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Dass der BVB als Spitzenreiter ins Duell mit dem FC Bayern geht, hat viel mit Roman Bürki zu tun. Der Torhüter des BVB spielt eine herausragende Saison und ist zur Führungskraft gereift.

Dortmund

, 05.04.2019 / Lesedauer: 6 min

Den Wandel des Schweizers zur unumstrittenen Nummer eins haben auch die Fans der Borussia längst registriert. Im großen Interview spricht Roman Bürki über Kritik, gute Nerven und das Titel-Ziel.


Roman Bürki, wie lebt es sich jetzt so als Lautsprecher
(überlegt) Was meinen Sie damit?


Früher wirkten Sie oft zurückhaltend, manchmal sogar schüchtern. Heute stellen Sie sich nach Siegen wie Niederlagen, auch nach Fehlern und sagen deutlich ihre Meinung.

Das gehört für mich dazu. Ich bin jetzt schon eine Weile hier, wir haben eine Mannschaft, in der viele junge Spieler spielen. Ich versuche einfach, Verantwortung zu übernehmen, sei es nach den Spielen in den Interviews, aber auch im Training, wo ich versuche, meine Mitspieler zu pushen, wenn ich merke, dass die Spannung ein bisschen fehlt. Ich sehe mich aber nicht unbedingt als Lautsprecher. Wir haben einen guten Mannschaftsrat, der die Dinge anspricht, wenn es nötig ist.


In der Öffentlichkeit die Dinge klar anzusprechen und auch mal zu kritisieren, ist dennoch bemerkenswert…

Als Torhüter bin ich ja auch derjenige, der die Bälle aus dem Tor holen muss, wenn etwas nicht funktioniert hat. Und das ärgert mich. Aber ich habe nie einzelne Spieler kritisiert, sondern immer uns als Mannschaft. Und unsere Jungs wissen, wie damit umzugehen ist.

Roman Bürki über Kritik, gute Nerven und das Titel-Ziel des BVB

Anfeuern und motivieren - aber mal auch den Finger in die Wunde legen. Roman Bürki kommuniziert offen seine Meinung. © imago

Merken Sie, dass Ihre Worte bei den Mitspielern ankommen?

Wir gehen als Mannschaft insgesamt sehr selbstkritisch mit unseren Leistungen um. Unter anderem so haben wir die Phase unseres Durchhängers auch überwunden.


Ex-BVB-Profi Michael Schulz sagt, wer sich nur lieb habe, der würde keine Titel gewinnen. Muss es in so einer Gruppe auch mal knallen?

Also geknallt hat es bei uns nicht. Wir haben das politisch korrekt gelöst (lacht).


Sie selbst mussten in der vergangenen Saison auch viel Kritik einstecken. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich hinterfrage mich natürlich auch. Und die Kritik kam teilweise auch nicht zu Unrecht. Wir alle, auch ich, haben nicht gut gespielt. Damit konnte ich sehr gut umgehen.


Diese Saison läuft viel besser für Sie. Glauben Sie, dass sich in der Wahrnehmung der Fans Ihnen gegenüber etwas verändert hat?

Ja, das Gefühl habe ich schon. Nach der vergangenen Saison, die von mir nicht gut war, hatte ich keine großen Erwartungen. Aber jetzt rufen die Fans schon beim Aufwärmen meinen Namen – das tut auf jeden Fall gut und zeigt mir auch, dass meine Leistungen wertgeschätzt werden.


Das Fanzine „Schwatzgelb.de“ hat geschrieben: „Bürki ist in den Herzen der Fans angekommen. Wer braucht schon einen Neuer, wenn man die Schweizergarde in seinem Tor hat.“

Das höre ich jetzt zum ersten Mal, danke! (Lacht) Ist auf jeden Fall schön zu hören. Ich versuche eigentlich immer, mit Leistung zurückzuzahlen. Im Moment gelingt mir und der gesamten Mannschaft das sehr gut. Wir gewinnen Spiele, wir kämpfen uns zurück, wenn wir hinten liegen. Und das sind doch auch für die Fans die schönsten Siege.

Roman Bürki über Kritik, gute Nerven und das Titel-Ziel des BVB

„Die Anforderungen an Torhüter haben sich massiv gewandelt“, sagt BVB-Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber. Das gilt dementsprechend auch für seine Arbeit. © Guido Kirchner

Haben Sie aus den Erkenntnissen der Vorjahre heraus etwas verändert, hat sich das Training verändert?

Das Training auf jeden Fall, allein durch Torwarttrainer Matthias Kleinsteiber, der sehr fortschrittliche Methoden hat. Es ist sehr anspruchsvoll, auch für den Kopf. Und die neuen Spieler haben die Qualität gesteigert, das macht es in der täglichen Arbeit und schlussendlich auch am Wochenende für mich einfacher.


War das erste Saisonspiel gegen Leipzig ein Schlüsselmoment vielleicht für Ihre ganze Saison? Sie haben unglaubliche Paraden gezeigt …

Ich hatte schon in der Vorbereitung ein sehr gutes Gefühl. Die Testspiele waren gut, das hat mir Selbstvertrauen gegeben. Aber Leipzig war schon sehr wichtig, ich konnte helfen, als es für die Mannschaft anfangs nicht so gut lief. Es war ein optimaler Start für uns.


Sind Ihre vergangenen zwölf Monate der Beleg dafür, wie wichtig Selbstvertrauen ist?

Auf jeden Fall. Das gilt ja für alle Spieler. Wenn man weiß, dass man auch mal einen Fehler machen darf, weil man vorher Leistung gezeigt hat, hilft das enorm.


Hatten Sie Zweifel nach der vergangenen Saison, dass es hier in Dortmund noch klappen könnte mit Ihnen?

Nein, Zweifel nicht. Ich hatte schon viele Zweikämpfe und schwierige Situationen in meiner Karriere, wo ich mich durchgesetzt habe. Ich habe dafür sehr viel investiert. Mir wurde dann sogar vorgeworfen, ich sei zu verbissen, würde zu viel wollen.

Video
11 Reflexe! Roman Bürki antwortet blitzschnell

Und, wollten Sie zu viel?

Vielleicht, ja. Ich habe immer sehr viel gemacht, auch neben dem Training zu Hause, habe gedacht, das wird dann belohnt. Vielleicht war es manchmal zu viel, vielleicht war ich zu ehrgeizig, vielleicht habe ich mich zu sehr reingesteigert. Manchmal war da für nichts anderes mehr Platz als Fußball. Mittlerweile habe ich da ein gutes Maß gefunden.


Kann man sagen, Sie mussten auch im Kopf mal richtig aufräumen?

Kann man so sagen. Ich habe ja auch wieder die Arbeit mit meinem Mentaltrainer aufgenommen. Das war schon wichtig. Er hat mir geholfen, in den wichtigen Momenten fokussiert zu sein, dann aber auch mal wieder loszulassen. Hirn und Kopf auch mal atmen zu lassen, hilft mir auf jeden Fall.


Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihrem Mentaltrainer konkret ab?

Ich habe ihn in der Sommerpause in der Schweiz getroffen, jetzt läuft der Kontakt zumeist telefonisch ab. Ich rufe ihn an, wenn ich das Gefühl habe, ich könnte das gut gebrauchen. Wir reden circa einmal im Monat, wenn es schlecht, aber auch, wenn es gut läuft. Das sind oft ganz einfache Dinge. Auch mal was anderes im Kopf zu haben, wenn der Ball weiter weg ist. Sich bewusst zu machen, wie schön es ist, in diesem Stadion auf dem Platz zu stehen und dadurch neue Energie aufzunehmen.

Roman Bürki über Kritik, gute Nerven und das Titel-Ziel des BVB

Ein heißer Kandidat für den besten Torwart der Saison: Mit der Gelben Wand im Rücken ist Roman Bürki in dieser Saison über sich hinausgewachsen. © imago

Sie hätten sich dazu am Samstag ja an der Taubenjagd im Stadion beteiligen können…

(lacht) Meine größte Sorge war, dass ich auf die Taube in meinem Torraum drauftrete und dann Ärger mit Tierschützern bekomme.


Wäre Ihr Mentaltrainer auch etwas für die große Gruppe, wenn es jetzt in den Titel-Endspurt geht?

Ich weiß nicht, ob es für jeden etwas ist. Ich denke aber, dass auch andere mit einem arbeiten.


Wie entscheidend werden gute Nerven im Endspurt sein?

Es wird auf die Lockerheit ankommen. Nicht zu intensiv darüber nachzudenken, welches Resultat welche Auswirkungen hat. Was ist, wenn wir in München verlieren, was ist, wenn wir gewinnen. Man hat am vergangenen Samstag gesehen, dass jede Mannschaft der Liga uns und den Bayern Punkte abnehmen kann. Das Spiel ist ein Highlight, aber vorentschieden wird auch dort noch nichts.


Also entscheidet sich der Titel eher in Freiburg oder in Bremen als am Samstag in München?

Sagen wir so: Es darf uns im Endspurt nicht mehr passieren, dass wir Probleme gegen Teams haben, wo Außenstehende sagen: Das sind drei Punkte für Dortmund.

Roman Bürki über Kritik, gute Nerven und das Titel-Ziel des BVB

Sascha Klaverkamp (l.) und Dirk Krampe im Gespräch mit Roman Bürki. © Inderlied

Sie hatten von hinten den perfekten Blick auf den Freistoß von Alcacer in den Schlussminuten gegen Wolfsburg. Haben Sie daran geglaubt, dass der reingeht?

Sein erster Freistoß wurde ja fast zu einem Einwurf (lacht). Ich habe gedacht, bitte auf diese Distanz jetzt nicht über die Mauer, bitte ins Torwarteck. Er hat’s perfekt gemacht und auch ein bisschen Glück gehabt.


Das Stadion ist danach förmlich explodiert. Was gibt diese dramatische Wende für die restlichen Spiele?

Das gibt uns schon nochmal einen Schub. Vor allem, dass wir jetzt wieder vorne liegen. Aber wir wissen, dass selbst dann noch nichts entschieden ist, wenn wir am Samstag gewinnen sollten.


Worauf wird es ankommen in München?

Wir dürfen den Bayern nicht zu viel Platz lassen. Ich habe das Hinspiel ja verletzt verpasst und am Fernseher gesehen. Da waren wir zu Beginn nicht aggressiv genug. Wir müssen bereit sein, viel zu laufen – und mutig sein. Wir werden vielleicht nicht viele Chancen bekommen, so wie im Hinspiel auch. Da waren wir vor dem Tor eiskalt.

Erwarten Sie die Bayern eher abwartend, weil die Dortmunder Stärke bei Kontern bekannt ist?

Sie werden zu Hause sofort dominant sein wollen, sie werden uns hinten reindrücken wollen. Aber nicht mit vollem Risiko so wie vielleicht gegen Mainz, wo es doch einige Kontersituationen gab.


Wenn Sie sich vorstellen, letzter Spieltag, und am Ende ist der BVB Zweiter. Wäre das eine Enttäuschung?

Wir haben jetzt eine gute Ausgangslage und ein klar formuliertes Ziel: Wir wollen aus einer bis jetzt sehr guten eine Super-Saison machen und Meister werden. Mit Gedanken an alles andere beschäftige ich mich daher jetzt nicht.


Haben Sie das letzte Spiel in München aus Ihrer Erinnerung gestrichen?

Wie ging das nochmal aus?



0:6. Zur Pause stand es 0:5 ...

Das habe ich vergessen. (lacht)

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