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BVB-Berater Sammer: Deutscher Fußball läuft der Musik hinterher

Branchenmesse „Spobis“

Dem deutschen Fußball gehe es nicht gut, sagt Matthias Sammer. Über Versäumnisse und Hausaufgaben sprach der für den BVB als externer Berater tätige Ex-Profi auf der Branchenmesse „Spobis“.

Düsseldorf

, 31.01.2019 / Lesedauer: 3 min
BVB-Berater Sammer: Deutscher Fußball läuft der Musik hinterher

Stellt dem deutschen Fußball kein gutes Zeugnis aus: Matthias Sammer. © imago

Es dauerte nicht lange, bis Matthias Sammer warm gelaufen war. Sammer ist, was die Bewertung des Ist-Zustands und das Erkennen von Anforderungen für die Weiterentwicklung des Profifußballs angeht, im modernen Sprachduktus wohl einer der wichtigsten „Influencer“. Anerkannt für seine fachlich herausragenden Analysen, geschätzt wie gefürchtet für seine unverblümte Kritik.

Verlust der Identität

„So geht’s dem deutschen Fußball“, war das Interview mit dem ehemaligen BVB-Trainer und jetzigen externen Berater betitelt - und Sammer kommt zu einem betrüblichen Ergebnis: „Wir laufen aktuell der Musik hinterher“, meinte der 51-Jährige. „Sowohl was den Vereinsfußball, als auch, was die Nationalmannschaft angeht.“

Das hängt seiner Meinung nach zum einen mit „einem zwischenzeitlichen Verlust an Identität“ zusammen. Und zum anderen vor allem mit dem „Fehlen von Kompetenz auf allerhöchster Ebene“. Als der deutsche Fußball im Jahr 2000 am Boden gelegen habe, sei „organisatorisch vieles richtig gemacht“ worden, inhaltlich aber habe sich der deutsche Fußball irgendwann nicht mehr weiterentwickelt. „Ich meine, du musst Dir als Verein oder Verband so viel Kompetenz wie möglich reinholen.“

„Davon habe ich Ahnung“

Im großen Erfolg, meint Sammer, sei es das Wichtigste, sich zu fragen: „Reicht es auch noch für morgen? Als wir die ersten Erfolge eingefahren haben, 2007/08, da waren die Engländer fast wöchentlich in Frankfurt und wollten beim DFB wissen, wie wir das machen.“ Jetzt aber seien selbst kleinere Nationen wie die Niederlande oder Belgien, was die Ausbildung anginge, dem deutschen Fußball voraus. Intelligente und zielgerichtete Nachwuchsarbeit - für Matthias Sammer das Kernelement, um wieder den Anschluss an die europäische und an die Weltspitze zu schaffen „Wer den Wert der Nachwuchsarbeit in Frage stellt, wird untergehen.“

BVB-Berater Sammer: Deutscher Fußball läuft der Musik hinterher

Zwischen Matthias Sammer (l.) und Hans-Joachim Watzke „wird es auch schon mal lauter“. © imago

Sammer, das war in den rund 45 Minuten auf der Hauptbühne im Congress Center zu spüren, war in seinem Element. Über Fußball zu reden, seine Meinung einzubringen, das ist so etwas wie eine Berufung geworden für den einstigen „Motzki“. „Davon habe ich Ahnung!“ Als Meckerer versteht er sich heute nicht, eher als Mahner. Und als jemand, der von außen seine fundierte und auch ungeschminkte Wahrheit einbringen kann. Genau diese Rolle nimmt Sammer bei Borussia Dortmund ein - und wird dort geschätzt für seine schonungslosen Analysen. Hört man ihm zu, kann man sich bildlich vorstellen, was da abgeht, wenn Hans-Joachim Watzke über die regelmäßigen Treffen mit Sammer sagt: „Da wird es auch schon mal lauter.“

„Dahin zieht es mich nicht mehr“

Er liebe diesen Sport, sagt Sammer, und auch wenn die Profiklubs heute Wirtschaftsunternehmen seien, „wird das Spiel immer das Wichtigste bleiben.“ Will er irgendwann einmal zurück ins operative Geschäft? „Keine Angst“, sagt Sammer zum Schluss und grinst. „Dahin zieht es mich nicht mehr!“

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