Es war eine Gratwanderung auf der Jahresbilanz-Pressekonferenz des Flughafens Münster/Osnabrück am Freitag: Einerseits wollten die Verantwortliche Zufriedenheit vermitteln über ein annehmbares Geschäftsjahr 2011, andererseits sollte die Öffentlichkeit auch schon mal auf schwierige Zeiten eingestimmt werden.
FMO-Geschäftsführer Gerd Stöwer war nicht allzu gut bei Stimme; eine Halsentzündung war der Grund. „Aber nicht, dass es nachher heißt: Stöwer war sprachlos“, scherzte er.
Insgesamt "ein gutes Jahr"
Stöwer und der Aufsichtsratsvorsitzende, Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe, mussten einen minimalen Rückgang von 0,1 Prozent bei den Passagieren verkünden; 2011 flogen knapp 1,33 Millionen Menschen ab FMO. Insgesamt sei das "ein gutes Jahr gewesen“, so der Flughafen-Chef. Auch deshalb, weil man erneut mit den Widrigkeiten eine unruhigen Branche zu kämpfen hatte.
Damit meinte Stöwer den Wegfall der Air-Berlin-Strecken London und Wien, aber auch die Luftverkehrssteuer, „die besonders die kleineren Flughäfen trifft.“ Das fünfprozentige Wachstum bei den Passagierzahlen in Deutschland habe deshalb fast ausschließlich auf den Großflughäfen wie Frankfurt oder Düsseldorf stattgefunden.
Acht Millionen Euro operativer Gewinn
Erfreulicher als die Fluggastzahlen ist das wirtschaftliche Ergebnis des FMO in 2011 ausgefallen: Der operative Gewinn betrug gut acht Millionen Euro, selbst nach den obligatorischen Abschreibungen und Zinsen für frühere Terminal-Investitionen bleibt noch ein kleines Plus übrig. „Damit haben wir unser Ziel von 2009, bis zum Jahr 2011 eine schwarze Null zu schreiben, sogar leicht übertroffen“, freute sich Stöwer. Aufsichtsrats-Chef Markus Lewe meinte, dass im abgelaufenen Jahr nur ganz wenige Großflughäfen schwarze Zahlen geschrieben hätten. Und eben der FMO.D
Das allerdings hat dann wieder mit den Passagierzahlen zu tun. Die sind vor allem deshalb nicht höher, weil der FMO bisher nicht bereit ist, sein Flugfeld für die so genannten Billigflieger zu öffnen. „Täten wir das unter deren gegenwärtigen Bedingungen, würden wir ein jährliches Defizit im zweistelligen Millionenbereich verkünden müssen“, sagte Gerd Stöwer.
Gespräche mit Billigfliegern
Gleichwohl möchte der FMO-Geschäftsführer mit den entsprechenden Anbietern weiterhin reden, „Denn wir stellen eine gewisse Bewegung bei den Low-Costern fest.“ Lewe nickte und sagte, dass „der FMO in Abstimmung mit den Gesellschaftern weitere Gespräche in diese Richtung führen wird.“ Das geschehe bereits von Fall zu Fall, sagte Stöwer – das Thema Billigflieger bleibt also am Grevener Flughafen auf der Tagesordnung.
Zumal der Flughafen Münster/Osnabrück derzeit auf eine Durststrecke zusteuere, wie sowohl Lewe als auch Stöwer mehrfach betonten. „Die aktuelle Marktlage macht dem FMO das Leben schwer“, sagte Stöwer wörtlich. Deshalb werde die schwarze Null in der Bilanz in diesem Jahr nur schwer zu halten sein. Vor allem der Wegfall der London-Verbindung sei ein schwerer Schlag gewesen, man verhandele derzeit sowohl für die britische Hauptstadt als auch für die Wien- und Stuttgart-Strecken mit anderen Anbietern.
2012 könnte schwierig werden
Sollten diese Gespräche indes erfolglos bleiben, erwartet der FMO-Geschäftsführer für 2012 einen Passagierrückgang von bis zu 15 Prozent. Das wären etwa 200000 Fluggäste weniger. Sollte es dazu kommen – da braucht man kein Prophet zu sein –, werden die Billigflug-Airlines am Flughafen Münster/Osnabrück endgültig ein brandheißes Thema.
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