Assists gegen Berlin schraubte Jadon Sancho seine Zahl der Torvorbereitungen in der Bundesliga auf 17 - damit hat er bereits jetzt den Rekordwert des besten Vorbereiters der vergangenen Saison (Thomas Müller/Bayern) eingestellt. Es ist keine allzu gewagte Prognose, dass Sancho diese Marke bald knacken wird.

Auf einer Stufe mit Salah und Sane

Auch international befindet sich Sancho mit seinen statistischen Werten (35 Pflichtspiele, neun Tore, 19 Assists, 17 davon in der Liga) in einem illustren Kreis der besten Fußballer Europas. Lionel Messi bleibt mit der gleichen Anzahl an Spielen und 36 (!) Treffern sowie 20 Assists eine unerreichbare Größe, mit seinen 28 Scorer-Punkten aber spielt Sancho auf einer Stufe mit etablierten Stars wie Liverpoole Mohamed Salah (20 Tore, neun Assists) oder Manchester Citys Leroy Sane (16/17). Sanchos Vorgänger beim BVB, Ousmane Dembele, kommt beim FC Barcelona auch „nur“ auf 13 Treffer und acht Vorbereitungen.

Straßenfußballer Jadon Sancho macht beim BVB immer häufiger den Unterschied aus

Im direkten Duell nur schwer zu stoppen: Jadon Sancho (M.). © imago

Sanchos Entwicklung ist Dortmund ist rasant - und ein Ende kaum absehbar. Die Grafik seiner Marktwert-Entwicklung ähnelt dem Streckenprofil einer Tour-de-France-Etappe nach Alpe d’Huez. Zu Saisonbeginn im August 2018 wurde der noch 18-Jährige (feiert am 25. März seinen 19. Geburtstag) noch mit 20 Millionen Euro taxiert, im Oktober hatte er diesen Wert schon verdoppelt. An Weihnachten taxierte ihn das Fußball-Portal „transfermarkt.de“ schon mit 70, aktuell wird er dort mit 80 Millionen Euro gelistet.

Die Männer mit den großen Geld-Koffern

Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass Sancho der nächste BVB-Transfer wird, der mehr als 100 Millionen Euro in die Dortmunder Kassen spülen wird, wenn es ihn dann weiterzieht. Eine Saison mindestens soll er hier noch spielen. Trumpft er aber weiter so auf, werden die Männer mit den ganz großen Geld-Koffern wohl schon im Sommer am Rheinlanddamm der BVB-Vereinsführung ihre Aufwartung machen.

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