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Beim FC Schalke 04 ist die Sorge vor einer Blamage im Derby größer als die Hoffnung auf eine Sensation. Aber: Huub Stevens hat sein bislang letztes Duell mit dem BVB als S04-Trainer im Dezember 2012 gewonnen.

Gelsenkirchen

, 25.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Zwar geht Elisabeth Goerke nun schon auf die „90“ zu, die große Zuneigung zum FC Schalke 04 ist aber nach wie vor ungebrochen. Ob die „Blauen“ oben oder unten stehen, ob sie gerade einen Titel gewonnen haben oder mitten in einer tiefen Krise stecken - egal. Sobald Schalke spielt, schaltet der treue Fan aus Gelsenkirchen-Ückendorf das Radio oder den Fernseher an, um die Daumen für die Königsblauen zu drücken. Als Elisabeth Goerke die für sie eigentlich gute Nachricht mitbekam, dass das Revierderby am 27. April live in der ARD übertragen wird, stöhnte sie allerdings nur: „Um Gottes willen…“

Der Nachsatz, der folgte, zeugt zwar durchaus von Fußball-Verstand, macht allerdings auch nachdenklich: „Ja wollen die denn, dass sich die Schalker in ganz Deutschland blamieren?“ Wer nun den ja nicht unüblichen Schalker Kultur-Pessimismus in eigener Sache wittert, sollte sich kurz noch einmal die jüngeren Realitäten dieser Saison vor Augen führen.

Sich der Lächerlichkeit preisgegeben

0:3 in Mainz, 0:4 gegen Düsseldorf, 0:7 in Manchester - Schalke ist in dieser Spielzeit durchaus dazu in der Lage, sich der Lächerlichkeit preiszugeben. Zwar hat sich unter Interimstrainer Huub Stevens die Lage, wenn auch auf überschaubarem Niveau, ein wenig stabilisiert. Aber zum Beispiel das 1:1 in Nürnberg, bei dem Schalke sich zu einem Punkt duselte, war der letzte noch fehlende Beleg dafür, dass mit dieser Mannschaft wohl kein Staat mehr zu machen ist. „Das geht so nicht“, stand Stevens nach dieser Minus-Leistung kurz vor der Schnapp-Atmung - und gab erstmals auch deutlich zu verstehen, dass seine Bereitschaft, als „Retter“ einzuspringen, im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit für den 65-jährigen Trainer ist, der 2016 in Hoffenheim aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Keine Frage: Diese Schalker Saison geht auf die „Pumpe“.

„Ja wollen die denn, dass sich die Schalker in ganz Deutschland blamieren?“
Elisabeth Goerke

Und jetzt auch noch das Derby. Live. Vor einem Millionen-Publikum. In einer Phase, in der selbst die eigenen Anhänger den Glauben an den Klassenerhalt nur haben, weil sie im Schnecken-Rennen der Keller-Kinder großes Vertrauen in die Schwäche der Konkurrenz haben - und nicht etwa in die Qualitäten ihrer Mannschaft. Nach dem durch die 0:2-Niederlage im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen auch der letzte Saison-Traum geplatzt ist, geht es nun nur noch darum, die Saison möglichst stressfrei zu Ende zu bekommen - und am 34. Spieltag ein „Endspiel“ gegen den VfB Stuttgart um den Relegationsplatz zu vermeiden.

Tabellarische Bedeutungslosigkeit

Auf dem Weg dahin hat Schalke bei nüchterner Betrachtung die drei Punkte aus dem Derby nicht unbedingt einkalkuliert. Schon im Hinspiel war Borussia Dortmund klar überlegen, das Ergebnis von 2:1 für die Gäste schmeichelte Schalke noch. Es war die Phase der Saison, in der der BVB durch die Liga marschierte, während Stevens-Vorgänger Domenico Tedesco noch darauf hoffen durfte, mit den als Vize-Meistern angetretenen Schalkern doch noch irgendwie die Kurve zu kriegen.

Doch im Gegensatz zur Vorsaison, als Schalke in Dortmund ein sensationelles 4:4 nach 0:4-Halbzeitrückstand holte und das Rückspiel in der Veltins-Arena souverän mit 2:0 gewann, war dieses Derby nur eine Episode auf dem Weg in die tabellarische Bedeutungslosigkeit. Schalke fieberte dem Hinrunden-Ende entgegen, aus der geplanten Aufholjagd in der Rückrunde wurde ein bemerkenswerter Rohrkrepierer.

Gänsehaut-Erlebnis in der Saison 2000/01

Daran konnte auch Stevens noch nicht viel ändern, dennoch ist er so etwas wie ein Hoffnungsträger für die Schalker Fans: Die Derby-Bilanz des Niederländers mit Schalke in der Bundesliga ist relativ ausgeglichen (vier Siege, sechs Unentschieden, fünf Niederlagen), mit dem 4:0-Sieg in Dortmund in der Saison 2000/01 hat Stevens den S04-Anhängern ein ähnliches Gänsehaut-Erlebnis mit Ewigkeitsverdacht beschert wie Tedesco in der Vorsaison mit der sensationellen Aufholjagd beim 4:4. Ein solches Husarenstück, so ehrlich sollte man sein, wird von der aktuellen Schalker Mannschaft nicht wirklich erwartet, wahrscheinlich würde sie es selbst nicht von sich erwarten. Zu Optimismus verführt da schon eher der Umstand, dass Stevens sein bislang letztes Derby als Schalke-Trainer in der Saison 2012/13 gewann - 2:1, in Dortmund.

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Das würde den meisten Schalker Fans wohl schon genügen. Und es hätte den Neben-Effekt, damit Revanche für die Saison 2006/07 nehmen zu können. Damals rettete Borussia Dortmund unter Trainer Thomas Doll eine verkorkste Saison am vorletzten Spieltag durch einen (völlig verdienten) 2:0-Sieg gegen Schalke. Die Königsblauen waren als Spitzenreiter und Meister in spe angetreten und reisten als Tabellenzweiter wieder ab. Der BVB hatte Schalke zum Vize-Meister gemacht - und feierte das auch gebührend.

Eine einzige Magenverstimmung

Auch Schalke könnte Borussia Dortmund nun kräftig in die Meister-Suppe spucken - aber selbst wenn das gelänge, wäre diese Saison nicht mehr als eine einzige Magenverstimmung für Schalke. Denn als Konsequenz aus einem S04-Erfolg in Dortmund wäre der FC Bayern wieder näher an der Schale – und der ist in Gelsenkirchen mindestens so beliebt wie ein Zahnarzt-Besuch. Oder wie der BVB halt.

Der FC Schalke 04 vor dem Derby beim BVB: Augen zu und durch

Am 20. Oktober 2012 hatte Schalkes Coach Huub Stevens gut lachen: Seine Mannschaft bezwang im Signal Iduna Park Jürgen Klopps BVB mit 2:1. © dpa

Also: Größer als das Derby-Fieber ist auf Schalke im April 2019 das Fiebern Richtung Saisonende. Insofern hielt sich die Begeisterung darüber, dass das Spiel in Dortmund tatsächlich live im Free-TV übertragen wird, in Grenzen. Die Sorge vor einer Blamage ist eben größer als die Hoffnung auf eine Sensation. Aber gerade im Revierderby weiß man ja nie. Also wird natürlich trotzdem geguckt. Auch bei Elisabeth Goerke in Gelsenkirchen-Ückendorf läuft der Fernseher am 27. April um 15.30 Uhr. Augen zu und durch. Echte Schalker kneifen nicht. Schon gar nicht im Derby.

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