Am 16. August beginnen die Proben. Haben Sie schon die komplette Partitur gesehen?
Nein, nur Dreiviertel. Der Rest kommt in den nächsten Tagen. Henze hat seine Arbeit aber schon beendet.
Ist "Gisela" ein typisches Henze-Spätwerk?
Ja, schon, aber er schreibt hier für junge Leute, die die Oper auch aufführen sollen. Deshalb erinnert mich Gisela ein bisschen an Henzes Kinderoper Pollicino. Henze hat bei "Gisela" daran gedacht, für wen er schreibt.
Aber die Orchestrierung ist sehr herausfordernd für alle Musiker. Es sind auch ein Heckelphon und Wagner-Tuben besetzt. Aber wir hatten keinen Musiker, der Heckelphon spielen kann. Wir haben Henze gefragt, ob er das umschreiben kann, das hat er absolut abgelehnt. Er hat mir gesagt, gerade diese Instrumente müssen die jungen Leute lernen. Wir haben jetzt welche gefunden, die extra Heckelphon lernen für die Aufführungen.
Ist Gisela so etwas wie die kleine Schwester von Henzes Oper Phaedra oder die große Schwester von seinem Pollicino?
Es ist genau dazwischen.
Ist die Arbeit mit den jungen Menschen, den Musikern vom Landesmusikrat, dem Jugendchor der Dortmunder Chorakademie und den jungen Solisten für Sie als Dirigent eine besondere Herausforderung?
Für mich ist es nur ein Genuss. Ich sehe keine Probleme, und einige der jungen Musiker sind schon auf dem Weg zum Profi. Wir haben den hervorragenden Jugendkammerchor der Chorakademie am Konzerthaus Dortmund und ein Ensemble, das hervorragend gut spielen wird. Die Motivation und Begeisterung ist bei allen sehr groß.
Wie groß ist das Orchester besetzt?
Es ist ein kleines Orchester mit rund 40 Musikern. Henzes Musik ist sehr anspruchsvoll - auch für den Chor.
Wird Henze bei den Proben dabei sein?
Ich habe viel mit ihm und dem Regisseur gesprochen. Henze will bei vielen Proben dabei sein. Es wird keine getrennten musikalischen und szenischen Proben geben. Meine Idee ist, die Orchestermusiker auch zu szenischen Proben einzuladen. Dadurch wächst alles mehr zusammen. Auch der Chor soll dabei sein. Er singt nur a cappella-Madrigale, aber er soll viel anwesend sein bei den Proben.
Proben Sie auch in der Maschinenhalle in Gladbeck?
Ja, dort wird ein kleiner Campus für uns aufgebaut. Die jungen Menschen sind dann weit weg von jedem äußeren Einfluss und können in Ruhe proben.
Erzählt die Oper von den Menschen hier im Ruhrgebiet?
Es geht um eine Klassenfahrt von Oberhausen nach Napoli. Ich habe Henze gefragt, ob das ein Spiegel seines Lebens sein könnte. Er hat nein gesagt. Aber vielleicht ist es ihm unbewusst. Es geht um unser Ruhrgebiet, daran gibt es im Text auch kleine Referenzen.
Ist eine CD oder DVD wie bei den "Soldaten" von Zimmermann geplant?
Im Moment nicht, aber ich will das nicht ausschließen. Aber für diese Oper ist ein Afterlife geplant. Andere wollen sie übernehmen.
Termine: 25., 28., 30.9., 2., 3., 6., 8.10., jeweils 19.30 Uhr, Zeche Zweckel Gladbeck. Aufführungsdauer: zwei Stunden inklusive Pause. Karten: (15-60 €): Tel. 07 00 20 02 34 56. Am 20.11. feiert „Gisela“ in der Semperoper Dresden Premiere.


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